Die Souffleuse vom Dienst

Die Souffleuse vom Dienst

Eine Standing Ovation im Parlament? Das gibt es eigentlich nie. Aber nur eigentlich. Denn wenn es um Verena Remund geht, sind sich alle Parlamentarier einig: Diese Frau ist weit mehr, als es der Name «Leiterin der Fachstelle Parlament» vermuten liesse. Sie war die Bibliothek des Wissens, die Säule des parlamentarischen Gewissens und ein Leuchtturm der Hilfsbereitschaft. 14,5 Jahre lang.

«Das Könizer Parlament hat eine stilvolle Art zu politisieren.» Schon die ersten Worte von Verena Remund drehen sich nicht um sie selbst, ihr Amt oder ihr Können, sondern um die anderen. Die vom Parlament; ihre Schützlinge möchte man fast meinen, wenn man ihren weiteren Worten lauscht: «Das Parlament ist vielfältig und trotzdem findet es sich immer wieder, ohne dass sich jemand selbst aufgeben muss. Das beeindruckt mich sehr, das ist würdevoll.»

Oberländer Kanten
Beeindruckt sind aber auch die vielen Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die mit der Expertin Kontakt hatten. Im speziellen die Präsidentinnen. «Diese Frau ist einfach ein Schatz», sagt etwa die ehemalige Parlamentspräsidentin und Grossrätin Katja Streiff (EVP). Remund schmunzelt, wenn man ihr solche Rückmeldungen gibt. «Ja, sie waren stets wohlwollend. Man hätte die eine oder andere Intervention vielleicht auch mal kritisieren können, ich habe ja durchaus meine Oberländer Kanten», räumt die Politkennerin ein. Das war wohl auch nötig, um einem Milizparlament unter die Arme zu greifen. Und genau das ist die Aufgabe einer Leiterin Fachstelle Parlament. Sie ist das sichere Backup, damit die Sitzungen reglementskonform ablaufen, die teilweise komplizierten Abstimmungsprozedere rechtlich korrekt vonstatten gehen und keine Formfehler passieren. «Ich habe versucht, die verschiedenen Präsidentinnen und Präsidenten fit für den Job zu machen. Je besser mir das gelungen ist, desto weniger musste ich während der Sitzung machen.» Zu tun gab es für Remund oft etwas. Dann etwa, wenn die Präsidentin fragend nach links blickt und die Expertin ruhig mitteilt, was nun zu tun ist. Oder wenn die Abstimmungen eng ausfallen, Sitzungsunterbrüche verlangt werden sowie Themen jenseits der Traktanden aufkommen. Dezent, mit leicht gesenktem Haupt, flüstert Remund dann der Präsidentin die wichtigen Informationen zu. Wer es nicht weiss, würde es kaum merken.

Lust auf Politik
Und wie wird man Souffleuse für die höchste Könizerin? Indem man einen prallgefüllten Rucksack mitbringt. Remunds Rucksack hat die Ausmasse von internationalen Trampern. 12 Jahre lang war sie zuvor Gemeindeschreiberin in Aarberg. Dann kam die Familienzeit, während der sie einen Nachdiplomstudiengang in Public Management absolviert hat. Nach einer kurzen Zeit als selbstständige Beraterin zog es die Politkennerin nach Köniz. Daneben war sie auch Gemeinderätin in ihrer Wohngemeinde und kann so die Abgrenzung zwischen Exekutive und Legislative bestens einschätzen. Doch bei all dem Fachwissen «darf man nicht vergessen, dass es eine Portion Robustheit braucht. Am allermeisten jedoch eine tiefe Überzeugung vom demokratischen System und damit auch dem Parlament», unterstreicht sie. Lust auf Politik ist die Motivation, sich darin zu engagieren.

Selbstbewusstes Parlament
Dass ihr diese Lust nie vergangen ist, unterstreicht ihre Reaktion, als der ganze Saal an der letzten Sitzung lange und kräftig applaudierend bei den Standing Ovations verharrt. Remund kämpft für einen Moment mit den Tränen, die Menschen in diesem Raum sind ihr ans Herz gewachsen, ganz gleich welcher politischen Couleur. «Es sind viele tolle Personen in diesem Parlament ein- und ausgegangen», betont sie. Und was hat sich in 14 Jahren alles verändert? Remund blickt kurz gegen die Decke und erwidert schon fast begeistert: «Das Parlament ist selbstbewusster geworden. Es bewegt sich auf Augenhöhe mit dem Gemeinderat. Das hat meinen Job noch spannender gemacht», sagt sie. Ging es anfänglich noch vornehmlich um administrative Aufgaben, kamen nach und nach neue Projekte hinzu. Die Einführung der parlamentarischen Initiative zum Beispiel oder unlängst die Effizienzsteigerung des Parlamentsbetriebs. «Heute ist die Arbeit der Fachstelle beides, projektbezogene Zusammenarbeit mit Kommissionen und administrative Aufgaben. Man muss beides können», ergänzt sie.

Junge begeistern
Das Feuer, das in ihren Augen flackert, wenn sie von der Arbeit in der Fachstelle erzählt, es spricht wortlos Bände. Remund brennt für die politische Arbeit. Die Tränen des Abschieds – während das ganze Parlament sich ihr zu Ehren erhebt – sie werden nur allzu verständlich. «Ich habe im Laufe der Jahre in allen Parteien Freundschaften schliessen können», freut sie sich. Solche, die anhalten werden; auch dann noch, wenn sie etwas mehr Zeit finden wird, die geliebte Alphütte im Kiental aufzusuchen. Remund verfolgt aber noch weitere Ziele: «Ich möchte gerne in die Schulen gehen und von der Politik erzählen. Vielleicht mit Schülerinnen und Schülern Parlament spielen. Die jungen Menschen sind unsere Zukunft und ihnen möchte ich die Lust weitergeben, sich politisch zu engagieren.» Zuhause hat das funktioniert. Am Familientisch wird lebhaft über politische Aktualitäten diskutiert. Es bleibt kaum ein Zweifel, dass Verena Remund dies nicht gelingen könnte. Ihre Leidenschaft ist ansteckend. «Und nun wünsche ich meiner Nachfolgerin Chantal Fuchs genau dieses Feuer für den Parlamentsbetrieb», sagt sie zum Schluss. Zurück bleibt das Bild der stehenden Ovationen und einem lauten Applaus für eine stille Schafferin voller Leidenschaft. Verena Remund wird zu einem Stücklein Könizer Geschichte. Die Frau, die das Parlament auf Augenhöhe gebracht hat, die Souffleuse vom Dienst.

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