Sparen, wo es nur geht

Sparen, wo es nur geht

Weniger Unterstützung für Vereine, höhere Beiträge für Familien und mehr Arbeit für weniger Personal in der Verwaltung: Der Gemeinderat hat ein umfangreiches Sparpaket geschnürt. Damit will er das drohende Millionendefizit abfedern. Doch langfristig wird eine Steuererhöhung wieder zum Thema werden.

An der Generalratssitzung vom 7. Oktober stehen zwar mehrere Geschäfte auf der Traktandenliste. Doch was über dem Abend hängt, wird erst im Dezember behandelt: die Sparmassnahmen. Der Gemeinderat informiert gegen Ende der Sitzung die 44 anwesenden Parlamentsmitglieder im Detail über die einzelnen Punkte. Wenige Stunden zuvor hat er die Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung, die betroffenen Vereine und die Medienvertreterinnen ins Bild gesetzt.

Defizit bis 1,1 Mio. Franken

Wünnewil-Flamatt muss sparen. Im Frühjahr hatte das Stimmvolk sowohl eine kommunale Steuererhöhung wie auch ein kantonales Massnahmenpaket abgelehnt. Zwar tragen aktuell mehrere Faktoren zu einer positiven Entwicklung für die Gemeindefinanzen bei. Dennoch muss im Finanzplan ohne die jetzt angedachten Sparmassnahmen ab 2027 mit einem Defizit von 922’000 Franken gerechnet werden. Falls der Kanton gewisse Massnahmen nicht auf die Gemeinden abwälzt, wären es 376’000 Franken. In den Folgejahren dürfte das Defizit jedoch so oder so weiter steigen und bis 2031 gar 1,1 Mio. Franken betragen. Mit den vorgesehenen Sparmassnahmen will der Gemeinderat die Rechnung in den Jahren 2027 bis 2031 um jährlich 450’000 bis 720’000 Franken entlasten. Das Defizit lässt sich damit allerdings nicht vollständig auffangen.

Vereine und Familien

«Es ist eine Information, die wir lieber nicht machen würden», sagt Syndic Andreas Freiburghaus an der Medienorientierung. Denn nur ein kleiner Teil der Ausgaben kann die Gemeinde überhaupt beeinflussen – das meiste ist gesetzlich vorgeschrieben. Und dieser kleine Teil verteilt sich auf viele kleinere und grössere Posten, die häufig Vereine, Geringverdienende oder Familien betreffen. Die Ludothek, der Verein Tapiogyörgye, die Musikgesellschaft – sie werden, sofern das Budget Anfang Dezember so durch den Generalrat genehmigt wird, fortan weniger Gemeindebeiträge erhalten. Ganz ohne Unterstützung müssen zum Beispiel das Dorfmuseum oder der Senioren Träff 60+ auskommen. Die Jungbürgerfeier: gestrichen. Der Gewerbeapéro: auch diesen wird die Gemeinde voraussichtlich nicht mehr durchführen. Eltern müssen mehr für den Blockflötenunterricht oder die Hausaufgabenhilfe ihrer Kinder zahlen. Die Krabbelgruppe Wünnewil und den Theaterkurs wird die Gemeinde nicht mehr anbieten. Vereine müssen künftig für die Benützung von Aula, Sporthallen oder Gemeindesaal Miete bezahlen. Die Liste geht noch lange weiter. Hier 4500 Franken einsparen, dort 6100 Franken weniger ausgeben – so will der Gemeinderat das Defizit möglichst weit abfedern.

Gärten machen Bauland frei

Eine weitere Massnahme ist die Aufhebung des Hauptfelds des Fussballplatzes Flamatt, das hauptsächlich für Trainings benutzt wird. Auf einem Teil der Fläche sollen künftig Kürbis, Bohnen oder Salat wachsen. Denn die Schrebergärten östlich davon, an der Ecke Zeughausstrasse/Austrasse, liegen auf einer Baulandparzelle. Kann die Gemeinde diese im Baurecht abgeben, erhofft sie sich einen Ertrag von 40’000 Franken. Die Schrebergärten würden dafür auf einen Teil des heutigen Fussballplatzes verlegt.

Schwierige Entscheidungen

«In Klausur- und Gemeinderatssitzungen haben wir uns intensiv mit den Massnahmen befasst», erklärt Gemeinderat Walter Stähli, zuständig für die Finanzen. Gemeinsam mit der Gemeindekasse wurde geprüft, welche Ausgaben überhaupt beeinflusst werden können. Anschliessend wurden Aufwand, Ertrag, Dienstleistungen und Investitionen analysiert und die möglichen Massnahmen nach Dringlichkeit eingeteilt. «Diese Diskussionen waren nicht einfach», räumt Stähli ein. Erschwerend kam hinzu, dass fünf der neun Ratsmitglieder neu in der Exekutive sind. Allerdings sei vieles bereits in der vergangenen Legislatur vorbereitet worden. So habe man sich trotz allem gefunden. «Alle haben gesehen, dass es sein muss.»

Auch Verwaltung wird schlanker

Die Gemeinde spart aber nicht nur bei den Vereinen und im sozialen Bereich. «Wir haben unsere Verwaltung mit derjenigen von ähnlich grossen umliegenden Gemeinden verglichen und detailliert durchleuchtet, wie es mit den Stellenprozenten aussieht», erläutert Stähli. «Wir stehen im Vergleich nicht schlechter da.» Dennoch hat der Gemeinderat in verschiedenen Abteilungen Stellenprozente gekürzt oder Arbeiten verlagert. So soll beispielsweise die Gemeinwesenarbeit-Stelle gestrichen werden; ihre Aufgaben würde die Verwaltung übernehmen. Für die verbleibenden Mitarbeitenden bedeutet dies zusätzliche Arbeit bei insgesamt weniger Personal.

Lösung nur auf Zeit

Anfang Dezember berät der Generalrat über das Budget. Es ist davon auszugehen, dass das Massnahmenpaket zu diskutieren geben wird. Und selbst wenn es so wie vorgeschlagen angenommen wird: Gelöst ist die Problematik nicht. Die demografische, wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung macht auch vor Wünnewil-Flamatt nicht halt. Syndic Andreas Freiburghaus bestätigt: «Ich habe mich bei den umliegenden Gemeinden umgehört. Es geht allen gleich. Ohne eine Erhöhung der Steuern wird es nicht möglich sein.»

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