Älter werden? Gern und gerne «lokal vernetzt»

Älter werden? Gern und gerne «lokal vernetzt»

Der Anteil der über 65-Jährigen in der Schweiz übersteigt erstmals jenen der unter 20-Jährigen. Ein neues Angebot will Betroffene begleiten. Schwarzenburg ist eine von zwei Pilotgemeinden im Kanton Bern.

Das Projekt «Lokal vernetzt älter werden» will ein selbständiges Leben im Alter fördern und den sozialen Zusammenhalt stärken. Dieses Ziel scheint angesichts der zunehmenden Vereinsamung berechtigt: Ältere Menschen werden mit der rasanten Digitalisierung schnell «abgehängt» und familiäre Konstellationen garantieren Betreuung oder Begleitung oft nicht mehr.

Wertvolle Inputs fürs Alter
Statt Zustände zu beklagen, setzt das Projekt auf einen anderen Ansatz. «Lokal vernetzt älter werden» richtet sich an alle Seniorinnen und Senioren in Schwarzenburg, die den Alltag und ihre (Frei-)Zeit bewusst gestalten wollen, eigene Ideen umsetzen möchten oder Unterstützung suchen. Wer wenig soziale Kontakte hat und Anschluss finden möchte, soll ebenfalls profitieren können. An der bereits dritten «Infomesse 60plus» in Riggisberg orientierten Informationsstände – etwa von Gesundheits- und Pflegedienstleistern, Heimen, den Gemeinden oder der Polizei – über die verschiedensten Themen ums Älterwerden. Bei der Handyberatung wurde gleich ein Generationentransfer vollzogen: Jugendliche unterstützten ältere «Userinnen und User» bei praktischen Fragen. Das Bewegungstraining «body’n brain» motivierte spielerisch zu mehr Bewegung. Der Programmpunkt «Musik – Bewegung – Lebenslust» gab Impulse für körperliche und geistige Beweglichkeit. Unter «Sterben, Tod und Trauer» schliesslich wurde sichtbar, wie diesen Tabuthemen mit einer gewissen Leichtigkeit begegnet werden kann.

Mitwirkung – aktiv werden
«Zu Hause leben bis ins hohe Alter, am gesellschaftlichen Leben teilhaben und sich in Schwarzenburg sicher und zugehörig fühlen»: Unter diesem Aspekt lädt die Fachstelle Alter Region Gantrisch zu zwei Mitwirkungsanlässen ein. Während am 5. Oktober eine Onlineveranstaltung stattfindet, wird am 6. Oktober in Schwarzenburg eine öffentliche Veranstaltung durchgeführt. «Damit möglichst alle Interessierten teilnehmen können, wird eine Mitfahrgelegenheit angeboten. Andererseits darf sich bei uns melden, wer jemanden zum Anlass fahren könnte», lädt Lisa Loretan von der Fachstelle Alter ein. Damit wird gleich ein wichtiger Aspekt gelebt: Vernetzung sowie gegenseitige Hilfe und Unterstützung. Ebenfalls darf man mitteilen, wenn man am Anlass selber Unterstützung braucht. Die Gemeinde Schwarzenburg, die Fachstelle Alter Region Gantrisch und Pro Senectute wollen mit dem Projekt «Lokal vernetzt älter werden» ein selbständiges Leben im Alter fördern. «Denkbare Aktivitäten sind etwa ein Stammtisch für Seniorinnen und Senioren, gemeinsame Spaziergänge, Kurse zu Gedächtnistraining oder Tanznachmittage. Solche und ähnliche Vorschläge werden gesammelt und ausgewertet», hält Kathrin Sauter, Gemeinderätin Soziales, fest. Nicht jede Idee könne umgesetzt werden, ist man sich einig. Lisa Loretan: «Machbare Ideen werden in Arbeitsgruppen weiterbearbeitet. So kann aus einer einzigen guten Idee ein neues Angebot entstehen, das Menschen unterstützt.»
Den Initiantinnen ist es wichtig, dass die Ressource der Lebenserfahrung von Menschen «im dritten Alter» genutzt werden kann. Zudem sollen bestehende Angebote sichtbar(er) gemacht werden. Loretan: «Fehlende Unterstützungen sollen gezielt aufgebaut werden. So wird es möglich, Lücken zu schliessen.»
Das Projekt «Lokal vernetzt älter werden» lebt vom Mitmachen der gesamten Bevölkerung. Es will Menschen zusammenbringen, die konkrete Bedürfnisse haben, sich engagieren wollen – etwa beim Einkaufen, für Spaziergänge oder bei technischen Fragen, die Nachbarschaftshilfe organisieren oder neue Treffpunkte und Aktivitäten ins Leben rufen. Und auch das Gewerbe ist angesprochen, also örtliche Betriebe, die altersfreundliche Services anbieten oder das Netzwerk unterstützen möchten.

Pilotgemeinde Schwarzenburg
Zwischen 2020 und 2023 setzten sieben Gemeinden im Kanton Zürich das Projekt «Lokal vernetzt älter werden» um. Das dortige Projekt will soziale Netzwerke in Quartieren, Gemeinden und Städten aufbauen oder erweitern, wobei sich die betroffene Bevölkerung aktiv an diesem Prozess beteiligen soll. Dieses «Zürcher Modell» fasst nun auch im Kanton Bern Fuss. Zusammen mit der Stadt Burgdorf kommt Schwarzenburg dabei die Rolle einer Pilotgemeinde zu. Sprich: Was hier initiiert wird, dürfte letztlich Ausstrahlung in eine ganze Region haben. Auch wer sich noch zu jung fühlt, kann mitmachen, denn: Es geht hier um Zukunft, von der alle betroffen sind. «Sie bestimmen heute mit, wie Sie in ein paar Jahren in Schwarzenburg leben und älter werden möchten», fasst Kathrin Sauter zusammen.
2000 Einladungen hat die Fachstelle Anfang September verschickt. Sie richten sich an Menschen mit konkreten Bedürfnissen und Erwartungen, aber auch an mögliche Impulsgeber, die Projekte für andere anstossen wollen, Menschen mit Nachbarschaftshilfe oder Fahrdiensten unterstützen oder Angehörige pflegen möchten. Angesprochen sind aber auch Netzwerker und Personen, die sich in der Leitung von ehrenamtlichen Organisationen engagieren möchten – oder ganz einfach unterstützen und unkompliziert Hand anlegen möchten, wo immer nötig. Die Möglichkeiten sind wie die Formen des Älterwerdens: vielfältig.

Kontakt

Datenupload

Der einfachste Weg uns Ihre Daten zu senden!

Werbeberatung

Step 1 of 2