Und es ist durchaus denkbar, dass dies in früheren Jahren nicht immer der Fall gewesen sein mochte. Doch früher war früher, heute ist auch schon vorbei, also Abflug zum Legislaturplan 2026 – 2029. Die Inhalte lassen die Gemeinde ein wenig nach den Sternen greifen. Oder sogar nach Sternschnuppen. Wenn man sie sieht, darf man sich bekanntlich etwas wünschen. Und genau so einen Herzenswunsch präsentiert jede Gemeinderätin und jeder Gemeinderat. Gemeindepräsidentin Tanja Bauer (SP) betont, man wolle Köniz nicht neu erfinden, sondern dort weiterbauen, wo die Gemeinde bereits viel richtig gemacht hat. «Stärken, Vielfalt, Leben und Zukunft gemeinsam gestalten.» Köniz sei eine Gemeinde mit vielen Facetten, und genau das mache sie lebendig – und anspruchsvoll. Gerade diese Mischung soll nun in die Politik einfliessen. Fünf Schwerpunkte bilden das Gerüst des neuen Legislaturplans.
Schwerpunkt 1: «Qualitätsvolle Entwicklung»
«Wachstum ja, aber mit Qualität», betont Gemeindepräsidentin Tanja Bauer (SP). Es gehe nicht allein darum, dass Köniz wächst. Es gehe darum, wie. Sichere Verkehrswege, insbesondere für Kinder und auf Schulwegen, ein durchgängiges Velonetz und gute Möglichkeiten für die ländliche Bevölkerung, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, gehören dazu. Schulhäuser warten auf dringende Sanierungen. Das Juch-Schulhaus ist in Realisierung, für das Blindenmoos in Schliern stehen wichtige Schritte an. In Kleinwabern soll ein neuer Schulstandort geplant werden, in Köniz die Gesamtsanierung des Buchsee-Schulhauses. Gleichzeitig will die Gemeinde die Schul- und Sportanlagen besser nutzen. Der Herzenswunsch von Tanja Bauer lautet: mehr Wohnraum schaffen. Die Leerwohnungsziffer liegt in Köniz sogar noch tiefer als in Bern. Wohnraum soll auch in den Zentren verfügbar und bezahlbar bleiben. Das Ziel klingt einfach, ist aber anspruchsvoll: Niemand soll umziehen müssen, weil er oder sie sich die eigene Gemeinde nicht mehr leisten kann.
Schwerpunkt 2: «Attraktiver Lebens- und Wirtschaftsstandort»
Für Gemeinderat Dominic Amacher (FDP) steht die Attraktivität von Köniz als Wohn- und Wirtschaftsstandort im Zentrum. Die Nähe zur Stadt macht die Gemeinde beliebt – und genau diesen Standortvorteil will er weiterentwickeln. Beim Rappentöri, in Köniz Nord oder im Morillon sollen Voraussetzungen für neuen Wohnraum geschaffen werden. Auch der genossenschaftliche und gemeinnützige Wohnungsbau will er fördern. Gleichzeitig soll Köniz ein starker Wirtschaftsstandort bleiben. Arbeitszonen wie Juch-Hallmatt will er stärken, genauso wie die Landwirtschaft als wichtigen Bestandteil von Landschaft und Versorgung. Innovation entsteht für Amacher dort, wo Menschen zusammenarbeiten. Deshalb will die Gemeinde den direkten Austausch mit Unternehmen fördern und auch der Kultur Raum geben – beispielsweise über Zwischennutzungen. Sein persönlicher Herzenswunsch für die Legislatur lautet: eine sichere, nachhaltige und unkomplizierte Mobilität. In Köniz soll man sich bewegen können – unabhängig davon, ob man zu Fuss, mit dem Velo, dem öffentlichen Verkehr oder dem Auto unterwegs ist.
Schwerpunkt 3: «Gesellschaft und Zusammenhalt»
Für Gemeinderätin Dominique Bühler (Grüne) ist der gesellschaftliche Zusammenhalt zen-tral. Köniz soll für Menschen aller Generationen und in unterschiedlichen Lebenslagen attraktiv sein. Gemeinschaftszentren in Schliern, im Bärensaal Niederscherli und im Ried in Niederwangen will sie weiterentwickeln. Hinzu kommen Gewaltprävention, Bewegungs- und Gesundheitsförderung sowie Massnahmen gegen Armut. Freiwilliges Engagement und Milizarbeit sollen stärker wertgeschätzt und sichtbar gemacht werden. Die Vielfalt von Köniz zeigt sich dabei nicht zuletzt im Nebeneinander von Stadt und Land. Das kann Konflikte erzeugen, etwa zwischen Wandernden und Velofahrenden. Bessere Signalisation, ein Ehrenkodex und gezielte Biketrails helfen, damit unterschiedliche Interessen nebeneinander Platz haben. Bühlers Herzenswunsch ist entsprechend grundlegend: Jedes Kind soll die besten Möglichkeiten erhalten, sich zu entwickeln.
Schwerpunkt 4: «Schonender Umgang mit Ressourcen»
Gemeinderätin Kathrin Gilgen (SVP) widmet sich dem verantwortungsvollen Umgang mit allem, was zur Verfügung steht. Dazu gehören stabile Gemeindefinanzen, eine vorausschauende Investitionsplanung sowie der Weg Richtung Netto-Null. Fernwärmeprojekte, die Förderung von Solarenergie und Biodiversität sowie die Bekämpfung von Neophyten stehen auf ihrer Agenda. Auch die Kreislaufwirtschaft soll stärker in der Gemeinde verankert werden. Ihr persönlicher Herzenswunsch liegt bei einer guten Schnittstelle zwischen Stadt und Land: Die Bevölkerung soll besser verstehen, wie Kulturland geschützt werden kann und warum eine Besucherstromlenkung nötig ist. Urbanes Leben und Landwirtschaft sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gilgen wünscht sich ein harmonisches Nebeneinander.
Schwerpunkt 5: «Innovation und Ausstrahlung»
Gemeinderat Thomas Marti (GLP) will das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Vielmehr arbeitet er an bestehenden Projekten und bezieht wichtige Erfahrungen mit ein. Das reicht von klimafreundlicheren Strassenbelägen bis zu Massnahmen zur Klimaanpassung an Haltestellen. Auch bei der Energieproduktion soll Köniz neue Modelle nutzen. Erfahrungen aus Mittelhäusern könnten dabei auf andere Ortsteile übertragen werden. Ein weiteres Innovationsfeld ist die Bildung. Die Gemeinde will neue Formen der Bildungssteuerung prüfen und Unterricht, Tagesstrukturen sowie Betreuungszeiten besser zusammendenken. Ganztagesstrukturen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Martis Herzenswunsch führt wiederum zurück zum Wohnraum: Wenn die Gemeinde bei Arealentwicklungen Eigentum oder Miteigentum besitzt, soll sie solche Projekte möglichst rasch vorantreiben und realisieren können.
So unterschiedlich die persönlichen Wünsche der fünf Gemeinderatsmitglieder sind, am Ende stehen sie gemeinsam hinter einem Plan. Dominic Amacher sieht einen Vorteil darin, dass sich der Gemeinderat schon aus der Zeit im Parlament kenne. Man habe unterschiedliche Sichtweisen und könne gerade deshalb gemeinsam zu guten Lösungen kommen. Und genau hier wirkt die Zauberformel von Köniz. Die grosse Stärke des neuen Legislaturplans: Alle wollen Köniz voranbringen und ihre unterschiedlichen Sichtweisen einbringen. Das ist die Destination Zukunft.