Vom Nachzügler zur Vorreiterin

Vom Nachzügler zur Vorreiterin

«Wir bringen die Säle unserer Region an ihre Grenzen», scherzt Ruedi Flückiger, der abtretende Präsident des Fördervereins Naturpark Gantrisch. Der prall gefüllte Saal – ein Symbol für das, was der Park in der Region repräsentiert: eine Vorreiterrolle.

Als noch die Pferde Karren und Kutschen durch die Landschaft zogen, bis Ende des 18. Jahrhunderts, wechselte alle fünf Jahre die Herrschaft zwischen Bern und Freiburg über einen grossen Teil der heutigen Parkfläche. Jede Seite dachte: Soll doch die andere das Gebiet entwickeln. Im 19. Jahrhundert verkam das Gebiet zu einem regelrechten Armenhaus. Die Folgen waren noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein spürbar.

Heute ist die Gantrischregion ein Publikumsmagnet, die Bewohnerinnen und Bewohner sind stolz auf ihre intakte Landschaft, die Biodiversität wird geschützt, die Landwirtschaft geschätzt und die Firmen werden unterstützt. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Sie ahnen es: Der Naturpark Gantrisch ist entstanden.

Zwei Frauen

Daher erstaunt es nicht, dass die Mitgliedergemeinden, die Institutionen und Firmen der Region sich an der 29. Versammlung äusserst zahlreich einfanden. Zusätzlich angespornt vom Interesse, wer den Förderverein zukünftig präsidieren wird. Ruedi Flückiger als Mandatsträger in verschiedenen Gremien trat aus Rücksicht zurück, damit die Probleme der GantrischPlus AG keine Schatten auf den Naturpark werfen können. «Er war das Gesicht des Naturparks», fasst Vizepräsident Daniel Bürdel zusammen.

Entsprechend langanhaltend ist denn auch der Applaus im Saal zum Abschied eines Mannes, der die Entstehung des Naturparks und die damit verbundenen Erfolge über viele Jahre massgeblich geprägt hat. Es sind grosse Fusstapfen, in welche die Nachfolgerin Franziska Stucki-Oswald aus Gerzensee treten wird. Das ist sich die erfahrene Gemeinderätin bewusst, schliesslich arbeitet sie schon seit sieben Jahren im Vorstand mit und ist mit dem Park bestens betraut. An die Adresse des Vorgängers meinte sie: «Du warst immer mein Vorbild, dein Tatendrang für die Region, alles ganz nach dem Motto: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.»

Mit Applaus wählte die Versammlung eine Frau an die Spitze, die man vielleicht noch nicht ganz so gut kennt, aber die an der Versammlung schon mal aufhorchen liess: mit ihrer Sachlichkeit. Sie spricht die Themen schnörkellos an und stellt sich selbst in den Hintergrund. Damit präsidiert eine Frau den Trägerverein und mit Lydia Plüss eine weitere die operative Leitung. Auch hier gilt: Der Naturpark als Vorreiter.

Einer für alle

Um den Vorstand wieder zu komplettieren, stellten sich zwei Personen zur Verfügung: Daniela Schwartz, Vorsteherin von Schwarzsee Tourismus und der Kirchdorfer Gemeinderat Marco Lehmann. Die beiden steuern viel Wissen aus Tourismus, Wirtschaft und Politik bei. Fast möchte man meinen: wer einmal Vorreiter ist, dem fällt es leichter, ein starkes Team zu formen. Wobei jene Mann- oder Frauschaft, die an der Front steht die Tätigkeiten umsetzt, die dem Park seinen guten Ruf bescheren.

Für das Jahr 2023 präsentierten die Bereichsverantwortlichen Bewährtes und Neues in einem Mix, den Raphael Zahnd, Leiter Tourismus beim Naturpark, treffend zusammenfasste: «Gäste und Einheimische begegnen sich auf Augenhöhe. Der Naturpark gehört allen.» Weitere Schritte will der Park unter anderem in der Mobilität, der Besucherlenkung und der Lärmproblematik angehen. Themen, die dem Wohl der Bevölkerung zugute kommen sollen und gerade deshalb begrüsst werden, wie anschliessend mehrere Gemeindepräsidenten bemerkten.

Volle Kraft voraus

Rund 2,6 Mio. Franken kostet die ganze Arbeit des Naturparks pro Jahr. In etwa gleich viel nimmt dieser auch wieder ein. Das ausgeglichene Budget ist ein Zeichen, dass die Gelder zurück in die Region fliessen in Form von all den Tätigkeiten. Es verwundert daher wenig, dass in den Traktanden keine einzige Gegenstimme aufkam. Mit diesem Vertrauen und einem Saal voller Interesse nimmt das Team mit der neuen Präsidentin an der Spitze genügend Argumente mit, den Weg konsequent weiterzugehen.

Das ist auch nötig. Denn wer stehen bleibt, wird irgendeinmal nicht mehr Vorreiter sein, sondern nur noch Mitläufer, und wer zu langsam läuft, eben wieder Nachzügler. Es mag vielleicht etwas pathetisch klingen, aber halt eben auch ein Stücklein wahr: Kein Herrscher und keine Regierung vermochte, was dem Naturpark Gantrisch gelungen ist: Die Region vom Nachzügler zur Vorreiterin zu machen.

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