Inklusion am Arbeitsplatz

Inklusion am Arbeitsplatz

«Zusammen stärker wirtschaften», so das Motto des Anlasses. Im Mittelpunkt stand ein Podiumsgespräch von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und Unternehmern zum Thema Inklusion am Arbeitsplatz. Der Netzwerkanlass wurde von der Gemeinde Schwarzenburg gemeinsam mit der Stiftung Bernaville sowie KMU Schwarzenburgerland organisiert. Eines sei vorweggenommen: Der Sinn dieses Wirtschafts-Apéros zeigte eindrücklich, wie wichtig Inklusion ist.

Die Lokalität der Veranstaltung am Langenwilweg hätte passender nicht sein können. Die Stiftung Bernaville begleitet Menschen mit niederschwelligem bis betreuungsintensivem Bedarf ab dem 16. Lebensjahr bis ans Lebensende, mit punktueller Unterstützung in bestimmten Lebensbereichen, sei das die Haushaltführung, der Einkauf, Behördengänge oder finanzielle Themen. Zusammen regeln die Verantwortlichen die Rahmenbedingungen in einem individuellen Vertrag. Heisst: nach individuell unterschiedlicher Unterstützung. «Zusammen finden wir die Dienstleistung, die auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist», heisst es auf der Homepage, übrigens aus der Sicht des Autors wohltuend in der Höflichkeitsform abgefasst.

Kommunikation ist alles

Bernaville-Geschäftsführerin Myriame Zufferey und Gemeindepräsident Urs Rohrbach – in seiner Funktion als Vorstandsmitglied des Naturparks Gantrisch anwesend – teilten sich die Eröffnungsreden zum Thema «Zusammen stärker wirtschaften». Eindrücklich ihre Feststellung, dass es für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung zu wenig Arbeitsplätze gibt, gleichbedeutend mit dem Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Alltag.

Der Anlass stand auch im Kontext der aktuellen Inklusionsinitiative und zeigte auf, wie Inklusion in der Arbeitswelt konkret umgesetzt werden kann. Ungewohnt beim Podiumsgespräch: Betreute Menschen aus dem Bernaville (siehe Kasten), die in lokalen und regionalen KMU arbeiten, stellten den Gastgebern, der Mobiliar und dem Naturpark Gantrisch, auch Fragen.

Sehr schnell wurde klar: Die wechselseitige Beziehung zwischen der Wirtschaft und den Menschen mit einer Beeinträchtigung kann nur funktionieren, wenn man von beiden Seiten ehrlich ist, verbunden mit der alles entscheidenden Frage, was vom künftigen Partner erwartet wird. Heisst: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation.

Befragte werden zu Fragenden

Die Menschen im Bernaville werden von Anfang an über das übliche Mass einer Betreuung hinaus eng von einem Jobcoach begleitet. Dieser Fachmann steht auch in ständigem Kontakt mit der Arbeitgeberin. Bei Christian Moser, Abteilungsleiter Betrieb im Bernaville, ist das Jobcoaching angegliedert. Interessant, wie er den temporären Einsatz von Bernaville-Mitarbeitenden skizziert: «Ideal sind repetitive Arbeiten, möglichst Handarbeiten.» Dominic Reber, stellvertretender Leiter Schadendienst bei der Mobiliar Belp, wird konkret: «Gewisse einfache, nicht dringliche Arbeiten halten wir zurück, damit diese von Christoph Marti erledigt werden können. Das entlastet auch seine Kolleginnen und Kollegen.» Christoph Marti, der diese Aufgaben seit sieben Jahren wahrnimmt, stellt Dominic Reber die Frage, wie denn seine Anwesenheit ankommt. «Unsere Leute mögen dich, freuen sich, wenn du ihnen hilfst.»

«Sind die Kunden zufrieden?»

In einem völlig anderen Sektor ist Nicole Fuchs tätig. Seit zwei Jahren fährt sie mit ihrem Auto im Gantrischgebiet zu Landwirten und anderen Anbietern, um deren Produkte dann bei den Verkaufsstellen – zum Beispiel Volg – abzugeben. «Wie sind die Kunden mit mir zufrieden?», auch ihre Frage, dieses Mal an Urs Rohrbach. Unschwer zu erraten, was er Nicole Fuchs antwortet: «Sie sind sehr zufrieden, und sie freuen sich, dich zu sehen.»

Diese Art von Temporäreinsätzen scheint vielen Anwesenden nicht bewusst. Entsprechend das Interesse beim folgenden, kleinen Diner. Der Wirtschafts-Apéro funktionierte gewissermassen als Scharnier zwischen Bernaville und möglichen Arbeitgeberinnen. Man darf gespannt sein, was aus diesen zum Teil intensiven Gesprächen herauskommen wird.

 

«Im Team integriert»
Nicole Fuchs und Christoph Marti nach ihrem souveränen Auftritt auf dem Podium (siehe Haupttext). Nicole schätzt an ihrer Tätigkeit, dass sie selbständig arbeiten kann. «Ich habe den schönsten Arbeitsplatz im Gantrischgebiet, mit diesem Ausblick auf die Alpen!» Christoph Marti seinerseits schätzt es, dass er ein «integriertes Teammitglied» bei der Mobiliar ist, dass man ihm Wertschätzung entgegenbringt.

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