Manche Schlösser wirken, als hätten ihre Bewohner gerade erst die Zugbrücke hochgezogen und das Mittelalter hinter sich abgeschlossen. Mitnichten auf Schloss Laupen. Es wirkt zwar noch alles so, als könnte jederzeit Graf Otto von Strassberg um die Ecke reiten, aber «bei uns ist eine jede und jeder herzlich willkommen», sagt Jörg Helfer, Geschäftsführer der Stiftung Schloss Laupen. Wohlan, so schreitet hinein in den freundlichsten Schlosshof weit und breit, denn hinter den mächtigen Mauern brodelt das Leben.
Es hüpft die Schreibfeder geschwind durch 900 Jahre Geschichte. Vorbei am ehemaligen Bergfried aus dem Jahr 1183. Was zuvor auf dem markanten Felsen stand, lässt sich nicht abschliessend klären. Vermutlich gab es bereits hölzerne Vorgängerbauten. Auch die frühen schriftlichen Quellen lassen Historikern reichlich Raum zum Rätseln. Sicher ist: Wer hier oben steht, blickt auf ein beeindruckendes Stück Schweizer Geschichte. Doch nicht davon sollen diese Zeilen berichten, das wäre ja wie eine Glorifizierung der alten Mächte. Dabei gehören die neuen Mächte Ihnen allen, hochverehrte Lesende. Im heutigen Trauungszimmer erinnern die Wappen zwar noch an einstige Amtsträger. Doch wo früher obrigkeitliche Entscheide gefällt wurden, wird heute das Ja-Wort gesprochen. Eine durchaus sympathische Entwicklung der Amtsgeschäfte, ist man geneigt zu schreiben. Zwischen April und Oktober finden an ausgewählten Freitagnachmittagen standesamtliche Trauungen statt. Ob anschlies-
send ein kleiner Apéro oder ein rauschendes Hochzeitsfest folgt, entscheiden die Brautpaare selbst. Auch Pferdekutschen mit und ohne Motor dürfen die romantische Kulisse bereichern. Und wer nach der Feier nicht gleich wieder abreisen möchte, findet auf dem Schloss sogar Übernachtungsmöglichkeiten. Nur auf die Bediensteten würde man halt nach der Aufklärung wohl eher verzichten wollen.
Dass die historischen Räume heute vielseitig genutzt werden können, ist kein Zufallstreffer der Blide. Die Stiftung Schloss Laupen ist Eigentümerin und kümmert sich um Betrieb, Vermietung und Unterhalt. Der Verein Schloss Laupen sorgt mit Veranstaltungen für kulturelles Leben. Und zahlreiche Freiwillige der Museumsgruppe hüten während der Öffnungszeiten die historischen Schätze. Für Feste und Anlässe stehen gleich mehrere Räume bereit. Der prächtige Rittersaal (mit Platz für bis zu 84 Personen), der Rittersaal-Keller (36 Personen) die Landvogtstube (32 Gäste). Dazu kommen Sommerlaube, Garten und Terrasse. Und wenn ein gar garstiger Spross nun an seine Stirn greift und meint: «Mich dünke, man möge doch gleich das ganze Schloss zu meinem Feste herrichten», dem sei gesagt: Sehr wohl. Wer gross denkt, kann gleich das gesamte Schloss mieten und einen Anlass mit rund 250 Personen veranstalten. Das Catering – oder wie man in Laupen vielleicht zu sagen wagt: die Verwöhnung an der Tafelrunde – lässt sich selbst organisieren oder über regionale Anbieter und Schenken vermitteln. Selbst bei Mobiliar und Einrichtung wird auf Wunsch geholfen.
Das Veranstaltungsprogramm ist ebenso vielfältig. Vom Neujahrsapéro mit den Regierungsratspräsidenten aus Bern oder Freiburg (Könige gibt es nicht mehr allzu viele hierzulande) über Jazzmatinéen, Irish-Folk-Abende und Schlossfestspiele bis zum Schlosstag reicht die Palette. Auch ein Mittelalterfest findet hier seinen passenden Rahmen. Dann dürfte sich manch einstiger Burgherr für einen Moment wieder zu Hause fühlen.
Besonders bemerkenswert ist die Offenheit des Schlosses. Trotz seiner einstigen Verteidigungsfunktion ist es heute kein abgeschottetes Denkmal. Ein Erlebnisweg verbindet die Anlage mit dem Städtchen, dem gemeinen Volke und seiner lieblichen Umgebung. Geschichte wird damit nicht nur hinter Museumstüren vermittelt, sondern draussen erlebbar.
Wie sehr das Schloss den lodernden Funken im Herzen zu entzünden vermag, zeigt das Gespräch mit Jörg Helfer. Mitten zwischen den jahrhundertealten Mauern sitzt er und setzt sich schon fast zeitlebens für diesen besonderen Ort ein. «Ich bin Laupener, ich spüre diese Aura hier, die so einzigartig ist», sagt er. Es sei für ihn eine Ehre, hier wirken zu dürfen. Die Zeit im Schloss tue ihm gut, erinnere ihn an Vergangenes und Kommendes gleichermassen. Besonders glücklich mache es ihn, dieses Gefühl anderen Menschen näherzubringen. Sein Funken hat auch die Glut des Senslers Nicolas Bürgisser entfacht. Seit nunmehr einigen Jahren ist er Stiftungsrat – und seither ein genauso entflammter Toreöffner wie Jürg Helfer. «Das Schloss ist schon fast so etwas wie unsere Heimat, auch wenn wir nicht da wohnen», sagen die beiden mit einem schallenden Freudengewieher. Und nun stecken die beiden Ritter der Offenheit weitere Menschen mit dieser Freude an. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis von Schloss Laupen. Seine Mauern wurden einst errichtet, um Menschen draussen zu halten. Heute schaffen sie einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Eine schönere Fortsetzung seiner langen Geschichte könnte sich das Schloss kaum wünschen.