Bis Ende des 20. Jahrhunderts landeten Bau- und Siedlungsabfälle unverbrannt auf Deponien. Das Bewusstsein für den Schaden, welchen «wilde Ablagerungen» vor der Existenz kontrollierter Grossdeponien wie Teuftal für Natur und Umwelt bedeuten, nahm zu. Mit dem Aufkommen der thermischen Verwertung brennbarer Abfälle sah es auf der Deponie anders aus. Seit dem Jahr 2000 dient die Deponie Teuftal hauptsächlich als Endstation für Abfälle, die sich weder verbrennen noch recyceln lassen.
Erster Halt: Waaghaus
Die erste Ausfahrt am Teuftal-Kreisel kurz vor Heggidorn nehmen fast ausschliesslich Lastwagen von Kehrichtverbrennungsanlagen sowie Bau- und Gewerbebetrieben. Weil es in der Schweiz, laut Künzi, «zu wenige Deponien für alle Abfälle» gebe und die hiesige eine der grössten ist, kommen die Transporteure keineswegs nur aus der Region. Für viele Anlieferer aus der Westschweiz sei dies die nächste Deponie.
Wer zum Waaghaus vorfährt, muss angemeldet sein. Ein fast zum Inventar gehörender Waagmeister kontrolliert hier seit über dreissig Jahren die ankommende Ware. Nur vereinzelt nimmt er Stichproben. Die eigentliche Prüfung und Deklaration des Materials erfolgen bereits vor der Anlieferung. Ein «gelbes Portal» kontrolliert die Ladung auf Radioaktivität und wenn alles stimmt, stellt der Waagmeister dem Anlieferer einen Waagschein aus. Damit übernimmt die Deponie Teuftal die Verantwortung für die Abfälle.
Zweiter Halt: die passende Deponie
Der Maschinist zeigt dem Anlieferer anschliessend, wo sein Abfall hingehört. Die Deponie Teuftal betreibt drei Deponietypen. Zuerst durchquert der Anlieferer die Deponie Typ C. Hier erfolgt die Deponierung restmetallhaltiger, anorganischer und schwerlöslicher Abfälle. Dazu gehören beispielsweise Filterasche aus der Abluftreinigung von Kehrichtverbrennungsanlagen, schwermetallhaltige Sandstrahlabfälle oder Klärschlammasche. Wer Schlacke aus der Kehrichtverbrennung beladen hat, ist einige Meter weiter am richtigen Ort. Renato Künzi nennt diesen grauen Haufen «das Abbild der Gesellschaft». Etwa ein Viertel unserer Kehrichtsäcke landen hier. Bei näherem Hinschauen sind Raclettepfännchen, Dosen und andere grössere Metallstücke zu erkennen. Deshalb ist das hier noch nicht die Endstation der Schlacke. Deponien sind gesetzlich dazu verpflichtet, partikuläre Nicht-Eisenmetalle mit Hilfe einer Schlackensortieranlage zurückzugewinnen. Die Sortieranlage holt wertvolle Metalle aus der Schlacke und führt sie dem Recycling zu. Die zurückgewonnenen Metalle sind somit die einzigen Materialien, die diese Deponie wieder verlassen. Der Rest gelangt auf die Deponie Typ D. Zwischen Autobahn und Wohlensee, also im nördlichen Teil der Deponie, kommen Abfälle des Typs E hin. Hier gehören nicht brennbare Abfälle aus Gewerbe, Industrie und Bau hin.
Aus Teufen werden Höhen
Renato Künzi schaut sich alte Karten des Geländes an, dann zum Fenster hinaus und somit auch in die Zukunft. Die Deponie Typ C ist nämlich fast voll, Künzi spricht in diesem Fall von einem «Auslaufmodell». Auch der Deponie Typ E gibt er noch knappe zwei Jahre. In der Gemeindeversammlung Mühleberg war im Juni genau das Thema. Dieses Kompartiment soll nämlich ausgebaut werden. Erteilt der Kanton die noch ausstehende Genehmigung, könnten die Betreiber ab dem neuen Jahr steilere Böschungen anlegen und das Kompartiment dadurch höher auffüllen. Die Chancen auf die noch ausstehende Genehmigung seien sehr gut, sagt der Bauingenieur. Lange sei diese Erweiterung bereits in Planung. Bürokratische Prozesse hätten das Projekt jedoch verzögert. Inzwischen behandle der Kanton es prioritär. Diese Entwicklung hätte nicht etwa eine längere Betriebsdauer der Deponie zur Folge. Vielmehr wäre die Deponie Typ E dann mit der Deponie Typ D abgestimmt. Diese wäre in zehn bis fünfzehn Jahren gefüllt.
Endstation: Nachsorge
Im Jahr 2040 wird das Teuftal voraussichtlich komplett gefüllt sein. Die Tore zur Anlieferung werden sich schliessen und auf dem Gelände beginnt ein neues Kapitel: die Nachsorge. Im nordöstlichen Teil der Deponie bekommt man eine erste Idee davon, was das bedeutet. Hier sieht man vor lauter Bäumen den Abfall nicht mehr – den Wald jedoch schon. Über dem Abfall schichten sich sauberes Aushubmaterial, Unter- und Oberbau und zuoberst Humus. Zunächst wird die Fläche begrünt, später werden Bäume gepflanzt. Auch wenn das Teuftal nur noch als Wald zu erkennen ist, darf Künzi nicht einfach in Pension gehen. Die Deponie ist verpflichtet, Gelände und Anlagen noch 50 Jahre zu unterhalten.
Dass auf Abfall wieder ein Wald wächst, klingt versöhnlich. Vielleicht allzu versöhnlich? Denn unter dem Grün bleibt dennoch zurück, was einst konsumiert wurde und heute nicht mehr beseitigt werden kann.