Die Post muss ihr Netz weiter verdichten. Auch die Filiale in Kehrsatz gehört zu den Standorten, deren Dienstleistungen in einen bestehenden Laden verlegt werden. Gemeinsam mit der Gemeinde suchte die Post nach einer pragmatischen Lösung und fand im Spar Express einen geeigneten Partner. Der Laden am Ortseingang ist nicht der erste Spar, der einen Postschalter integriert. Zur Eröffnung sind Vertreter der Post, Spar-Bereichsleiter Marco Schüpbach und Gemeindepräsident Läderach vor Ort.
Der Grund für die Schliessung der Filiale an der Bernstrasse war die sinkende Kundenfrequenz. Die Post überprüft ihr gesamtes Netz und entscheidet, wo sich Filialen mit Personal weiterhin lohnen und wo der Durchlauf zu gering ist. Gleichzeitig ist sie verpflichtet, die Grundversorgung sicherzustellen. Mitte August fanden in der Filiale zwei Informationstage statt, an denen Mitarbeitende der Post über die bevorstehenden Änderungen informierten und bei Bedarf beim Installieren der Post App unterstützten.
Integration in den Detailhandel
Für die Zusammenarbeit wurden verschiedene Detailhändler angefragt. Die Gemeinde begrüsste die Umwandlung, da das Kundenbedürfnis im Spar Express vollständig abgedeckt werden kann. Auf rund 100 Quadratmetern Shopfläche ist die Post integriert. Das Personal erhielt vor der Eröffnung Schulungen und wird weiterhin begleitet. Zu Beginn unterstützt eine Postangestellte das Spar-Team direkt vor Ort. Zusätzlich steht eine Ansprechperson der Post zur Verfügung, falls Unsicherheiten auftreten.
Limite für Pakete und Geldbezug
Am Schalter im Laden können Kundinnen und Kunden fast alle gewohnten Dienstleistungen nutzen: Briefe aufgeben oder abholen, Bargeld mit der PostFinance Card beziehen sowie Sendungen ins In und Ausland verschicken. Pakete über einem Meter Länge können aufgrund der Platzverhältnisse nicht angenommen werden. Der Schalter wird bargeldlos geführt, Zahlungen sind nur mit Karte möglich. Zwei getrennte Geldzyklen wären organisatorisch zu aufwendig. Bargeldbezug ist bis zu einem Betrag von 150 Franken möglich. Wer mehr benötigt, muss die Filiale in Wabern oder Belp aufsuchen.
Durch die Integration in das Tankstellengeschäft sind die Öffnungszeiten deutlich länger. Dennoch gilt weiterhin der reguläre Aufgabeschluss der Post. Ein A-Post-Brief, der um 21 Uhr aufgegeben wird, erreicht sein Ziel nicht automatisch am nächsten Tag. Der Vorteil bleibt jedoch bestehen: Postgeschäfte können bis 22 Uhr erledigt werden.
Veränderung der Zentralität
Gemeindepräsident Christoph Läderach freut sich über die Lösung im Spar Express, betont aber auch, dass die Schliessung der Filiale im Dorfzentrum ein Verlust gewesen sei. «Ein Stück Vertrautheit geht weg», sagt er. Die Post sei lange ein Treffpunkt gewesen, an dem man sich kannte und geschätzt wurde. Auch das vertraute Personal, das an andere Standorte versetzt wurde, werde fehlen. Ihm und der Gemeinde ist bewusst, dass diese Veränderung eine gewisse Gewöhnungszeit braucht.
Mit dem neuen Standort hat sich die Post zudem räumlich aus der Dorfmitte hinaus verschoben. Per Zug bleibt sie gut erreichbar, doch der Weg führt nun nicht mehr zum Bahnhof Kehrsatz, sondern jenem von Kehrsatz Nord. Für Menschen, die weniger mobil sind, ist diese Verlagerung weniger praktisch. Was früher beim «kömmerle» bequem zu Fuss erledigt werden konnte, ist für einige nun mit mehr Aufwand verbunden. Bei Spar selbst freut man sich auf die Postfiliale. Marco Schüpbach glaubt, dass die Post mehr Kundschaft in den Laden bringt. Er findet die Übernahme auch eine neue Chance für sein Personal. Besonders für die Auszubildenden ist es spannend nebst dem Detailhandel-Geschäft auch das Post Business zu lernen.