Der Seilpark wird zum Klimaopfer

Der Seilpark wird zum Klimaopfer

Die Freude war gross, als das Regierungsstatthalteramt die Einsprachen ablehnte. Nun ist der Frust gross: Der «Seilpark Gantrisch» kann im Eywald nicht realisiert werden: Zu viele Bäume sind krank.

Wir haben das Pech, dass wir in einem Perimeter sind, wo es viele Fichten und Weisstannen gibt, also genau jene, die am meisten unter der Trockenheit und den Stürmen der vergangenen zwei Jahre gelitten haben», erzählt Rolf Ryser. Der Seilpark-Initiant redet Klartext und trotzdem spürt man ihm seine Verzweiflung an. Immer wieder gibt es eine kurze Pause, immer wieder atmet er kurz aus. Leise, aber hörbar. Es ist ihm nicht zu verdenken, denn das Pech ereilte ihn und sein Team gleich mehrfach.

Die Pechsträhne

Nach dem Sturm «Burglind» im Jahr 2018 bauten sie im Längeney-bad alles wieder auf. Der Liegenschaftsverkauf in der Folge zwang die Belegschaft, eine Suche nach einem neuen Standort zu starten. Im Eywald wurde man fündig. Einsprachen verzögerten das Vorhaben gut und gerne um ein Jahr. Und nun, wo die Ampel endlich auf grün steht, scheitert das Vorhaben wegen kranken Bäumen. Dem Pech die Krone aufgesetzt hat zudem die Bereitschaft, den Seilpark etwas weiter entfernt von den Anwohnenden zu planen – aus Rücksicht. Hätte das Team am ursprünglichen Ort festgehalten, stünde dem Projekt nichts im Wege. So aber «haben wir viel gerechnet und nachgedacht. Das Risiko ist uns einfach zu hoch.»

Klimaauswirkung

Die Wahrscheinlichkeit, dass man jedes Jahr mehrere Bäume entfernen muss, umbaut und temporäre Schliessungen riskiert, erzeugt ein grosses finanzielles Wagnis. Dass der besagte Waldabschnitt krank ist, hat der Forstdienst bei einer Ausforstung im Oktober festgestellt. Das sah vor zwei Jahren noch ganz anders aus: «Wir haben, noch bevor wir das Projekt geplant haben, den Standort schon mal dahingehend untersucht. Da sah es noch gut aus, es war nicht zu erahnen, wie schnell sich die Lage zuspitzt», weiss Ryser.

Aus Forstkreisen ist zu vernehmen, dass die Situation eine Auswirkung der letzten zwei Jahre darstellt. Stürme und Trockenheit haben den Nadelbäumen arg zugesetzt und zudem ideale Voraussetzungen für den Borkenkäfer geschaffen. In einem Gebiet mit ähnlicher Beschaffenheit in Plaffeien musste der Revierförster unlängst 3500m3
Holz entfernen.

Alternativen

Nach dieser Odyssee ist es dem Betreiber nicht zu verübeln, dass er die Suche nach neuen Standorten nicht allzu euphorisch andenkt. Ein Blick in die Region zeigt aber, eine Möglichkeit wäre zumindest prüfbar: der Dorfwald in Schwarzenburg. Nach dem gescheiterten Bärenprojekt steht die Dorfburgerkorporation mit viel Bereitschaft alleine da. «Die Dorfburger sitzen nun auf einem ausgesonderten Stück Wald, das auf ein Projekt wartet. Gibt es Alternativen? Was wäre, wenn der Seilpark in Rüschegg doch nicht entstehen könnte?», schrieb «Die Könizer Zeitung | Der Sensetaler» vor wenigen Monaten. Präsident Hansrudolf Harnisch sagte schon damals: «Wir sind offen für Ideen und fänden es schön, wenn man hier etwas anderes, das mehr im Sinne der Politik und Bevölkerung ist, verwirklichen könnte. Dann wären alle glücklich.» 

Rolf Ryser und sein Team brauchen nun jede Hilfe. Einer der ersten Seilparks der Schweiz hat eine Pechsträhne sondergleichen hinter sich. Es wäre an der Zeit, dass ein Stücklein gesunder Wald den Weg zu einem Stücklein guter Idee mit engagierten Menschen findet. Es wäre nach dieser mühseligen Geschichte nicht mal Glück, sondern eher Gerechtigkeit. Sonst heisst es dann irgendwann wirklich: Der Seilpark – ein Opfer der Klimaveränderung.

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