Eine junge Stimme für die Nachhaltigkeit

Eine junge Stimme für die Nachhaltigkeit

Aneschka Berchtold wurde mit 19 Jahren UNO-Jugenddelegierte. Mit der Idee eines Jugendrats feiert die Korrespondentin dieser Zeitung einen weiteren Erfolg.

Sie haben im Juli am UNO-Nachhaltigkeitsforum in New York als Mitglied der Schweizer Delegation einen Länderbericht der Schweiz präsentiert. Wie kam es dazu?

Nach der Matura vor drei Jahren wurde ich eine von drei UNO-Jugenddelegierten der Schweiz. Von 2023 bis 2025 besuchte ich neben meinem Studium ehrenamtlich Schulen in der ganzen Schweiz und vertrat die Meinungen meiner Generation an Konferenzen der Vereinten Nationen in Genf und New York. Immer wieder wurde ich an solchen Konferenzen gefragt, wie die Gen Z über Klimawandel, Altersvorsorge, Künstliche Intelligenz und globale Ungleichheiten denkt. Das Interesse hat mich gefreut; gleichzeitig war mir bewusst, dass ich nicht für alle jungen Menschen in der Schweiz sprechen kann.

Einflussreiche Menschen haben  meist keinen Zugang zu einer repräsentativen Gruppe junger Menschen, die sie aus ihrer Perspektive beraten könnten. Gemeinsam mit dem Jugenddelegierten für Klimafragen – dem Westschweizer Alexis Balimann – wurde die Idee eines Jugendrats geboren.

Der Jugendrat Agenda 2030 wird ab nächstem Frühjahr die zwei Delegierten des Bundesrats für die Agenda 2030 aus Jugendperspektive beraten, die öffentliche Debatte durch Konferenzteilnahmen und Medienbeiträge mitgestalten und Gleichaltrige durch Workshops und Schulbesuche mobilisieren. Gesucht werden dafür 14 junge Menschen aus der ganzen Schweiz und zwischen 16 und 28 Jahre alt.

… Stichwort New York?

Der Bund erfasst den Stand der Agenda 2030 – der globale Fahrplan für eine nachhaltigere Zukunft – alle vier Jahre in einem Länderbericht. Bei einem Workshop zu dessen Erarbeitung durfte ich als Vertreterin der Jugend unsere Idee eines Jugendrats vorstellen. Sie kam gut an: Der Jugendrat Agenda 2030 wird im offiziellen Länderbericht als innovatives Beispiel dafür erwähnt, wie die Agenda 2030 neuen Schwung bekommen könnte.

Als Mitgründerin des Jugendrats Agenda 2030 wurde ich deshalb vom EDA (Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten) angefragt, ob ich Teil der Präsentation des Länderberichts am Hochrangigen Politischen Forum für Nachhaltige Entwicklung an der UNO in New York sein möchte. Am liebsten hätte ich direkt «Ja!» gesagt, jedoch finanziert das EDA keine bundesexternen Personen. Nach mehreren Wochen intensiver Finanzierungssuche konnte ich auf die grosszügige Unterstützung der Universität Zürich, der Gemeinde Köniz und der Schweizerischen Studienstiftung zählen und somit meine Reise nach New York bestätigen. Am Hauptsitz der Vereinten Nationen durfte ich den Länderbericht der Schweiz mitpräsentieren und dabei in einem Raum mit Staatsvertretungen aus aller Welt meine Idee des Jugendrats Agenda 2030 vorstellen.

Was hat Sie motiviert, diesen Jugendrat mitzugründen?

Besonders die Nachhaltige Entwicklung muss zwingend langfristig gedacht werden. Heutige Entscheidungen oder auch heutiges Nicht-Handeln wird junge Menschen statistisch gesehen am längsten in ihrem Leben begleiten. Deshalb war ich überzeugt, dass junge Menschen bei solchen Entscheidungen mitsprechen sollten. Junge Menschen bringen bei Themen wie zum Beispiel KI einen Erfahrungsschatz mit, der älteren Generationen – also den Generationen, die heutzutage die meisten wichtigen Entscheide fällen – in diesem Lebensabschnitt fehlt.

Als ich mein Studium in Geografie und Politikwissenschaften im September 2023 begann, gab es ChatGPT, Gemini und Co. bereits seit mehreren Monaten und ich erlernte den Umgang mit KI sozusagen in Echtzeit. Studierende lassen sich wissenschaftliche Texte als Podcast vorlesen, Zusammenfassungen von Vorlesungen werden von einer KI geschrieben und Jugendliche sprechen mit KI wie mit einer Psychotherapeutin. Das bietet grosse Chancen und steigert in vielen Bereichen die Effizienz; doch gibt es auch Risiken, für die es politische Entscheide braucht. Und wer ist besser als Beraterin geeignet als eine Generation, die ihre Ausbildung komplett im Zeitalter der KI absolviert?

Woher kommt Ihr Interesse, die Zukunft aktiv mitzugestalten?

Bereits als Teenager habe ich gerne debattiert und diskutiert. Meine Eltern haben beim Abendessen vor einem Abstimmungssonntag die aktuellen Vorlagen besprochen und ich fand es unfair, dass ich nicht selbst an die Urne gehen durfte. Ich hatte mit 14 sogar eine Radiosendung zum Stimmrechtsalter 16 gestaltet. Im Gymnasium wurde ich dann zusätzlich durch die Klimabewegung politisiert und habe unter anderem während der Jugendmedienwoche in der «Arena» mit der damaligen Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga über das Thema diskutiert. Mein Interesse an der Politik ist über verschiedene Projekte gewachsen und hat sich dann als UNO-Jugenddelegierte weiterentwickelt. Ich motiviere junge Menschen, eine aktive Rolle in unserer Demokratie zu spielen.

Wie gehts mit dem Jugendrat konkret weiter?

Jugendliche zwischen 16 und 28 mit Wohnsitz in der Schweiz können sich bis Ende September online bewerben. Informationen findet man auf dem Instagram-
Account @jugendratagenda2030 oder auf jugendratagenda2030.ch. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie eine Lehre machen, noch studieren oder bereits arbeiten. Nach einer ersten Selektion bekommen die Bewerbenden in einer zweiten Runde die Möglichkeit, sich vorzustellen; die finale Auswahl wird durch ein Expertengremium aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft getroffen. Die Kick-Off-Veranstaltung für die erste Kohorte des Jugendrats Agenda 2030 findet im Frühjahr 2027 statt.

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