Wochenlang kaum Regen, dafür hohe Temperaturen und viel Sonne: Wo Gartenbesitzer ihre Pflanzen giessen müssen und die Bevölkerung die Nähe zu Gewässern sucht, sind Gemeinden mitunter in der Wasserversorgung herausgefordert. «2015 und 2018 mussten wir mit Tanklastwagen Trinkwasser anliefern lassen, um unsere Reservoirs auffüllen zu können», schaut Sebastian Eugster zurück. Der Gemeinderat ist zuständig für die Ressorts Umwelt und Betriebe. Auch hauptberuflich kennt er sich mit lebenswichtiger Infrastruktur aus – er ist bei der DEZA zuständig für die Humanitäre Hilfe in Lateinamerika der Karibik. «Ich war schon mehrmals bei Nothilfeeinsätzen dabei, als wir zum Beispiel nach Erdbeben die Trinkwasserversorgung sicherstellten», erzählt er. Dass im «Wasserschloss Schweiz» das lebenswichtige Nass nicht immer selbstverständlich aus dem Hahnen sprudelt, brachte ihn zum Nachdenken.
Anfällige Infrastruktur
Die öffentliche Wasserversorgung Rüeggisbergs geht auf die 1960er-Jahre zurück. Ursprünglich fasste die Käsereigenossenschaft das Wasser, nach einer Gesetzes-
änderung kamen die Gemeinden in die Pflicht. Heute sind Eugster und seine Leute verantwortlich für mehr als 30km Leitungen; viele Abschnitte sind in die Jahre gekommen oder haben sogar das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. «Wenn das Material ermüdet, kommt es zu Brüchen und dementsprechend zu Wasserverlust», beschreibt er eine Herausforderung. Die Quellen auf Gemeindegebiet beschreibt er als «unser Kapital», die Infrastruktur dazu verfüge noch über «viel nicht ausgeschöpftes Potenzial». Damit sei nicht nur die Sanierung alter Röhren oder Quellfassungen gemeint, sondern auch die Planung – möglichst abgestimmt mit den Nachbargemeinden. Etwa bei Bauarbeiten, die Leitungen für eine gewisse Zeit vom Netz nehmen.
Nachbarin liefert Wasser
Aus diesem Grund realisierte die Gemeinde letztes Jahr eine Wasserverbindungsleitung zwischen Riggisberg und dem eigenen Boden. Das Projekt erhielt schon vor rund acht Jahren einen Verpflichtungskredit zugesprochen und konnte so ganz von Rüeggisberg finanziert werden. Dank ihm konnte die Sanierung der Quellfassung im Thanwald in Angriff genommen werden. Während rund drei Juniwochen pumpte die Nachbargemeinde Trinkwasser durch die neue Verbindungsleitung. Vorgesehen war, sie nach Abschluss der Bauarbeiten wieder abzustellen. Der Rekord-
trockenheit wegen kam es anders: «Sie ist bis heute täglich in Betrieb», erzählt der zuständige Gemeinderat. «Dieses Jahr ist die Lage noch prekärer als 2015 oder 2018 – ohne Verbindungsleitung hätten wir wieder auf die Lieferung per Zisterne zurückgreifen müssen.» Mitte August rief der Gemeinderat die Bevölkerung bereits zum zweiten Mal in diesem Sommer zum Wassersparen auf, schon vorher liess er die drei Dorfbrunnen vom Netz nehmen. Sebastian Eugster bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: «Es geht auch um den Löschschutz. Trockenheit ist somit auch eine Sicherheitsfrage.» Umso wichtiger, dass nun die Quellfassung im Thanwald saniert und erweitert wurde. Bereits ersetzt ist zudem ein Leitungsabschnitt in Richtung Fultigen, der immer wieder Brüche aufgewiesen hatte. Eugster würde es begrüssen, wenn die regionale Zusammenarbeit in Zukunft vertieft würde: «Die Gemeinden des südlichen Längenbergs könnten einander nicht nur aushelfen, sondern auch ihre Planung bei der Wasserinfrastruktur aufeinander abstimmen.»
Potenzial eines Verbunds
Diese Ansicht teilt man auch in Riggisberg. Der zuständige Gemeinderat Bruno Witschi ist zwar froh darüber, dass sich die Trockenheit bis jetzt nicht kritisch in Riggisbergs Quellfassungen niederschlägt: «Wir haben nach wie vor hohe Fördermengen.» Dem bereits vor einigen Jahren angedachten «Wasserverbund Längenberg Süd (WALS)» steht aber der ganze Gemeinderat positiv gegenüber. Der Verantwortliche des Ressorts Tiefbau erläutert: «Ein Verbund kann helfen, Synergien zu nutzen und Arbeiten zu koordinieren. Auch aus topographischer Sicht würde er Sinn machen. Wir wollen regional gemeinsam vorwärtsgehen.» Die Idee wurde bereits der Gemeindeversammlung vorgelegt – diese erteilte dem Gemeinderat den Auftrag, auch andere Varianten wie eine Vertragslösung zu prüfen. Diese Abklärungen sind aktuell noch im Gang. In Zeiten, in denen auch der Schweiz vermehrt Trockenheit droht, sind überkommunale Lösungen nötiger denn je.