Ist Augentrockenheit ein häufiges Problem?
Ja, absolut. In der Sprechstunde lassen sich bei jedem fünften Patienten trockene Augen feststellen. Die Beschwerden können dabei sehr unterschiedlich sein. Das Spektrum reicht von gelegentlichem Verschwommensehen und Brennen über starke Schmerzen, Rötungen und überlaufende Augen. Manche nehmen eine Ermüdung wahr, andere klagen über Juckreiz oder Fremdkörpergefühl. Zudem wird auch oft eine Lichtempfindlichkeit bemerkt.
Was sind Ursachen für trockene Augen?
Die Augentrockenheit hat in den letzten Jahren sicherlich aufgrund der steigenden Bildschirmzeit zugenommen. Aber auch andere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Hormone, Medikamente, Krankheiten und Umwelteinflüsse spielen eine Rolle. Bei letzteren sind besonders Rauch, Wind, Kontaktlinsen, Heizungsluft und Klimaanlagen zu erwähnen. Die Ursachen sind also vielfältig, aber zugrunde liegt immer eine Störung des Tränenfilms.
Was hat der Tränenfilm für eine Funktion?
Der Tränenfilm ist essentiell für eine volle Leistungsfähigkeit der Augen. Zudem schützt er das Auge vor Infektionen und spült Fremdkörper heraus. Durch Blinzeln verteilt sich der Tränenfilm regelmässig auf der Augenoberfläche. Ist ein Teil dieses Systems geschwächt, werden die Augen nicht mehr ausreichend befeuchtet und es entstehen Beschwerden.
Was sind die Therapieoptionen?
Die Behandlung der trockenen Augen basiert auf einer Stufentherapie und beinhaltet neben Ausschaltung möglicher auslösender Faktoren (siehe Infobox) den Einsatz von Tränenersatzmitteln in Form von Tropfen, Gel oder Salbe. Je nach Ausprägung kommen zusätzlich antientzündliche Wirkstoffe wie Kortikosteroide oder Ciclosporin zum Einsatz. Zudem können Punktum-Plugs zum mechanischen Verschluss der Tränenabflusswege eingesetzt werden. Ist die Augentrockenheit vorwiegend auf eine Lidrandentzündung (Blepharitis) zurückzuführen, empfiehlt es sich, diese durch Lidrandhygiene und gegebenen-falls kurzzeitigem Antibiotika-Einsatz zu behandeln. Wir bieten ausserdem eine eigene Sprechstunde für trockene Augen an – die sogenannte Sicca-Sprechstunde – bei der wir zusätzliche Lidrandreinigende Verfahren anbieten.
Um die Ursachen für trockene Augen genauer zu verstehen und eine gezielte Behandlung einzuleiten, muss der Tränenfilm genau analysiert werden. Der Tränenfilm ist nur wenige Hundertstel Millimeter dünn und besteht aus drei Schichten. Jede dieser drei Schichten erfüllt einen wichtigen Zweck:
Innere Schicht: Die Muzinschicht (Schleim-schicht) grenzt an die Hornhaut und befeuchtet sie. Diese Schicht lässt den Tränenfilm auf dem Auge haften.
Mittlere Schicht: Die Tränenflüssigkeit (wässrige Schicht) enthält Nährstoffe und Enzyme. Diese Schicht versorgt die Hornhaut mit wichtigen Stoffen und reinigt sie zum Beispiel durch den Abtransport von Fremdkörpern.
Äussere Schicht: Die Lipidschicht (Fettschicht) dient als Schutzfilm über der Tränenflüssigkeit. Dieser fettige Schutzfilm stabilisiert den Tränenfilm und schützt ihn vor Verdunstung.
Selbsthilfe bei trockenen Augen:
• vor allem in klimatisierten Räumen für ausreichende Raumbefeuchtung sorgen
• bei Bildschirmarbeit gezielte Pausen einlegen und bewusst blinzeln
• ausreichend trinken (mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit pro Tag)
• Tabakrauch meiden
• auf eine ausgewogene Ernährung achten
• auf die Auswahl der Kosmetikprodukte achten
Die Fragen zur Augentrockenheit beantwortet Frau Dr. med. Andrea Baeriswyl, welche die Eyeparc-Augenarztpraxis in Köniz leitet. Nach der Ausbildung zur Augenärztin mit Stationen in Bern, Basel und Burgdorf bietet sie seit April 2022 nun augenärztliche Untersuchungen im Bläuacker im Zentrum von Köniz an. Die gebürtige Senslerin ist im Sommer und Winter oft zu Fuss oder mit den Langlaufskis im Gantrischgebiet unterwegs.
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