Leere Stühle gab es nur noch zuvorderst, dort wo die Nicht-Riggisberger sich hinsetzen müssen. Doch in den Geschäften geht es dann nicht mehr um die Quantität, sondern um die Qualität.
Ortsplanungsrevision
Diese Maxime gilt vor allen Dingen für ein grosses Geschäft, dass auf Riggisberg zukommt: die Ortsplanungsrevision. Alle zehn Jahre steht diese wieder an. Viele Gemeinden bekunden Mühe, eine neue Ortsplanungsrevision auf die Füsse zu stellen. Riggisberg geht deshalb mit Bedacht vor. Mit World Cafés wird die Bevölkerung miteinbezogen, anderseits erklärt Bürki, dass Neueinzonungen im Wohnbereich nicht mehr möglich sind, sehr wohl aber Umzonungen und Anpassungen. Potenzial habe man noch bei den Arbeitszonen. Das Vorhaben heisst OPRhoch3, die 3 steht für alle drei Ortsteile Riggisberg, Rüti und Rümligen. Letztere hat noch ein eigenes Baureglement, das man nun mit demjenigen von Riggisberg zusammenführen will. «In einer Ortsplanung sind nie alle gleich zufrieden», bemerkt der Präsident wohlweislich. Deshalb stehe hier zuoberst Qualität vor Quantität. Der Verpflichtungskredit von 410’000 Franken wird ohne Gegenstimmen angenommen. Der Start ist auf alle Fälle schon mal verheissungsvoll.
Dorfzentrum schneller als mit Tempo 30 entwickeln
Doch dann melden sich die Menschen zu Wort. Das Zentrum soll aufgewertet werden. Erst mal mit einem behindertengerechten Perron für die Busse, einer öffentlichen WC-Anlage sowie einer Aufwertung des Postplatzes mit Brunnen. Das sei eine erste Etappe. Zankapfel ist allerdings ein Weg, den man schliessen könnte, um den Platz noch weiter aufzuwerten. Eine Zankzwiebel besser gesagt. Das Zibelegässli. Das hänge von der Erstellung eines Kreisels ab. Weiter muss der Schwerverkehr gelenkt werden können, am besten ohne alles auf den Schulweg umzuleiten. Die Voten mehrten sich rund um die Besorgnis, dass man hier Etappen macht, ohne das Ganze realisieren zu können. Oder anders gesagt, dass man hier Geld spricht, dass man sparen könne. Was sind die Auswirkungen auf den Sonnenkreisel, der stark befahren ist? Braucht es als Entlastung nicht eine offene Zibelegasse? Man solle das ganze Vorhaben zurückweisen und verbessert einbringen; deshalb fordert ein Bürger eine Rückweisung, die allerdings chancenlos bleibt. Die Etappierung mit einem Kredit von 249’000 Franken, mit dem das Dorfzentrum umgestaltet werden kann, überzeugt schliesslich eine deutliche Mehrheit.
Düstere Finanzen
Im Fyschterwald bei Rüti muss nicht nur das Wasser per UV kontrolliert und geschützt werden, «fyschter» wird es auch bei den Finanzen. Die Aufwände nehmen zu, vor allem im obligatorischen Bereich bei den kantonalen Kosten. Mit einem Minus von 1,5 Mio. Franken im Schnitt schliesst Riggisberg jeweils ihren allgemeinen Haushalt ab. Budgetiert ist gar ein Minus von 1,7 Mio. Franken. Das Eigenkapital schwindet und die Bedrohungslage nimmt zu. Es ist schwierig, eine Lösung zu finden, zumal die meisten Kosten gebunden sind. Wenig Freude bringt auch der Aushub des Neubaus für das Schulhause Aebnit. Dieser fördert Schutt zu Tage, der abgetragen werden muss, und die Statik ist von diesem Fund ebenfalls betroffen.
Das Düstere lässt sich im Winter schlecht vertreiben. Davon zeugen die besorgten Worte einer Mutter, die zu bedenken gibt, wie gefährlich es ist, wenn Schulkinder künftig mit dem Velo entlang einer 80er-Strasse viermal am Tag aus Rüti nach Riggisberg pedalen müssen. Doch Riggisberg wäre nicht jene Gemeinde voller interessierter Menschen, wenn man das Licht nicht wiederfinden würde. Dies dank Ehrungen erfolgreicher Bewohnender in Beruf und Sport, der Verabschiedung der scheidenden Gemeinderäte Urs Marti, der es stets verstand, die Finanzen volksnah zu erläutern, sowie von Paul Ammann. Die Wichtigkeit des Apéros kann noch um die kleine Episode bereichert werden, dass Gemeinderat Ammann etwas später kam, angekündigt natürlich. «Spätestens auf das Apéro sei er dann da», ergänzt Bürki. Er kam aber früher. Alles bereit, um mit Dorfleben Heiterkeit in die Winternacht zu tragen, musikalisch untermalt von der Musikgesellschaft Riggisberg und vielen, vielen Menschen an einer Gemeindeversammlung: Davon können andere nur träumen.