Vorbereiten statt Angst haben

Vorbereiten statt Angst haben

Immobilienspezial – Steuervorteile führten zu Aufträgen für die Handwerkerinnen und Handwerker. So lautete bisher die Devise. Seit die Abschaffung des Eigenmietwerts beschlossen wurde, sind viele Traditionsbetriebe verunsichert und fürchten um ihre Aufträge. Nicht so Philippe Tschan von der Schreinerei Um & Bau. Für ihn ist es eher eine Frage der Planung.

Er ist wuchtig, augenfällig und einzigartig, jener Holztisch, an dem der Unternehmer Platz nimmt und zum Gespräch bittet. Ein typisches Möbelstück aus seiner Firma. Werden solche Einzelanfertigungen und Unikate noch häufig in Auftrag gegeben, oder siegen Grossisten mit Tiefstpreisen und komplizierten Bauanleitungen? «Nun, ich habe noch nie gesehen, dass man Massenware vererbt. Solche Möbel, etwa aus dem Baum vom Garten gefertigt, bleiben Familienerbstücke», verrät Philippe Tschan mit etwas Schalk. Übersetzt bedeutet dies: Seine Kundschaft ist auch in diesem Segment stabil, Schweden hin oder her. Doch die Um & Bau macht noch sehr viel anderes: Böden, Küchen, Fenster, Türen, Reparaturen, alles bis hin zu ganzen Umbauten.

Wellenbewegungen

Werden hier die Aufträge ausbleiben, wenn ab 2028 der Eigenmietwert nicht mehr gilt? «Nicht unbedingt», entgegnet der junge Patron. Er betrachtet es differenzierter: «Ich denke, dass in den nächsten zwei Jahren mehr Aufträge kommen, weil viele noch vor dieser Abschaffung von den steuerlichen Vorzügen profitieren wollen. Danach wird es wohl eine Zeit lang etwas ruhiger, bevor dann die ganz normalen In-
standhaltungen sowieso Aufträge erzeugen. Ich denke, es wird eher eine Wellenbewegung geben.»

Fast wie beim Auto

Rückblende. Bis jetzt war der Herbst für viele Handwerkerinnen und Handwerker oft goldiger als die anderen Jahreszeiten. «Viele überlegen dann, wie sie steuertechnisch dastehen, was sie für ein Budget haben, und entscheiden sich dann zu sanieren. Es eilt oft, weil es im Moment gerade steuerliche Vorteile bringt.» Für die Firmen bedeutet das oft Stress, wenn viele gleichzeitig noch schnell etwas verbessern wollen. Zukünftig dürfte es eine längere Planungsphase geben, was aus seiner Sicht nicht unbedingt schlecht ist. «Das erlaubt uns, besser zu planen.» Keine Angst also, dass unter dem Strich weniger Aufträge resultieren? Tschan schüttelt den Kopf. «Es ist ein wenig wie beim Auto, das muss man ja auch warten, damit alles sicher bleibt. Genau gleich verhält es sich mit einem Haus. Dieses sollte eigentlich immer unterhalten werden.» Für seinen Schreinerbetrieb heisst dies: Türen werden im Moment schneller gewechselt, Küchen erneuert und Böden ausgetauscht. Danach wird das System wechseln, hin zu einer etwas langfristigeren Planung. «Das Problem wird für die Handwerker eher vorübergehender Natur sein», fasst er zusammen.

Vorsicht bei den Investitionen

Also so weiter wie bis anhin? Nein, nun schüttelt der junge Mann am wuchtigen Holztisch den Kopf. Auch für die Firmen bedeutet dies eine angepasste Planung. «Für mich heisst diese Ausgangslage, dass ich vorsichtig bin mit Investitionen und dem Anstellen neuer Mitarbeitender. Ich bereite mich also schon heute darauf vor.» In den vergangenen Jahren ist Um & Bau kräftig gewachsen, doch nun wird er ein wenig langsamer machen. Ohne dass ihn das besorgt. «Es gibt immer Aufträge. Auch solche, bei denen die Steuern keine Rolle spielen.» Wie etwa der schmucke Esstisch, an dem dieses Gespräch stattfindet. Aber es gibt noch ein weiteres Zauberwort: wertvermehrende Umbauten. Sie steigern den Preis der Immobilie – steuerunabhängig.

Egal, wie viel man in diesen Tagen den Sorgenbarometern der Wirtschaft ablesen kann: Ein Blick in die Praxis und über die Schultern von Philippe Tschan zeigt, dass es ein paar Wellen geben wird, aber sicherlich keinen Tsunami. Erst recht nicht rund ums Holz. «Unser Material ist ein einheimischer Alleskönner, den wird es immer brauchen.» Und das meint er wirklich so, denn geht nicht, gibt’s nicht bei Tschan. Er tüftelt an Lösungen, spannt mit anderen zusammen und meint zum Schluss: «Wir Handwerkerinnen und Handwerker in der Region haben es gut untereinander und arbeiten gut zusammen. Das bringt viele Vorteile für die Kunden.» Von Angst also keine Spur in Sachen Abschaffung des Eigenmietwerts. Von Vorbereitungen dafür umso mehr.

Teilen Sie diesen Bereich

Beitrag:
«Vorbereiten statt Angst haben»

Die meistgelesenen Artikel

Kontakt

Datenupload

Der einfachste Weg uns Ihre Daten zu senden!

Werbeberatung

Step 1 of 2