Schon seit Langem hegt Rita
Aerschmann den Traum von einem eigenen Kriminalroman. Die Handlung soll im Wallis spielen, und als Hauptakteur schwebt ihr ein Polizeikommissar vor, der immer wieder neue Fälle aufzuklären hat, sodass sogar eine Buchreihe entstehen könnte. In jüngeren Jahren hat sie bereits Kurz-Krimis geschrieben, die in den «Freiburger Nachrichten» veröffentlicht wurden. Ideen und Visionen für einen ganzen Roman hatte sie viele im Kopf. Sie brachte diese auch zu Papier, aber dann kamen die Kinder und es fehlten Zeit und Musse. Im Sommer 2016, während des
Abschlussbrätelns der Musikgesellschaft vor der Sommerpause, diskutierte sie mit Dirigent Manfred Jungo über ein mögliches Thema für das nächste Jahreskonzert. Für ihren Vorschlag – eine Kriminalgeschichte umrahmt von passender Musik – konnte sich Jungo, Berufsmusiker und bekannt für seine Offenheit gegenüber speziellen Projekten, sofort begeistern. Zusammen nahmen die beiden die grosse Herausforderung an. Aerschmann kam damit ihrem Traum einen Schritt näher. Sie konzentrierte sich auf das Schreiben und nach einem halben Jahr, kurz vor Weihnachten, stand der fertige Krimi. «Es war eine grosse Herausforderung für mich, weil die Geschichte nicht als Roman, sondern als Drehbuch verfasst sein musste; weniger umfangreich und nicht zu lang. Die damit verbundene Arbeit habe ich etwas unterschätzt, aber mit dem Endergebnis bin ich zufrieden», sagt die zweifache Mutter.
Live-Hörbuch
Zur musikalischen Untermalung von kriminalistischen Handlungen bieten sich Soundtracks von bekannten Krimiserien oder Kriminalfilmen geradezu an. Manfred Jungo begnügte sich nicht mit einer derart einfachen Umsetzung und wagte etwas Neues. Neun verschiedene Musikstücke hat er ähnlich einer Collage per Computer zusammengepasst. Viele verschiedene Stile – von Marsch über Jazz und Musical – kommen zum Zuge. Die umfangreiche, kreative Arbeit hat dem 31-Jährigen viel Spass gemacht. Unterschiedliche Stimmungen sind genau auf den Text zugeschnitten und sollen auch beim Zuhörer Emotionen wecken. Entstanden ist ein spannendes, einstündiges Live-Hörbuch. «Das Gesamtwerk soll natürlich aus einem Guss, locker und nicht einstudiert, rüberkommen», erklärt Jungo sein ehrgeiziges Ziel. Als wahrer Glücksfall stellt sich das Engagement von Thomas Vaucher heraus. Als Vorleser hat er die Macht, die Zuhörer bei der Stange zu halten. Das Timing zwischen Musik und Text muss perfekt stimmen, denn diese wechseln sich nicht ab, sondern spielen ineinander. Darum ist ein Profi wie Thomas Vaucher, einer, der die Musik zu verstehen weiss, als Erzähler prädestiniert.
Schwierige Proben
Die Musikanten der Musikgesellschaft St. Antoni sind stets offen für die Vorschläge ihres Dirigenten. Es ist schon fast zur Gewohnheit geworden, dass dieser jeweils mit etwas Aussergewöhnlichem ankommt. Im Vergleich zum letzten Jahreskonzert – «Oldies und Schlager» war das Motto – gestalteten sich die Proben dieses Mal etwas schwieriger als gewohnt, weil das Konzert eine Stunde dauert und aus einem einzigen zusammengesetzten Musikstück besteht. «Es ist etwas komplett Anderes und die Schwierigkeit besteht darin, wo genau man beim Üben ansetzen soll», erklärt der Dirigent. Wichtig ist, dass die Musikanten konzentriert bleiben und dem Stück permanent folgen. Es gibt keinen ruhigen Moment wie bei anderen Konzerten, wo ein Stück nach dem anderen gespielt wird. Ausserdem kennen sie die
Crime-Story nicht und spielen momentan noch etwas skeptisch und verhalten. «Doch das wird sich ändern. Zusammen gehen wir auf Entdeckungsreise und tauchen in das Stück ein. Die Musikanten werden dabei hoffentlich genauso Feuer fangen wie ich», sagt Jungo überzeugt.
Stolz und Spannung
Manfred Jungo schätzt die gute Zusammenarbeit mit der Autorin und ist stolz auf das Endprodukt. Dabei sind sie ganz gespannt, ob es beim Publikum ankommt und wie dieses darauf reagiert. Aufgrund des grossen Engagements im Vorfeld ist die Motivation umso grösser, alles perfekt auf die Bühne zu bringen. Denn dieses Werk wird nirgends sonst zu hören und zu geniessen sein, als an den beiden Konzerttagen im April. 50 Musikanten und ein Erzähler präsentieren ein aussergewöhnliches, spannendes einstündiges Live-Hörspiel, das zum Mitfiebern einlädt.