Unordnung ist natürliche Ordnung

Unordnung ist natürliche Ordnung

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause fand Ende Mai das «Festival der Natur» von Pro Natura mit landesweit 750 Veranstaltungen statt. Wiederum mit dabei war das «Pro Natura Zentrum Eichholz», das mit einem attraktiven Angebot und lehrreichen Führungen zum Thema «Ökologische In- frastruktur» die Besucher Naturerlebnisse und Biodiversität erforschen, erleben und geniessen liess.

Das Fest begann bereits am Freitagabend. An der Hauptversammlung des Vereins Naturzentrum Eichholz referierte Prof. Matthias Erb von der Universität Bern darüber, wie der Stadtbalkon – von der «grauen Wüste zur grünen Oase» wird und wie die Umwandlung von Dachterrassen und Balkonen in ökologische Naturflächen gelingen kann sowie über die positiven Auswirkungen dieser Privatgärten auf die Gesamt-Biomasse.

Unordnung muss sein
Die «Führung zur Unordnung im Schutzgebiet» zeigte eindrücklich, dass die Natur Unordnung wie Asthaufen, lebendige Trockensteinmauern, Steinhaufen, Benjeshecken und Teiche braucht, damit Biber, Eidechsen, Insekten und Kleinlebewesen einen Zufluchtsort finden und sich auch seltene Pflanzen entfalten können. Der Info-Stand von «Bolz-Gartenbau» Münsingen zeigte Beispiele, wie man durch das Anlegen von Strukturen und Nischen einen privaten Naturgarten schaffen kann, der Tieren und Pflanzen aus der Umgebung Raum zur Entwicklung und Entfaltung bietet. Bei der «Insektensafari», geführt durch die Geowissenschaftlerin Lara Blunk aus Basel, konnten mit Keschern Insekten eingefangen und in einem Glas beobachtet werden, um sie dann wieder in die Natur entfliehen zu lassen.

Workshop «Boden tönt»
Mit einerm Akkustikgerät konnte an verschiedenen Stellen im Eichholz in den Boden gehorcht und festgestellt werden, dass sich da unten durchaus etwas bewegt. Unter dem Titel «Was erzählen sich Regenwurm und Springschwanz, wenn sie sich unter dem Rüeblifeld treffen?» konnten am Stand von «Sounding Soil» aufgezeichnete Geräusche verschiedener Böden der Schweiz abgehört werden.

Die Ur-Aare
Der 38-jährige Sebastian Wälti aus Bern zeigte an seinem Stand den Flusslauf der Aare (www.aarelauf.ch) wo sie vor 25-20 Millionen Jahren ihren Ursprung hatte. Die Quellgebiete der Ur-Aare reichten damals vom Südwallis und dem Simplongebiet bis ins Tessin und das Engadin. Wälti hat aus privatem Interesse 2014 mit seinen Nachforschungen begonnen, wandte sich dann für Unterstützung an Fritz Schlunegger, Professor für Exogene Geologie an der Universität Bern. Apropos Aare: Der «Wasserfahrverein Freiheit Bern-Wabern» lud die Festivalbesucher zu einer kurzen Gratisfahrt mit dem Weidling ein. Weiter konnte man dem Korber Ueli Zobrist aus Wiler bei Seedorf sowie der Keramikerin Gabriela Hollenstein aus dem Eichholz bei ihrer Arbeit zusehen.

Geöffnet war auch die Dauer-Ausstellung «Zauneidechse – Alles in Ordnung?» und bei den Führungen durch das Reservat bekamen die Interessierten weitere Tiere und Insekten wie Graureiher, Ringelnatter, Biber und Libellen zu Gesicht. Ergänzt wurde das Angebot mit dem Naturlabor am Teich, dem Info-Stand der Vogelwarte Sempach, dem Steineschleifen, den Geschichten im Tipi, der nächtlichen Fledermausführung und reichhaltigen Verpflegungsmöglichkeiten.

Musikalisch eröffnet wurde das Festival mit «Frühling» von Vivaldi durch das Flötenensemble unter der Leitung der Rumänin Elida Tirtopan, das mit rund 20 Musikschülerinnen und -schülern aus Freiburg, Yverdon, Gland und Ins aufspielte. Die perfekte Symbiose zwischen Musik und Natur bildete am Frühsommerabend das Ensemble «Pasdetrois» mit Thierry Perroud (Klarinette, Bassklarinette) und Markus Noser (Violine). Das Quaken der Frösche, die sich scheinbar immer näher zu den menschlichen Klängen gesellten, untermalte die Musik. Am Schluss eines Stückes mischte sich gar vielstimmiges Vogelgezwitscher in den Applaus des Publikums, als ob sie den beiden Musikern ebenfalls ihre Bewunderung zollen wollten.

Michael Zimmermann, Präsident des Vereins Naturzentrum Eichholz, und Nicolas Dussex, Leiter des «Pro Natura Zentrums Eichholz», waren erfreut über die Resonanz, die das Festival bei der Bevölkerung ausgelöst hat. «Es hatte im Vergleich zu früheren Festivals etwas weniger Besucher, diese verteilten sich aber tagsüber regelmässiger, so dass wir bei den Führungen nicht unter Druck gerieten. Das Festival wurde von Kathrin Hirsbrunner, Leiterin «Forscher im Aaretal» und Kindergärtnerin, organisiert. «Insgesamt waren an beiden Tagen total 75 freiwillige Helferinnen und Helfer engagiert. Ohne sie wäre die Durchführung des Festivals undenkbar», betont sie dankend.

Zauneidechse –
Alles in Ordnung?

Ausstellung vom
30. April bis 29. Oktober 2022
Mi, Sa, So, 13.30 bis 17.30 Uhr, Führungen für Schulen und Gruppen auf Anfrage jederzeit möglich.
Pro Natura Zentrum Eichholz
Strandweg 60, 3084 Wabern
Tel. 078 781 82 47

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