Eine Bäckerfamilie, mit Leib und Seele

Eine Bäckerfamilie, mit Leib und Seele

Per 1. Januar hat Christoph gemeinsam mit den Zwillingen Martin und Stephan den Betrieb von Vater Hans-Peter Schieler übernommen. Das ist die mittlerweile fünfte Generation, welche den Familienbetrieb weiterführt.

Vor 20 Jahren gab es in der Schweiz rund 2500 Bäckereien. Heute sind es noch etwa 1400. Ein grosser Teil davon hat schlechte Zukunftsaussichten. Im Sensebezirk sind von ehemals 22 produzierenden Betrieben noch 10 übrig. Vor diesem Hintergrund ist die Geschichte der Bäckerei Schieler speziell, zumal gleich drei Söhne gemeinsam die Tradition weiterführen wollen. Vor 146 Jahren war Andreas Schieler von Deutschland in die Schweiz ausgewandert und eröffnete in Düdingen eine Bäckerei. 1908 erwarb sein Sohn Johann die Liegenschaft an der Thunstrasse in Tafers. 1945 übernahm dessen Sohn Raymond das Zepter und übergab das vergrösserte und umgebaute Geschäft seinerseits 1976 an Hans-Peter.

«Zu Beginn waren wir zu dritt», erzählt er, «meine Frau, eine Verkäuferin und ich.» Das war zu einer Zeit, als es in Tafers noch vier Bäckereien gab. Die Konsumgewohnheiten haben die Arbeit verändert, wer überleben wollte, musste besser und flexibler sein – und auch am Sonntag arbeiten. «Die Leute wollten über den Mittag einkaufen, also passten wir uns an.» Heute ist das Geschäft von 5.45 bis 18.30 Uhr durchgehend geöffnet. 45 Jahre lang hat der frischgebackene Rentner zusammen mit seiner Frau den Betrieb geleitet, 7 Tage die Woche, 49 Wochen pro Jahr. In den drei aufs Jahr verteilten Ferienwochen in einen normalen Rhythmus zu kommen, sei einfach gewesen. «Nach einer Flasche Rotwein war das Schlafen in der ersten Nacht kein Problem», erzählt Schieler lachend. «Schwieriger war eher die Rückkehr in den Alltag.» Auch mit dem Vorurteil, dass Bäcker nicht am Vereinsleben teilnehmen können, räumt er auf: «Ich habe 32 Jahre aktiv Fussball gespielt».

«Wir haben uns Schritt um Schritt entwickelt, Personal eingestellt, Lehrlinge ausgebildet», resümiert Hans-Peter Schieler. Heute arbeiten 18 Personen im Betrieb: 10 in der Backstube, 8 im Verkauf, davon je 2 Lernende. Ein Lebensmittelgeschäft war von jeher in den Betrieb integriert. Die Waren werden seit 2008 unter dem Volg-Label verkauft. 45 Prozent des Umsatzes macht die Bäckerei, 55 Prozent das Lebensmittelgeschäft. «Ein guter Bäcker steht mit Leib und Seele hinter seinen Produkten», betont Christoph Schieler. «Ich arbeite von 2 Uhr morgens bis am Mittag, dann schlafe ich bis 17 Uhr.» Danach findet das Privatleben statt und vor der Arbeit legt er sich nochmals kurz hin. Sieben Tage, wie sein Vater, werde er aber nicht arbeiten, da die Last nun auf drei Personen verteilt wird.

«Wir hätten jeden Beruf lernen können», betont der 30-Jährige. Er und seine vier Jahre jüngeren Brüder schnupperten auch als Elek­triker oder Schreiner. Schliesslich haben sie sich aber von der Begeisterung ihres Vaters für sein Metier anstecken lassen und sich für den Schwerpunkt Bäcker-Konditor entschieden. Für die Confiserie engagierten sie eine Mitarbeiterin. Auch der vierte Bruder, Matthias, wäre gerne Bäcker geworden, musste aber aufgrund einer Mehlallergie die Pläne ändern und ist heute Telematiker. Schwester Nicole ist Lehrerin geworden. Christoph verbrachte die Lehrzeit in Murten und ist seit 12 Jahren im elternlichen Betrieb tätig. Martin und Stephan haben die Ausbildung bei ihrem Vater absolviert. Bemerkenswert ist der Familienzusammenhalt. Die ganze Familie lebt in Tafers, teils in den Wohnungen oberhalb des Geschäfts. Am grossen Familientisch bei den Eltern trifft man sich regelmässig zum Essen.

Dass bei den Schielers Handwerk auf hohem Niveau betrieben wird, zeigen die Auszeichnungen mit der «Swiss Bakery Trophy» vom «Salon Suisse des Goûts et Terroirs» in Bulle oder die Mitgliedschaft bei den «Chevaliers du Bon Pain». Gerne erinnert sich Hans-Peter Schieler auch an den Gewinn des IP-Suis­se-Preises 1999, als er für seine Kreationen aus Schweizer Mehl prämiert und mit einem Empfang mit Bundesrat Délamuraz belohnt wurde. 26 Brote sind aktuell im Sortiment, dazu 30 Patisserie-Sorten. Das Mehl stammt aus Düdingen, die weiteren Zutaten, wenn möglich, aus der Region.

«Ich bin froh, dass ich zwischendurch noch mithelfen darf», sagt der ehemalige Patron. Untätigkeit ist nicht seine Sache. Umgekehrt profitieren die Söhne vom Know-how, das im Geschäft erhalten bleibt. «Ich habe meinem Vater lange genug über die Schulter geschaut und kenne die handwerklichen Tricks», meint Christoph, «aber für das Geschäftliche bin ich froh um seinen Beistand.» Mutter Anneliese war neben dem Haushalt mit den fünf Kindern zuständig für das Geschäft, die Lernenden und die Administration. «Wir waren immer ein Top-Team», schwärmt ihr Mann. Wenn sie in drei Jahren in Pension geht, wird nochmals viel neue Arbeit auf die drei neuen Betriebsinhaber zukommen. In der nahen Zukunft geht es aber darum, das Geschäft zu konsolidieren. «Momentan sind wir gut aufgestellt», sagt Christoph Schieler, «falls neue Trends kommen, werden wir uns anpassen können.»

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