Ein heftiges Gewitter ist an diesem Junitag durch die Region gezogen. Am Abend sitzt Christian Blatter, Kommandant der Kompanie Unterland der Feuerwehr Sense, im ruhigen Feuerwehrmagazin und gibt Auskunft. Die Stunden vorher verliefen hektischer. Einsatz um Einsatz galt es zu bewältigen: überschwemmte Keller, geflutete Einstellhallen und Wassereintritt in die Garderoben der Turnhalle. Die Angehörigen der Feuerwehr rückten dafür vom im Februar in Betrieb genommenen und im Mai eingeweihten neuen Magazin aus. Dieses schliesst eine Zeit des Umbruchs ab – seit Anfang 2023 ist die Feuerwehr in der jetzigen Organisation tätig. Nun gibt es im Sensebezirk nur noch fünf Ausrückstandorte: Düdingen, Tafers, Plaffeien, Tentligen und Wünnewil.
Feuer, Wasser, Unterstützung Ambulanz
Seit fast 20 Jahren dient Blatter in der Feuerwehr. Der Rüeggisberger zog zuerst nach Ueberstorf und später nach Wünnewil, wo er dank der Feuerwehr Region und Leute kennenlernte, wie er erzählt. «Die Kameradschaft ist einzigartig.» Er war bereits vier Jahre lang Vize-Kommandant, bevor er Mitte 2022 die Hauptverantwortung übernahm. Die Neuorganisation bekam er also hautnah mit. Rund 40 Einsätze leistet seine Kompanie jährlich. Brände und Überschwemmungen machen den Hauptteil aus, aber wie in vielen anderen Kantonen ist auch Unterstützung der Ambulanz zunehmend gefragt, zum Beispiel beim Transport vom Zimmer zur Ambulanz.
Ausrücken ab Magazin statt von daheim aus
Dass die Leute heute aus dem ganzen Gebiet zuerst ins Wünnewiler Magazin fahren und von dort aus ausrücken, habe sich gut eingespielt und sei kein Problem, so Blatter. «Mittlerweile funktioniert das super.» Bis Ende 2022 hatten alle ihre Einsatzkleidung daheim und fuhren direkt zum Schadensplatz. «Da passierte es manchmal, dass manche Fahrzeuge versehentlich im Magazin blieben», erinnert sich der Kommandant. Ein weiterer Vorteil des neuen Systems: Es stehen keine Privatautos am Einsatzort herum und überzählige Leute können bereits im Magazin heimgeschickt werden. Trotz teilweise längeren Wegen könne das Leistungsziel, innerhalb von 15 Minuten nach dem Eingang des Notrufs vor Ort zu sein, eingehalten werden. Das neue Feuerwehrmagazin erleichtert das Umziehen und zügige Ausrücken, bietet es doch deutlich mehr Platz. Vorher gab es beispielsweise keine geschlechtergetrennten Duschen und Garderoben und die Fahrzeuge, Geräte und Hilfsmittel waren auf verschiedene Gebäude verteilt.
Tagesverfügbarkeit: schwierig
76 «AdF», also Angehörige der Feuerwehr, zählt das Bataillon Sense Unterland aktuell. Von der Gebäudeversicherung vorgeschrieben sind deren 40 bis 60. Hat Christian Blatter also, im Gegensatz zu vielen anderen Feuerwehren, zu viel Personal? «Diese Zahl kommt daher, dass wir die Gebiete zusammenlegten und alle willigen AdF mitnahmen», erklärt er. In diesen drei Jahren hat die Zahl der Dienstleistenden bereits deutlich abgenommen; inzwischen hätten sich die Zahlen aber stabilisiert. Der Neubau und der Tag der offenen Tore haben erneut gezeigt, dass reges Interesse an der Arbeit der Feuerwehr bestehe. «Im Moment befürchte ich keine Nachwuchsprobleme», freut er sich. Eine Herkulesaufgabe sei es hingegen, tagsüber genügend Leute mobilisieren zu können, besonders bei grösseren Ereignissen. Der Grund: Man wohnt in Wünnewil, Ueberstorf oder Schmitten, arbeitet aber ausserhalb – etwa in Freiburg, Bern oder Kerzers. Eine Problematik, die vor allem ländliche, kleinere Gemeinden kennen. «Im Moment bringe ich es hin, genügend Leute aufzubieten», sagt er. Es gibt die Möglichkeit, dass Feuerwehrangehörige anderer Kompanien des Bataillons, die in einer Sense-Unterland-Gemeinde arbeiten, dort auch ausrücken dürfen. Vor der Zusammenlegung war es zudem für die Gemeindeverwaltungen obligatorisch, dass ihre Angestellten, die auch Feuerwehrleute sind, im Ernstfall Dienst leisten. Inzwischen ist dies freiwillig. «Ich finde es wichtig, Leute zu haben, die freiwillig kommen. Und das tun sie, weil bei uns die Kameradschaft gelebt wird und alle ein Teil des grossen Ganzen sind», kommentiert Blatter.
An diesem gewittrigen Sommertag hätte er eigentlich im Feuerwehrmagazin im Homeoffice gearbeitet. Auch als Kommandant ist er nämlich Milizler. Für eine bessere Tagesverfügbarkeit legt er regelmässige Magazin-Homeoffice-Tage ein. Am Mittag kocht er dann jeweils für seine Kinder. Heute jedoch kam es anders. Ein Notruf nach dem anderen kam herein, erst am späteren Nachmittag konnte er noch ein wenig arbeiten. «Mir ist es wichtig, dass der Laden auch ohne mich läuft», sagt er. Die Kommandogruppe mit ihm, seinem Vize und den beiden Ausbildungsverantwortlichen sei eingespielt, und in jeder Alarmliste fungieren Offiziere
mit grosser Selbständigkeit.
Christian Blatter, gelernter Zimmermann, inzwischen beruflich im Brandschutz tätig, blickt stolz auf seine Truppe. Auch mit neuer Organisation funktioniert es, mit neuem Magazin sogar noch besser. Er windet seinen Leuten ein Kränzchen und ergänzt: «Im Idealfall bin ich als Kommandant nur noch da, um zu unterstützen.»