Damit die Mehrzweckhalle lebt

Damit die Mehrzweckhalle lebt

1996 wurde die Mehrzweckhalle erbaut. Um sie zu beleben, entstand gleichzeitig der Ballsportverein, mit einem niederschwelligen Fitnessangebot für die Gemeinde. Junge, engagierte Mitglieder zu finden ist aber nicht einfach.

Zum Angebot der ersten Stunde gehörte ein Turnen, das heute als Pilates etabliert ist. Den Ball­sport vertrat das Unihockey, das als junge, dynamische Mannschafts-Sportart eine andere Zielgruppe hatte. Von Beginn an dabei war auch Willi Stuber, der bis heute das Badminton leitet. «Nach einem Kreuzbandriss im Fussball habe ich Squash gespielt, was aber zu belastend war. Weil ich mich auf einem ebenen Boden bewegen muss, habe ich dann mit Badminton begonnen.» Um gleich zu relativieren: «Hier wird kein hochstehender Sport betrieben. Es geht darum, etwas für die Fitness zu tun.» Stuber ist mit 20 Jahren aus dem Aargau nach Bern gezogen und hat dann mit seiner Partnerin in Oberbalm einen erschwinglichen Lebens­ort gefunden. Das soziale Umfeld und das kulturelle Angebot haben sich damit komplett verändert: «Um Leute zu treffen, geht man eher Jassen als ins Theater.» Für ihn als «Zuzüger» bedeutet ein aktives Vereinsleben auch den Anschluss an die Dorfbevölkerung. «Ich finde es wichtig, dass die Halle genutzt wird und die Menschen zusammenbringt», erklärt er.

Gesucht: Initiative Personen
Der Ballsportverein hatte immer zwischen 60 und 100 Mitglieder, «was für ein 900-Seelen-Dorf doch eine schöne Zahl ist», wie Stuber einschätzt. Der Einzugsbereich geht weit über das Dorf hinaus, bis nach Zimmerwald, Riggisberg, Schwarzenburg und Köniz. Was dem BSV Oberbalm dafür fehlt, ist der gesellige Zusammenhalt, weil er sich aus unabhängigen Gruppen zusammensetzt, die kaum miteinander zu tun haben. Die meisten Mitglieder seien schon lange dabei, weshalb der Verein schon eher «in die Jahre gekommen» sei. Entsprechend hat auch das Badminton Mühe, die Spielmöglichkeiten auszureizen. Eine Weile hat man in einer Amateurliga mitgemacht. «Aber auch da braucht es mindestens vier bis acht Leute, die mitziehen und auf die man sich verlassen kann.» Stuber ist 63 Jahre alt und es sei absehbar, dass auch das Badminton irgendwann nicht mehr angeboten werde.
Besonders das Unihockey hatte in den letzten Jahren wegen mangelnder Teilnehmer einen schweren Stand. Der Todesstoss kam mit Corona, da in einem Mannschaftssport Hygienemassnahmen komplizierter umzusetzen sind. «Es bräuchte eine dynamische Person, die das Angebot trägt, eine Gruppe zusammentrommelt und diese auch zusammenhält», meint Stuber. «Aber diese Verbindlichkeit scheint bei den Jungen momentan nicht vorhanden zu sein.» Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich kompetitive Jugendliche fürs Unihockey nach Köniz orientieren, wo sie sich dann in einer Liga mit anderen Teams messen können.

Grosse Konkurrenz
Stuber arbeitet im Bundesamt für Statistik in Neuenburg. «Statistik», sagt er, «zeigt die Tatsachen hinter gewissen Gefühlen.» Zum Beispiel zeigt eine Statistik des Bundesamtes für Sport aus dem Jahre 2017, dass 1996 mit über 27’000 gemeldeten Sportvereinen der Zenit erreicht war. Aktuell gibt es noch knapp 19’000 Vereine, von denen fast 70% maximal 100 Mitglieder haben. Bei einem Viertel jedoch fehlt der Nachwuchs, so wie in Oberbalm. «Vor 25 Jahren konnte man die Jungen noch besser erreichen», erzählt Stuber. «Heute ist man mobil, mit dem Schwingen in Schwarzenburg, dem Fussballclub Sternenberg, den Ice-Hornets im Eishockey, Tennis in Köniz und den Sportschützen gibt es weitere zugkräftige Angebote in der Region.»

Offen für neue Angebote
Für 2021 wird wegen des Jubiläums kein Mitgliederbeitrag verlangt. «Wir sind finanziell auf gesunden Beinen, weil wir mit dem Geld immer vernünftig umgegangen sind», sagt Stuber. «Wir haben auch von der Gemeinde faire Bedingungen.» Der Verein ist weiterhin offen für andere Sportarten, wie Volleyball (das eine Zeit lang zum Angebot gehörte), Handball oder Kickboxen. Bedingung ist eine Person, die initiativ wird und die Idee umsetzt. Da Wert auf eine seriöse und qualifizierte Begleitung gelegt wird, würden allfällige Kurse für das Anleiten einer Gruppe sogar finanziell vom Verein unterstützt. Denn das Ziel bleibt weiterhin das gleiche: Die Mehrzweckhalle soll leben.

Teilen Sie diesen Bereich

Beitrag:
«Damit die Mehrzweckhalle lebt»

Die meistgelesenen Artikel

Kontakt

Datenupload

Der einfachste Weg uns Ihre Daten zu senden!

Werbeberatung

Schritt 1 von 2