Bildungsqualität in der Verfassung verankern

Bildungsqualität in der Verfassung verankern

Kurz vor der Abstimmung vom 27. September hat der SP-Regionalverband Bern-Mittelland im SchulSchaulager Köniz eine «Podiumsdiskussion zur Berner Bildungsinitiative» veranstaltet.

Die Volksschule ist in letzter Zeit zunehmend in den Fokus der Medien geraten. Alarmzeichen kommen aus verschiedenen Richtungen. So zeigte im August eine Umfrage des Forschungsinstituts «gfs Bern», dass schulbezogene Belastungen in Schweizer Kinderarztpraxen sprunghaft zugenommen haben. Das Fazit von 95 %
der befragten Kinderärztinnen und -ärzte lässt aufhorchen: Ein erheblicher Teil der Probleme der Kinder liesse sich statt mit medizinischen effizienter mit schulischen Massnahmen vermeiden.

Zu denken gibt zudem das Fazit der Anfang September veröffentlichten PISA-Studie 2025: Die Lese- und Matheleistungen der 7600 getesteten 15-jährigen Jugendlichen sind seit über 10 Jahren rückläufig. 23 % der Jugendlichen erreichten in Mathematik die Mindestkompetenzen nicht, 29 % von ihnen wiesen erhebliche Defizite beim Lesen auf. Augenfällig ist auch, dass die Anzahl der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler hierzulande stetig zunimmt.

Der Anteil der Jugendlichen, die am Ende der Volkschule die definierte Mindestkompetenz beim Lesen nicht erreichen, liegt unterdessen knapp unter 30 %. Vereinfacht ausgedrückt: Fast jeder dritte Schweizer Jugendliche hat Mühe, einen einfachen schriftlichen Text zu verstehen.

Gute Bildung dank Verfassungsauftrag
Angesichts dieser und weiterer negativer Tendenzen lancierte der Berufsverband «Bildung Bern» – unterstützt von über 20 weiteren Organisationen – die «Berner Bildungsinitiative». Diese will gute Bildung in der Schule als verpflichtenden Auftrag in der Berner Kantonsverfassung festschreiben. Kanton und Gemeinden sollen langfristig für gut ausgebildete sowie gesunde Lehr- und Fachpersonen sorgen. Lehrpersonen sollen wieder mehr Zeit haben für wirksamen Unterricht und ihre Schülerschaft – unter anderem dank administrativer Entlastung. Insbesondere der Mangel an qualifizierten Lehrpersonen bleibt besorgniserregend.

Chancengleichheit nicht dem Zufall überlassen
Nachdem Géraldine Mercedes Boesch und Angelo Zaccaria vom Co-Präsidium des SP-Regionalverbandes Bern Mittelland die Teilnehmenden des Podiums vorgestellt hatten, entwickelte sich eine engagierte und zuweilen hochemotionale Diskussion. Monique Iseli, Gymnasiallehrerin und Co-Präsidentin der SP Stadt Bern, äusserte sich dabei pointiert zum akuten Lehrermangel: «Ich möchte nicht zu den 10 % Schülerinnen und Schüler gehören, die per Zufall von einer unqualifizierten Lehrperson unterrichtet werden.»

In Erinnerung bleibt von der Veranstaltung im SchulSchaulager Köniz eine Reihe von Vorschlägen für bessere Bildungsqualität, die pädagogisch weitgehend unbestritten sind: Qualifizierte und fair bezahlte Lehr- und Fachpersonen, begrenzte Klassengrössen, evaluierte Lehrmittel, Teamteaching und eine Reduktion des Bewertungs- und Selektionsdrucks für Schulkinder. Erstaunlich wenig wurde an der Podiumsdiskussion über Geld geredet. Dies im Gegensatz zu SP-Regierungsrat Reto Müller, Direktor der kantonalen Bildungs- und Kulturdirektion, der drei Wochen vor der Podiumsdiskussion in einem Interview in der Berner Zeitung Zahlen genannt hatte: «Wir wollen die zwei Milliarden, die uns für die Volksschule zur Verfügung stehen, möglichst so einsetzen, dass sie am Schluss den Kindern im Unterricht zugutekommen.»

Das Thema bewegt
Es wird Teil des politischen Aushandlungsprozesses im Regierungsrat und im Grossen Rat sein, wie bei einer Annahme der Berner Bildungsinitiative der Verfassungsauftrag konkret umgesetzt würde und welche finanziellen Auswirkungen die Umsetzung hätte. Géraldine Mercedes Boesch, Co-Präsidentin des SP-Regionalverbandes Bern-Mittelland, ist sich jedoch sicher: «Bildung ist unser höchstes Gut – und das grosse Interesse an unserer Podiumsdiskussion mit rund 70 Teilnehmenden zeigt, wie sehr dieses Thema die Bernerinnen und Berner bewegt.»

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