Genau an dieser Stelle eines Artikels bauen Journalistinnen und Journalisten normalerweise ein schillerndes Zitat ein oder vergleichen ein Thema mit einem anderen, damit die geneigte Leserschaft einen bildlichen Einstieg erhält. Diesmal wird beides hinfällig, denn der Vergleich von Gemeindepräsidentin Tanja Bauer zwischen den KMU aus Köniz und den Schweizer Skirennfahrern Marco Odermatt und Co. ist bereits so etwas wie die Ideallinie. Also nichts wie los aus dem Starthaus – und ab geht die Lauberhornabfahrt.
Wie Wengen
Wer an diesem sonnigen Mittag Mitte Januar den Neujahrsantrunk im Schloss Köniz betritt, hätte meinen können, er sei versehentlich in den Zielraum einer Weltcup-Abfahrt geraten. 160 Personen sind anwesend – Unternehmerinnen und Unternehmer, drei Gemeinderäte und die Gemeindepräsidentin. Beat Haari als Präsident des KMU hat die Funktion von Urs Lehmann als FIS-Direktor, Stephan Rothenbühler und Constanze Gülle geben die Namenschilder aus und sorgen für dieselbe gute Stimmung wie bei der Startnummernvergabe. Das neue Jahr ist eine Rennstrecke. Für die Gewerblerinnen und Gewerbler heisst es, sauber über den Hundschopf zu fahren, bei der Minsch-Kante eng ans Tor zu ziehen, damit die Einfahrt ins Kernen-S mit viel Tempo gelingt. Dann gilt es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um das S ohne Gegenschwung zu treffen und das ganze Tempo mit in die Gleitpassagen zu nehmen. Im Haneggschuss beginnen die Beine zu brennen, dann heisst es, auf die Zähne zu beissen und noch einmal alles reinzuwerfen, damit die mutige Linie im Ziel-S die bisherige Fahrt auch belohnen kann.
Die Odermatts, von Allmen und Meillards
Im Rossstall am KMU-Neujahrsapéro herrscht eine lockere Stimmung, wie im Startgelände. Die Aufwärmphase beginnt. Unternehmer, die wie Marco Odermatt die richtige Mischung aus Angriff, Präzision und perfektem Timing finden; andere, die mit dem Mut von Franjo von Allmen die Freude am Beruf ausleben, sich nicht vor einem Sturz fürchten und – wenn doch – wieder aufstehen und weitermachen. Weitere ähneln der Eleganz, mit der Alexis Monney schwierigste Passagen meistert, und einige haben sogar die Fähigkeiten eines Loïc Meillard, der auf jedem Untergrund, in jeder Lage zurechtkommt und den Stangenwald meistert, wie es nur ganz wenige können. Ivo Bieri von der Bucher Baugeschäft AG aber ist nichts von alledem. Das Unternehmen feierte kürzlich sein 75-jähriges Bestehen. Er wäre dann so etwas wie Dominik Paris: erfahren wie kaum jemand und trotzdem noch hungrig auf Erfolg – ein Publikumsliebling am diesjährigen KMU-Anlass.
Die Gemeinde ist die Piste
Während im Skirennsport Hundertstelsekunden über Sieg oder Rang vier entscheiden, sind es im Gewerbe oft Kleinigkeiten: ein gutes Gespräch, ein mutiger Entscheid oder ein Netzwerk-Anlass wie dieser Neujahrsantrunk. Wer spricht mit wem? Wer fährt im Windschatten? Das Könizer Gewerbe versteht sich bestens untereinander, die Firmen vermischen sich. Die drei Gemeinderäte Kathrin Gilgen (SVP), Dominik Amacher (FDP) und Thomas Marti (GLP) sowie die Gemeindepräsidentin sind dabei so etwas wie die Rennleitung: Sie stecken den Kurs, sorgen für faire Bedingungen und hoffen, dass alle sicher ins Ziel kommen. Denn egal, ob auf der Piste oder im Gewerbe – ohne gute Rahmenbedingungen gibt es keine Sieger, sondern viele Ausfälle und Stürze. Bauer selbst sieht sich deshalb als diejenige, welche die Piste präpariert. Ins Rennen stürzen müssen sich die Gewerbler jedoch selbst. Denn eines ist klar: Das neue Jahr wird kein gemütlicher Plauschhang, sondern ein «Chuenis Bärgli». Doch mit der Technik eines Odermatt, dem Mut eines von Allmen, der Eleganz eines Monney und der Vielseitigkeit eines Meillard ist das Könizer Gewerbe gerüstet.Der FIS-Direktor des Gewerbes, Beat Haari, schaut der Gemeinde zu und hat den Anspruch gehört, dass man für eine gute Strecke sorgen will. Möge sich nun der Zielraum füllen und die KMU dort frenetisch empfangen werden. Sie hätten es genauso verdient wie die Skistars – wenn nicht gar noch ein wenig mehr. Nun aber raus aus dem Starthaus, mit viel Hopp-Rufen und Stock-
einsatz sofort auf die Ideallinie.

