«Es hat sich abgezeichnet, dass es ein harter Abstimmungskampf werden würde», sagt ein gefasster Bruno Boschung. Der Delegierte des Initiativkomitees «Sensler-Bad» ist weniger über den Ausgang der Abstimmung enttäuscht als über die Art und Weise, wie diese geführt wird.
Keine wasserdichte Argumentation
Seine Enttäuschung ist erklärbar. Die Gemeinden im unteren Sensebezirk übertrumpfen jene des Oberlands einwohnermässig bei weitem. Will heissen, wenngleich die acht Oberlandgemeinden sich für das Bad aussprechen und sich sogar für weitere finanzielle Engagements freiwillig melden, können die unteren Gemeinden das Vorhaben versenken. Insbesondere, weil sich das gegnerische Komitee stark positioniert hat und mit viel Engagement gegen den 47-Mio-Franken-Bau interveniert hat. «Ein Hauptargument der Gegner sind die Finanzen», weiss Boschung. Doch der genaue Blick zeigt, dass jene, die ablehnen, sich nur mit einer einmaligen Einlage hätten beteiligen sollen. Konkret mit 15,77 Mio. Franken geteilt durch alle Senslergemeinden. Das Hauptrisiko hätte Plaffeien selbst als Ort des Sensler-Bads übernommen. Da kostet – mit Verlaub – jede Schulhaussanierung weitaus mehr. Unglücklich gar die Argumentation, dass sich die Gemeinden auch an den Betriebskosten hätten beteiligen sollen, eine Fehlaussage, die so nirgends in der Kostenstrategie steht. Hierfür wäre einzig und alleine Plaffeien mit freiwilligen Beiträgen der Oberlandgemeinden aufgekommen. Das Abstimmungsresultat wirkt ein wenig wie ein Stadt-Land-Graben zwischen Oberland und dem unteren Sensebezirk. Nicht generell, aber bezogen auf dieses Projekt.
Politisch motiviert
Ein weiterer Punkt, den Boschung stört ist, dass die Lehrpersonen und Schulleitungen sich alles andere als stark gemacht haben, um endlich ein (Lern)Schwimmbecken im Sensebezirk zu haben. Der Bedarf eines solchen hat der Kanton Freiburg schon mehrmals herausgestrichen. Es gibt sogar Lehrpersonen, die sich gegen das Bad stark gemacht haben. In einzelnen Gemeinden, wie etwa in Schmitten, hat die Exekutive sogar proaktiv mit Flyer gegen das Bad geweibelt. Womit ein weiterer Punkt auf der Analyse erscheint, der für Boschung bedauerlich ist. «Zu unserem Leidwesen ist es ein politisches Thema geworden», meint er. Mit Blick auf den Parteienfächer im Sensebezirk wird klar, dass sich SVP und FDP gegen die Mitte gestellt haben. Mit den Argumenten zu teuer, zu weit weg, aber auch einigen persönlich motivierten und mitunter nicht ganz korrekten Argumenten. Zehn Jahre lang hat man das Projekt im Mehrzweckverband vorangetrieben, hat sich auf den Standort geeinigt und geplant. Das «Sich-zur-Wehr-Setzen» kommt spät und wirkt auch einw enig wie ein plötzlicher, politisch motivierter Sinneswandel, der die Bewürworter etwas konsterniert.
Über 80 % Nein
Nirgendwo wurde die Vorlage deutlicher abgelehnt als in Ueberstorf und Bösingen. 84,46 % bzw. 82,62 % der teilnehmenden Stimmberechtigten hatten ein «Nein» auf den Stimmzettel geschrieben. Warum eine solch klare Front gegen das Vorhaben? «Der Gemeinderat hat öffentlich ein Nein empfohlen. Zudem war mit Bruno Riedo ein ehemaliger Ueberstorfer Gemeinderat und aktueller Grossrat im Gegenkomitee», ordnet der Ueberstorfer Gemeindepräsident Hansjürg Liechti ein. Die Schulkinder besuchen den Schwimmunterricht derzeit in Marly. Ein weiteres Hallenbad wäre zwar wünschenswert, doch die finanzielle Unsicherheit und die Distanz zum Standort Plaffeien überwögen.
Sonja Ledermann, seine Amtskollegin aus Bösingen, pflichtet ihm bei. «Ein Bedarf nach einem zusätzlichen Hallenbad wäre sicher da», sagt sie. Die Oberstufenschüler besuchen den Schwimmunterricht in Düdingen, die Primarschulkinder in Freiburg. Doch «ausschlaggebend ist insbesondere die finanzielle Belastung für die Gemeinden.» Ein Grossteil der Bevölkerung beurteile zudem den Standort als ungeeignet. Und: Es stehen weitere regionale Projekte an, auch wird das Schwimmbad Laupen saniert. «Deshalb bevorzugen wir das zukünftige Schwimmbad H2LéO (Poya Freiburg) für den Schwimm-
unterricht.»
Geteilte Meinung in Tafers
Ausgeglichener präsentierten sich die Abstimmungsergebnisse in Tafers: 1672 Ja- gegenüber 1765 Nein-Stimmen, oder anders ausgedrückt: 48,65 % waren dafür, 51,35 % dagegen. «Ich habe mit einem knappen Resultat gerechnet», kommentiert Syndic Markus Mauron. Die Rückmeldungen hätten sich die Waage gehalten. Unterstützt wurde das Projekt vor allem von Schwimmsportlern sowie von Personen, die dessen Bedeutung für den Tourismus sahen oder ein eigenes Hallenbad für den Sensebezirk befürworteten. Demgegenüber standen die bereits erwähnten Vorbehalte hinsichtlich der zukünftigen Betriebskosten. Zwar betonte Plaffeien, die Betriebskosten würden von den Oberlandgemeinden getragen. Der Businessplan überzeugte jedoch nicht alle, und es blieb die Befürchtung, dass später auch die anderen Sensler Gemeinden zur Kasse gebeten werden könnten. Aus diesem Grund habe der Gemeinderat von Tafers eine ablehnende Haltung zum Projekt eingenommen. Doch wie wirkt sich das Nein in Tafers konkret aus? «Den Schwimmunterricht an den Primarschulen können wir derzeit sicherstellen. Für die Orientierungsschule fehlt jedoch weiterhin eine langfristige Lösung», sagt Mauron. Hoffnung setzt er auf das geplante Hallenbad bei der Poya in Freiburg, das den Bedarf der Primarschulen decken und später allenfalls auch der Orientierungsschule dienen könnte.
Sacha Jacqueroud & Salome Guida