Es klingt beinahe unfassbar: Seit 35 Jahren mischen Spielerinnen und Spieler des Badminton Club Tafers in der Nationalliga A ganz vorne mit, bestreiten unzählige nationale und internationale Turniere, holen Titel und Medaillen. Doch trotz all den Erfolgen fehlt im Cahier nach wie vor der Schweizer Meistertitel. Dreimal war das Gold zum Greifen nah, dreimal war es am Ende Silber. In der soeben gestarteten Saison soll dies nun geändert werden.
Zufriedenstellender Saisonauftakt
Aktuell spielen 13 Talente in der NLA, darunter zwei Verstärkungsspieler aus Schottland und Dänemark, und stellen so die Mannschaft der Union Tafers-Fribourg. Im Interclub holen die Spielerinnen und Spieler im Einzel oder Doppel Punkte, die dann in die Teamwertung fliessen. Insgesamt acht Teams spielen in der NLA und treffen in Hin- und Rückrunde jeweils einmal aufeinander. In jeder Begegnung messen sich die Teams in drei Herreneinzeln, einem Dameneinzel, zwei Herrendoppeln sowie je einem Herren-, Damen- und gemischtem Doppel. Der Start in die Saison verlief zufriedenstellend, aktuell belegt die Union Tafers-Fribourg Platz 3. «Das Ziel ist der Titel», äussert Stephan Dietrich, Präsident des Badminton Club Tafers, ganz klar. Er war selbst jahrelang erfolgreicher Spieler und kennt den Sport von Grund auf. Seit seinem achten Lebensjahr ist er dem Badminton verfallen. Die Leidenschaft ist auch heute, gut vier Jahrzehnte später, deutlich spürbar und auch auf die Familie übergegangen: Beide Söhne sind ebenfalls ambitioniert und auf Erfolgskurs.
Leben als Halbprofi
In der NLA mithalten zu können fordert von den Akteuren enorm viel Zeit und starken Willen. Vom Sport allein lässt sich nicht leben, das ist bei einer Randsportart und im Schweizer System kaum denkbar. Das heisst: Neben mehreren geführten Trainings und individuellen Konditionstrainings – was zusammen problemlos 15 Stunden pro Woche ausmachen kann, Turniere nicht eingerechnet – arbeiten alle Schweizer Spielerinnen und Spieler in regulären Jobs. Auf dem Feld dann die Energie aufzubauen und im richtigen Moment präsent zu sein und zu liefern, ist anspruchsvoll. «Badminton ist ein ausdauernder, schneller und explosiver Sport, es braucht Spielwitz», schwärmt Stephan Dietrich, «es ist sowohl Individual- als auch Mannschaftssport. Du trainierst im Team, auf dem Feld bist du aber allein.» Der Badminton Club Tafers unterstützt seine Spielenden in ihrem persönlichen Fortschritt so gut wie möglich. «Wir haben immer Wert auf eine gute Ausbildung der Trainer gelegt, wir wollen langfristig für die Spieler da sein», so Dietrich. Langfristig unterstützen heisst auch, sich mit anderen Clubs vernetzen, Trainingsorte organisieren, Spieler auch mal weiterziehen lassen, sich im nationalen und kantonalen Dschungel durchzusetzen und Ideen einzubringen.
Herausforderung Sponsorensuche
Auch ein Club mit so langer und erfolgreicher Geschichte wie der BC Tafers sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert. Genügend Geld aufzutreiben, um den Club und den Leistungssport zu ermöglichen, ist eine der aktuell grössten Herausforderungen für Stephan Dietrich. Wie viel darf Spitzensport kosten? Wer stemmt die höheren Ligen, organisiert, finanziert und unterstützt? Es sind Fragen, mit denen sich zahlreiche Sportvereine befassen müssen. Doch auch als Club mit bescheidenem Budget lässt sich einiges bewirken, wie der BC Tafers beweist. Ohne ehrenamtliche Arbeit und unglaubliches Herzblut ginge es allerdings nicht. «Es ist sensationell, was unsere Athleten, Trainer und Vorstandsmitglieder für den Verein und für die Gemeinde alles machen», freut sich Dietrich. «Wir hatten immer gute Spieler, die fasziniert waren vom Sport, und es fand sich immer jemand, der am Karren gezogen hat.»
Auch die harzigen Themen, die ihm als Präsident begegnen, tun der Leidenschaft von Stephan Dietrich für den Badmintonsport keinen Abbruch. «Für mich ist Badminton eine Lebensschule», schwärmt er. «Was man hier lernt, kann man auch in anderen Lebensbereichen anwenden.» Dank seinem sportlichen Engagement habe er die Welt gesehen. Nur eines hat er noch nicht gesehen und hofft entsprechend auf diese Saison: «sein» NLA Team zuoberst auf dem Podest, nach 35 Jahren endlich als Schweizer Meister.
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