Fritz Brönnimann, Sie sind seit 2004 Gemeindepräsident. Nach 16 Jahren wäre ohnehin Schluss. Warum nun der Rücktritt nach 14.5 Jahren?
Wie vor sechs Jahren, als ich noch berufstätig war, haben sich die gleichen medizinischen Symptome bemerkbar gemacht. Psychische Ermüdung, die Schlafstörungen und Schwindelgefühle auslösten, kehrten zurück. Nach Aufgabe des Berufs fühlte ich mich wieder gesund und ich hoffe, dass wird auch jetzt nochmal so sein. Wie der Beruf hat auch das Amt des Gemeindepräsidenten mehr Substanz abverlangt, als ich mir eingestanden habe. Nicht mehr in der Verantwortung stehen zu müssen wird sicher eine Erleichterung sein.
Wie hat sich die Längenberggemeinde in den vergangenen 14,5 Jahren verändert?
Die neue Gemeinde Wald funktionierte bereits gut. Das Projekt der Ortsplanungsrevision ist im Jahre 2003 in Kraft getreten, was die beiden Überbauungen Stigacher und Weiherweg ermöglichte. Das brachte Zuzüger in die Gemeinde und dadurch stiegen die Schülerzahlen. Das Kindergartenprovisorium konnten wir im Jahre 2010 durch einen definitiven Schulraum ersetzen. Dann wurde für die Strassensanierungen und Netzergänzungen der Trinkwasserversorgung Geld freigegeben. Das waren für mich die grössten Projekte.
Welche Bilanz ziehen Sie als Ressortleiter der Finanzen?
In den Gemeindefinanzen bewegen wir uns ganz klar in den schwarzen Zahlen. Der Blick zurück fällt für mich positiv aus. Das wäre sicher der Wunsch eines jeden Finanzverantwortlichen, dieses Amt in einer solchen Ausgangslage einem Nachfolger übergeben zu können. Es ist natürlich schon so, die Aufgaben und Herausforderungen werden immer grösser. Darum budgetieren wir vorsichtig und sind zum Sparen angehalten.
Welche Geschäfte oder Erlebnisse bereiteten Ihnen als Gemeindepräsident viel Freude?
Ja, da sind einmal die tollen sportlichen Erfolge der Orientierungsläuferin Judith Wyder. Sie ist mehrfache Medaillengewinnerin an Schweizer- und Weltmeisterschaften. Das waren schöne Momente, die wir auch gemeinsam feierten. Was mich auch immer wieder begeisterte, waren die verschiedenen Vereinsfeste, wie zum Beispiel der Musiktag oder das Hornusserfest. Auf Einladung hin konnte ich eine Rede halten und dann auch mitfeiern. Dann der Gedenkanlass «100 Jahre Zimmerwalder-Konferenz» im Jahre 2015, der mir als würdige und gelungene Veranstaltung in Erinnerung bleibt.
An was hatten Sie weniger Freude? Oder was war besonders belastend?
Zu Beginn meiner Amtszeit gab es einige Fälle von häuslicher Gewalt. Da musste ich jeweils vor Ort gehen. So etwas ist sehr unschön, das wünsche ich niemandem.
Auch hat sich das Problem der Mobilfunkversorgung noch nicht gelöst. Ein entsprechendes Bauprojekt wird durch Einsprachen verzögert. Dann wurden wir für eine bessere Internetversorgung immer wieder vertröstet. Aber jetzt sieht es so aus, dass in absehbarer Zeit die Versorgung von der konventionellen Technik auf Glasfaserkabel umgestellt wird.
Sie wirken sachlich, bedacht und arbeiteten stets zum Wohle der Gemeinde. Diese muss Ihnen besonders am Herzen liegen?
Ich liebe diesen Ort, das ist so. Es ist mir aber wichtig, dass, wenn ich etwas anpacke, es dann auch richtig sein muss. Ich halte nichts von Schnellschüssen. Ein Geschäft muss gut überlegt sein, sodass es brauchbar ist. Vor allem, wenn Geld ausgegeben wird, das einem nicht gehört.
Woher nahmen Sie die Motivation? Wo ist Ihr Kraftort?
Die Freude und das Interesse an den Sachgeschäften spielen da eine Rolle. Einen speziellen Kraftort habe ich nicht. Wandern bedeutet mir jedoch sehr viel. Auf Wandertouren, sei es in den Bergen oder im Flachland, finde ich Kraft, Entspannung und Erholung. Im Weiteren organisiere und führe ich für Leute der Kirchgemeinde Wanderungen durch.
Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus? Worauf freut sich Fritz Brönnimann besonders?
Dass ich noch mehr zum Wandern komme, ist eine enorme Vorfreude. Und schon nur der Gedanke, dass ich aus der Verantwortung heraus bin, ist doch eine Erlösung. Ich liebe die klassische Musik, darum freue ich mich enorm, mal ein Konzert zu besuchen oder in aller Ruhe eine CD zu geniessen. Dann habe ich auch viele Sachen zum Lesen. Zu guter Letzt ist es mir ein Anliegen, allen zu danken, die mich unterstützt und zum Wohle der Gemeinde beigetragen haben.