Was drinnen ist, darf nicht nach draussen

Was drinnen ist, darf nicht nach draussen

Das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) entwickelt innovative Lösungen zur Bekämpfung von ansteckenden Tierseuchen und Infektionskrankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden. Voraussetzung dazu ist das Funktionieren einer hochkomplexen Technik. Ende Oktober geht Peter Fluri als Leiter der Abteilung Infrastruktur in Pension.

Die idyllische Landschaft lässt kaum vermuten, dass sich hier eines der beiden eidgenössischen Hochsicherheitslabore befindet. Rund 110 Menschen arbeiten am IVI, davon sind pro Tag etwa 40 im Hochsicherheitslabor in Mittelhäusern tätig. Peter Fluri geht auch regelmässig ins Labor. Er ist mit seinem Team verantwortlich für die gesamte Technik des Gebäudes, das die Funktion einer Hülle hat, in der das Labor eingebettet ist. Die technischen Anlagen sorgen dafür, dass die Biosicherheit des Gebäudes dauernd gewährleistet ist, gemäss den Vorgaben zur höchstmöglichen biologischen Sicherheitsstufe. Die technische Infrastruktur bietet die Grundlage für die Arbeit der Forschenden und beansprucht rund 70 % des Gebäudevolumens. Der Elektroingenieur leitet die Technik seit 16 Jahren und noch bis Ende Monat, danach geht er in Pension. «Wir sind zuständig für den Unterhalt, die Weiterentwicklung und den lückenlosen Betrieb der Infrastruktur», definiert er die Spannweite der Aufgaben.

Gebäudehülle um das Labor
Die wissenschaftlichen Tätigkeiten am Institut befassen sich mit der Untersuchung, der Diagnostik und der Grundlagenforschung von viralen Erkrankungen bei Nutztieren und immer häufiger auch mit Viren, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Das Prinzip der Gebäudehülle rund um das Labor sei eigentlich ganz einfach, sagt Fluri: «Alles, was drinnen ist im Labor, wollen wir nicht draussen haben.» Das bedeutet, dass alles – ohne die geringste Ausnahme – vor dem Austritt aus dem Labor von möglichen Erregern befreit wird. Das betrifft Menschen, Versuchstiere, jeden Gegenstand, den Abfall, das Abwasser oder auch Instrumente und Werkzeuge. Das muss so sein. Zum Schutz für Mensch, Tier und Umwelt. Eine der Massnahmen dazu ist der dauernde Unterdruck innerhalb des Labors. Dieser bewirkt, dass nichts über die Innenluft des Labors nach draussen entweicht. «Die Luft aus dem Labor wird vor dem Austritt zweifach gefiltert», erklärt der Leiter Infrastruktur den Einbahnverkehr der Luft im Labor. «Ohne Unterdruck im Inneren könnte bereits eine Ritze in der Fassade dazu führen, dass Luft ungefiltert nach draussen entweicht.» Der Unterdruck ist für die Leute im Labor kaum spürbar. Einmal drinnen, finden sie dort ganz normale Arbeitsverhältnisse vor.

Rund um die Uhr
Der Betrieb eines Hochsicherheitslabors benötigt viel Energie, insbesondere für die Sterilisation der Abfälle. Ein Teil des Strombedarfs wird seit Kurzem durch die hauseigene Solaranlage abgedeckt. Damit die Anlage mit Baujahr 1990 lückenlos und sicher betrieben werden kann, sind regelmässige Unterhaltsarbeiten nötig. Dafür sorgt ein Team von spezialisierten Fachleuten aus allen erdenklichen Sparten der Haustechnik. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Trotz aller Unterhaltsarbeiten sei ein Neubau erforderlich, so Peter Fluri, man könne nicht immer nur sanieren; auch stosse das IVI zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Diese Situation wurde erkannt. Mit dem Entscheid für das Siegerprojekt Ende des letzten Jahres rückt die Realisierung eines Neubaus näher. Bis die Planung und der Bau abgeschlossen sind, werden allerdings noch Jahre verstreichen. Bis dahin muss die Anlage weiterhin störungsfrei funktionieren.

Die Wichtigkeit der Technik
Die Ausbreitung von Viren könne nur in der Kombination aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und der nötigen Technik im Hintergrund verhindert werden, weiss der Ingenieur und ergänzt: «Die Anlage, die wir hier betreiben, läuft ununterbrochen. Obwohl sich der Stand der Technik laufend verändert, gab es seit Bestehen des Instituts nie eine Störung, die einen Unterbruch zur Folge hatte.» Als grösste Herausforderung bezeichnet er die Vielfalt und das Zusammenspiel der technischen Anlagen, die ineinander übergreifend funktionieren und ein grosses Ganzes bilden. Das spricht für höchste Kompetenz und Wachsamkeit von Peter Fluri und seinem Team, denn: «Wir überwachen mehrere tausend Stellen, die einen Alarm auslösen können.»

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