Hinter der Maske

Hinter der Maske

Nervenstark, reaktionsschnell und belastbar muss ein Torwart sein. All das ist Patrick Eder. Doch er ist nicht nur auf dem Spielfeld erfolgreich, sondern auch im Berufsleben. Ein Spagat, der nicht immer ganz einfach ist.

In die Politik wie sein Vater (siehe Seite 21) will Patrick Eder nicht, dabei hätte er sicher das Zeug dazu. Eloquent, Ruhe ausstrahlend und ein vertrauenserweckendes Lächeln… Stattdessen konzentriert er sich lieber auf seinen Sport und den Beruf. In einem 90%-Pensum ist er bei der Swisscom als Projektleiter angestellt und damit wohl einer der Spieler mit der höchsten Arbeitslast und Verantwortung im Beruf. Da man vom Unihockey in der Schweiz nicht leben kann, entscheiden sich viele nach dem Studium dafür, ihre sportliche Karriere zu beenden. Eine Entlastung bietet die Strategie des Verbands, womit eine Professionalisierung angestrebt wird. Dank dem Angebot «Spitzensport-WK» der Armee erhalten Spieler des Männernationalteams die Möglichkeit, ihr Leben auf den Leistungssport auszurichten. An bis zu 130 Diensttagen pro Jahr können sie in ihre Unihockey-Karriere investieren und als Profis leben. «Das ist eine grosse Entlastung. So gehen für Zusammenzüge der Nationalmannschaft nicht die gesamten Ferien drauf und in strengen Zeiten wie den Playoffs kann man für eine beschränkte Zeit profimässig leben», erklärt Eder. Sein Arbeitgeber, für den er nun schon seit 10 Jahren tätig ist, habe direkt mitgemacht. «Dank der Flexibilität konnte ich zum Beispiel auch von der WM in Helsinki aus an Meetings teilnehmen», zeigt er sich dankbar.

Kurzfristig nach Finnland
Flexibilität wurde auch ihm abverlangt. So war er trotz hervorragender Leistungen, unter anderem in der vergangenen Saison als er zum «Besten Goalie» der Liga gewählt wurde, nur die Nummer drei für Nationaltrainer Daniel Jansson. Als sich der Torwart vom UHC Alligator Malans vor der WM verletzte, folgte die Nachnominierung für den Könizer. Zum Einsatz kam er dann aber nur in der Partie gegen Deutschland. «Ich hatte darauf gehofft, dass ich im Viertelfinale spielen darf, doch dann setzte man wieder auf Pascal Meier», sagt Eder. Nationalmannschafts-Einsätze allein sind dann auch nicht sein Antrieb, um weiterzumachen: «Für eine Woche alle zwei Jahre würde sich der Aufwand nicht lohnen. Ich spiele, solange ich Spass daran habe, gesund bin und es mit der Arbeit vereinbar ist.»

Wechsel
Geringe Einsatzzeiten waren damals auch der Grund, warum der in Niederscherli aufgewachsene Goalie Floorball Köniz 2014 verliess. «Der Verein sah mich als Nummer 2 hinter Samuel Thut, als dieser nach einem Aufenthalt in Schweden zurückkehrte», erklärt er. Der damalige Winterthurer Trainer Rolf Kern fädelte dann den Wechsel zum HCR ein. «Der Verein hatte einen 4-Jahres-Plan mit grossen Ambitionen und suchte einen starken Torwart. Das war für mich als junger Spieler eine tolle Chance», erläutert der 31-Jährige. Er übernahm die Rolle eines ausländischen Verstärkungsspielers und wohnte mit einem Schweden, einem Tschechen und einem Finnen zusammen. «Wir waren eine Multikulti-WG», erinnert er sich gerne zurück. So toll die Zeit auch war, das «Heimweh» war nach zwei Jahren zu gross: «Meine Familie, meine Freundin, mein Job, alles war hier.»

Höhepunkte
Nun ist er seit sechs Jahren die unangefochtene Nummer eins im Tor der Könizer und gewann zwei Meistertitel. «Beide Titel waren für uns speziell, wobei der erste für den Club sicher wichtiger war. Da ist viel Last vom ganzen Verein abgefallen. Ausserdem sorgten über 8000 Zuschauer für eine tolle Atmosphäre», so Eder und fügt hinzu: «Der zweite war eine neue Geschichte. Wir waren ein anderes Team mit vielen jungen und neuen Spielern. Es ist schwieriger, einen Titel zu bestätigen und zu beweisen, dass es nicht eine einmalige Sache war.» Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere ist sicher auch die Bronzemedaille bei der WM 2018: «Eine Weltmeisterschaft hat natürlich ganz andere Dimensionen und es gibt viel mehr Aufmerksamkeit.»

Wunschtraum Goalie
Auch wenn böse Stimmen sagen, dass er «ein Bewegungslegastheniker sei, der für keine andere Sportart geeignet wäre», stimmt das nicht ganz. Als Kind begann er, Fussball zu spielen. Heute findet man ihn, wenn es zeitlich möglich ist, im Winter auf den Skiern oder im Sommer in den Bergen. Am liebsten im Wallis, wo seine Grossmutter aufgewachsen ist. Zum Glück für Floorball Köniz fanden Fussball und Pfadi gleichzeitig statt. «Ich wollte bei den Falkensteinern bleiben und habe dann Unihockey ausprobiert. Das hat ‹gfägt›», erinnert er sich zurück. Torwart sein, ist seine Berufung. «Goalie ist man oder eben nicht. Das ist in jeder Sportart so. Man macht es, weil man den Nervenkitzel mag. Mich fasziniert, dass Fehler immer teuer sind, und man darum nur dosiert ausprobieren darf. Sonst wird man sofort bestraft. Du lebst quasi an der Kante zum Abgrund», erläutert Eder seine Begeisterung: «Zudem bist du gewissermassen die Versicherung des Teams. Es ist ein cooles Gefühl, die Mannschaft retten zu können.»

Reisefreudig
Sein ein Jahr älterer Bruder spielte ebenfalls Unihockey, ist heute aber nicht mehr aktiv. «Meine Eltern haben uns immer gefahren, bis ich mein erstes Töffli hatte. Bis heute unterstützen sie mich so oft es geht bei Heimspielen. In Helsinki waren sie auch dabei», erzählt der Sportler. Ebenfalls seit zehn Jahren an seiner Seite ist Freundin Janina: «Wir haben uns bei der Pfadi kennengelernt.» Sie teilt seine Begeisterung fürs Reisen. Das vor allem in eher unbekannte Länder mit wenig Touristen, die viele gar nicht auf der Karte einzeichnen könnten. «Wir waren zum Beispiel in Tadschikistan, Uganda oder Bolivien», erzählt der Schlierner. Sobald es wieder möglich ist und spätestens, wenn er nach dem Karriereende mehr Zeit hat, dann stehen noch weitere Trips an. Aber erstmal bildet er weiterhin den Rückhalt für seine Teamkollegen bei Floorball Köniz, wo er mit seiner Einstellung und Planung ein Vorbild ist. «Ich bin besser im Planen meiner Zeit als andere, da ich ein sehr strukturierter Mensch bin. Ich bin also eher Nerd als Chaot», lacht Patrick Eder.

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