«Das Aussergewöhnliche zieht mich an»

«Das Aussergewöhnliche zieht mich an»

Im Geschäft von «Christine Coiffure» macht eine gläserne Trophäe von sich reden. Sie gehört Nina Maria Raemy, ihres Zeichens Lehrfrau im dritten Lehrjahr, die am Wettbewerb «Swiss Hair Talent Digital» eine der vier Kategorien gewinnen konnte.

«Als ich klein war, wollte ich im Zoo arbeiten», erzählt Nina Maria Raemy, die auf einem Bauernhof mit Tieren aufgewachsen ist. In der Oberstufe ging sie zum Schnuppern: Floristin, Malerin, Landschaftsgärtnerin, Bäckerin und das Büro hat sie sich angeschaut, bei der Coiffeuse hat es schliesslich gefunkt. Ihre Mutter habe bereits als Coiffeuse gearbeitet: «Das hat mich vermutlich inspiriert.» In Christine Fontanas Salon in Flamatt hat sie das für sie perfekte Umfeld angetroffen: «Ich habe gespürt, dass ich ins Team passe und mich wohlfühle.» Den Entscheid hat sie nie bereut: «Egal, welche Ideen ich hatte – meine Vorgesetzten haben mich immer unterstützt und sich Zeit für mich genommen.»

Erfolg im zweiten Anlauf
Bereits 2020, während des zweiten Lehrjahres, hatte sich Raemy am Wettbewerb beteiligt, aber noch ohne Erfolg. Für die Ausgabe 2021 sandte sie erneut Fotos ein. Die Kategorie «Wedding» gewann sie unter dem Arbeitstitel «Just married», bei «Avantgarde» belegte sie den zweiten Platz. Ideen holte sie sich bei Internet-Recherchen, als Modell konnte sie Ursula Dutly, die Ausbildnerin, gewinnen: «Sie hatte sehr langes und dichtes Haar und war für meine Zwecke perfekt.» Etwa einen Monat dauerten die Vorbereitungen, hauptsächlich in der Freizeit: «Wir haben uns an Sonntagen im Geschäft getroffen, um zu üben.» Die 18-jährige Düdingerin erklärt: «Ich hatte eine konkrete Idee, aber schliesslich habe ich alles anders gemacht, als geplant. Ich reagiere spontan auf die aktuelle Situation, beobachte, wie das Haar fällt und arbeite dann damit.» Die Locken befestigte sie mit Clips und fixierte sie anschliessend mit Haarspray und Haarnadeln. «Die Fotos schoss ich ebenfalls selbst; für einen neutralen Hintergrund hängten wir Vorhänge auf.» Mehr als drei Stunden wendete sie pro Kreation auf, inklusive Schminken des Modells.

Vorbildliche Arbeitseinstellung
Ursula Dutly lobt ihre Lehrfrau: «Sie hat eine vorbildliche Arbeitseinstellung, deshalb unterstützte ich sie gerne. Wenn man sie einpfercht, kommen ihre Stärken nicht so zum Tragen. Sie ist ein Freigeist, der gut improvisieren kann. Darum hatte ich auch immer Vertrauen, dass sie ein tolles Resultat schaffen wird.» Bei der ersten Teilnahme sei sie noch ein wenig zögerlich an die Arbeit gegangen. Vor dem zweiten Mal habe sie selbstbewusst gesagt: «Wenn ich teilnehme, stehe ich nachher im ‹Coiffeur-Journal›.» Ziel erreicht.

Am 28. November 2021 fand die Preisverleihung im Rahmen eines Herbstseminars von «Coiffure Suisse» im Grand Hotel Victoria-Jungfrau statt. «Auf der Bühne sollte ich noch ein paar Worte zu meiner Kreation sagen – das war nicht so mein Ding», meint Raemy, die sich als eher zurückhaltend bezeichnet. Das digitale Format kommt ihr entgegen: «Man hat so viel Zeit, wie man benötigt, keinen Stress und keine Leute, die einem über die Schulter schauen.» Das nächste Ziel der jungen Senslerin sind die «SwissSkills». Vor Publikum zu arbeiten wäre für sie etwas Neues, aber sie sagt von sich selber: «Ich brauche manchmal etwas Druck, um Neues zu wagen.»

Nächste Station unklar
Im Sommer ist Raemys Ausbildungszeit zu Ende. Ihre Hobbys Reiten, Leichtathletik und Orientierungslauf musste sie in den letzten Jahren zurückstellen: «Seit ich in der Lehre bin, habe ich nur noch wenig Zeit für solche Dinge.» Stattdessen nutzte sie ihr Bahn-GA, um alle Kantone zu bereisen. Wohin es sie im Sommer zieht, ist noch nicht klar. Ein Traum wäre die Teilnahme im Nationalteam, um die Arbeitsweise in anderen Ländern kennenzulernen. Mit einem Lächeln erklärt sie: «Das Aussergewöhnliche zieht mich einfach an.»

«Swiss Hair Talent Digital»
US. «Swiss Hair Talent» ist ein nationaler Wettbewerb für junge Berufsleute bis 25 Jahre. 2020 sollten die Gewinner erstmals in einem Präsenz-Wettbewerb gekürt werden. Corona hat die Veranstalter gezwungen, das Format anzupassen: Jede Teilnehmerin entscheidet sich für ihre Kategorien («Relooking», «Avantgarde», «Homme» oder «Wedding») und schickt jeweils drei Fotos ihres Modells (Front, Seite und Hinterkopf) an die dreiköpfige Fach-Jury, die über die Preise entscheidet.

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