Nur eine Woche nach der Gründungsversammlung vom 7. Juli 1926, an der zwölf Frauen teilnahmen, fand die erste Turnstunde im Bärensaal statt. Meist wurde in einer Privatwohnung oder draussen beim Turnhüsli geturnt. Dass sich Frauen 1926 getraut haben, sich zu treffen, um zusammen Sport zu treiben und zu turnen, war keine Selbstverständlichkeit. Damals war die weitverbreitete Meinung, «dass die Frau im häuslichen Heim mit den Kindern und vor allem hinter dem Herd ihren Platz hatte», wie der TV Laupen zum Jubiläum schreibt. Im Rock und barfuss turnten die Frauen in Laupen damals noch. Doch der Rock, sprich die unbequeme und unpraktische Kleidung, die Frauen zum Sport tragen mussten, ist nicht nur in der Geschichte des Turnvereins Laupen ein Thema. Sie zieht sich bis heute durch mancherlei Sportarten.
Ein Rock als Gefahr
Beim Bergsteigen war es Frauen untersagt, in sogenannten Hosenkleidern oder gar in Hosen zu klettern oder Gipfel zu bezwingen. Wenn einer Frau eine solche sportliche Betätigung überhaupt erlaubt war, musste sie viele Röcke übereinander tragen, denn selbst lange Unterhosen waren nicht gestattet. Hoch oben in den Bergen, wo die Gipfel mit ihrer Aussicht und Ausgesetztheit locken, können Röcke oder Kleider jedoch schnell zur tödlichen Falle werden. Beispielsweise kann der Rock irgendwo hängenbleiben, sodass die Frau mit dem nicht angepassten Schuhwerk darüber stolpert. Zudem bietet die Fläche eines Kleides für heftige Windböen eine viel grössere Angriffsfläche. Erste Pionierinnen wehrten sich um 1838 dagegen und entwarfen eigene Kostüme.
Erste Schritte
Doch zurück zum Turnverein Laupen. Auch dort wurden in den ersten Statuten harte Töne angeschlagen: Mitglieder durften nur «unbescholtene Damen» sein und die Turnbekleidung musste «vorschrifts- und gleichmässig» sein. Die ersten Trainingsübungen bestanden aus rhythmischer und tänzerischer Gymnastik mit Ball und Tamburin. Diese haben sich die Mitglieder des Damenturnvereins mit den ersten Mitgliederbeiträgen von 12 Franken (nach damaligem Geldwert ein hoher Betrag) pro Person besorgt. Hosen durften die Frauen der Damenriege, wie der Damenturnverein später genannt wurde, noch keine tragen. Erstens war das nicht angesehen und zweitens gab es für Frauen damals kaum Hosen. Schuhe, wie wir sie heute kennen, waren noch gar nicht vorhanden. Also wurde barfuss und später mit «Turnschläppli» geturnt.
Nicht mehr lange Röcke, sondern knappe Bekleidung
Heute gibt es in manchen Sportarten für Frauen nach wie vor andere Kleidervorschriften als für Männer. Nur sind diese heute knapp geschnitten und eng, sprich die Unterschiede äussern sich vor allem in der sexualisierten Kleidung der Sportlerinnen. Bis vor Kurzem war beim Beachvolleyball, wie auch beim Beachhandball, das Tragen von knappen Bikinihosen für die Athletinnen Pflicht. Dass Frauen da bei der sportlichen Betätigung mal die Hose mühsam verrutscht, gehört zum Alltag. Für Schürfungen und oberflächliche Verletzungen bietet der knapp bedeckte Körper zudem eine viel grössere Angriffsfläche. Im Landhockey – nicht zu verwechseln mit dem hierzulande bekannteren Unihockey – kämpfen die Spielerinnen darum, ihren Sport während offizieller Spiele nicht mehr in einem kurzen Minirock ausführen zu müssen und Shorts tragen zu dürfen. Nur all die Vorschriften von heute haben nichts mehr zu tun mit den Kleidervorschriften von damals.
Der Turnverein entwickelt sich
Der Turnverein Laupen ist Jahr für Jahr gewachsen. Nicht nur die Anzahl der turnenden Menschen hat sich stetig verändert, auch die Sportkleidung hat sich den heutigen Standards angepasst und das Angebot hat sich vielseitig entwickelt. Es gibt einen Damenturnverein, ein Eltern-Kind-Turnen, Kinderturnen, Jugi, Geräteturnen. Eine Zeit lang gab es auch Kunstturnen. Bei Anlässen wird mit den anderen turnenden Vereinen zusammengearbeitet. Im Gros-sen und Ganzen geht es darum, sich zu treffen, Fitness zu betreiben, gemeinsam Spass zu haben. Auch die Jugendförderung ist ein wichtiges Thema. Die Unterhaltungsabende in Zusammenarbeit mit anderen turnenden Vereinen bieten jeweils die Gelegenheit, miteinander zu feiern. «Turnen bringt Menschen zusammen und macht stark – körperlich und im Miteinander, damals und heute.» So schreibt der Turnverein Laupen in einer Mitteilung zum Jubiläumsjahr 2026.
Auf die Zukunft
Dass Frauen lange Zeit nur eingeschränkt Sport treiben konnten, die Kleidervorschriften haufenweise Gefahren für sie bargen – ob beim Radfahren oder in den Bergen – und auch heute noch die grössere Anzahl männlicher Personen in internationalen Sportverbänden dazu führt, dass Frauen sich für manche Sportarten nicht so bequem kleiden dürfen wie ihre männlichen Kollegen, ist leider immer noch Tatsache. Zum Glück wehren sich immer mehr Athletinnen dagegen. Auf eine Zukunft, in der es allen möglich sein soll, Sport zu treiben, ohne sich unwohl zu fühlen.