«Das Handeln liegt mir im Blut»

«Das Handeln liegt mir im Blut»

Sie kauft und verkauft alles, was noch intakt ist und wirft nur ungern etwas weg. Überzeugt davon, dass auch alte Sachen auf jeden Fall eine Zukunft haben, eröffnete sie Ende November einen Pop-up-Store – ein vorübergehendes, provisorisches Geschäft – in den Räumlichkeiten der ehemaligen Landmetzg Jungo.

Ein wenig trauert Andrea Käser der guten alten Zeit schon nach. Respekt und Achtung vor den Dingen sind ihr immens wichtig. Sie ist noch in der Generation aufgewachsen, als Kinder die Kleider der Älteren nachtragen mussten, als Sachen noch geflickt oder weitergegeben wurden, bevor diese – wenn sie gar nicht mehr zu retten waren – entsorgt wurden. «Lädele und händele liegt mir im Blut. Schon als junge Frau verkaufte ich an meinem Stand Sachen, die ich in der Familie gefunden habe oder solche, die mir zugetragen wurden. Flohmärkte waren schon immer mein Revier», erzählt die 57-Jährige begeistert. In der ganzen Schweiz sei sie damals herumgereist und oft habe sie gerade so viel umsetzen können, dass es auf dem Nachhauseweg für Essen und Trinken mit Mann und Freundin gereicht habe. Gelungene Tage, meint sie.

«Ich wühle gern im Dreck»
Wahre Schätze findet Käser oft bei Hausräumungen oder in Mulden, die sie magisch anziehen. Fast jedes Stück, sei es ein Kleid oder ein Gegenstand, ist mit einem Stempel, Logo oder sonstwie gekennzeichnet, so dass sie im Internet begeistert auf Spurensuche gehen kann. «Ich bringe oft sehr viel, meist zu viel, mit nach Hause. Alles sortieren, reinigen, flicken, polieren und nachforschen, woher etwas stammt und die Geschichte dazu, ist sowas von spannend und faszinierend», schwärmt sie mit etwas feuchten Augen. Durch ihr ausgedehntes Hobby ist so Einiges zusammengekommen. Ein Sammelsurium an Kleidern aus verschiedenen Epochen, erfreut das Herz eines jeden Theaterfreundes. In ihrer ‹Mini-Brocki› mit Selbstbedienung direkt neben dem Haus können Interessierte nach Herzenslust herumstöbern. Der zweifachen Mutter geht es aber keineswegs darum, in erster Linie Geld zu verdienen. Ihre Freude am Trödeln und die Hochachtung vor den Sachen ist ihr viel wichtiger. Dabei lernte sie bereits etliche kreative Menschen, Handwerker, Künstler, Spinner und Genies kennen, deren Fantasie durch ihre Waren angeregt worden ist.

Eine «schräge» Person
Andrea Käser tanzt gerne auf vielen Hochzeiten. Das sei schon immer so gewesen, wie sie selber sagt. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, hat sich dann aber umentschieden und ein Sozialpädagogisches Studium und Jahre später noch den Lehrgang Fachfrau Hauswirtschaft so wie die Ausbildung zur eidg. Dipl. Erwachsenenbildnerin abgeschlossen. Momentan arbeitet sie mit Herzblut zu 80% als Gruppenleiterin in einem Behindertenwohnheim. «Ich gehe einem absolut soliden Beruf nach», meint sie schmunzelnd. «Daneben mag ich jedoch alles, was aus dem Rahmen fällt oder ungewöhnlich ist».

Kindertraum ein drittes
Mal erfüllt
Die Teilräumung einer ehemaligen Geschäftsimmobilie in Estavayer, in der einmal ein exklusives Kleiderfachgeschäft untergebracht war, brachte viele neue Markenkleider zutage. Allerdings stammen sie aus den Jahren 2000 bis 2005. Sie sind inzwischen modisch teils wieder hochaktuell. Sie bestehen aus hochwertigem Material und die Preise auf den noch vorhandenen Etiketten sind entsprechend hoch. Dass man solche Artikel nicht einfach entsorgt, sondern weiterverwenden muss, war für Käser sonnenklar. Ein Kunde riet ihr, einen Pop-up-Store zu eröffnen. Das schien genau das Richtige zu sein, um den Traum vom eigenen «Lädeli» nach 16 Jahren Pause ein 3. Mal zu verwirklichen (1. Schwarzenburg, 2. Tafers, 3. St. Antoni). 4 Mal wird das Angebot im Laden der ehemaligen Landmetzg mitten im Dorf gewechselt und steht jeweils an 6 Tagen für Besucher, Neugierige und Freaks zum Durchstöbern und Verkauf bereit. Die Kleider und Gegenstände, die keine Abnehmer finden, kommen einer wohltätigen Organisation wie dem Roten Kreuz oder Coup de Puce in Freiburg zugute.

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