Als Bienenzüchter zum Gegner von Funkstrahlung

Als Bienenzüchter zum Gegner von Funkstrahlung

nd seit 61 Jahren Imker. Doch die letzten Jahre waren für Kurt Härry besorgniserregend. Er verliert unzählige Bienenvölker und führt dies auf die zunehmenden Handystrahlen zurück. Durch die Bienen wird er zum unermüdlichen Kämpfer gegen die Strahlenbelastung.

Obwohl er bereits 86-jährig ist, lässt er nicht locker. Weder als Bienenzüchter noch im Engagement gegen die Auswirkungen des Elektrosmogs. Dafür nimmt er einiges in Kauf. «In der Zwischenzeit habe ich bei der Gemeinde Köniz wohl den Ruf eines roten Tuches», sagt er und bezieht das auch auf seine häufigen Vorstösse bei anderen Behörden, Verbänden oder wissenschaftlichen Institutionen, bei denen er unermüdlich auf das Thema aufmerksam macht. Und regelmässig abblitzt.

Ohnmacht
Denn die Antworten fallen für Kurt Härry jeweils enttäuschend aus, weil verharmlosend und oberflächlich. Damit gibt er sich nicht zufrieden: «Man will gar nichts unternehmen gegen die Strahlenbelastung, auch nicht in der Politik. Meine Belege über das Bienensterben von Völkern in der Nähe von Antennen werden ignoriert.» Unzählige Schriftstücke sind auf seinem Stubentisch ausgebreitet oder füllen eine Reihe von Bundesordnern. Sie sind Zeugnis seiner unerschütterlichen Hartnäckigkeit im Kampf für eine tiefere Belastung durch Funkstrahlung. Ist eine solche Überzeugung, verbunden mit einer unbeirrbaren Standhaftigkeit, der Eifer eines unverbesserlichen Verschwörungstheoretikers? Das wäre zu kurz gegriffen, damit wird man dem Bienenzüchter aus Leidenschaft nicht gerecht. Auch nicht seinem Anliegen.
Wenig Strahlen, guter Schlaf
Zu viel Wissen und zu viel realitätsnahe Erfahrung fliessen bei ihm zusammen, als dass man sein Engagement als Hirngespinst abtun könnte. «Dabei geht es mir schon lange nicht mehr ausschliesslich um die Bienen», betont Kurt Härry, «es geht vielmehr um die Gesundheit der Menschen und der Natur.» Für die Schlafstörungen, von denen er und seine Frau betroffen sind, macht er die Funkantennen verantwortlich, seit diese in unmittelbarer Nähe seines Wohnsitzes installiert wurden. Danach sei die Belastung höher gewesen als der Wert, den die entsprechende Europäische Kommission vorgibt, und das sei hier gar nicht geprüft worden, ist er überzeugt. Sein Strahlenmessgerät zeigt im Garten denn auch einen deutlich höheren Wert als hinter dem strahlenabweisenden Baldachin, den er mittlerweile um die Betten installiert hat. Für ihn liegt auf der Hand, warum das Ehepaar Härry wieder guten Schlaf findet. Erstmals konfrontiert mit den Auswirkungen von Elektosmog wurde er im Jahr 1993 anlässlich eines Weltkongresses der Imker in Peking. Mit den Erkenntnissen daraus und den Ergebnissen seiner folgenden Experimente steht Kurt Härry nicht alleine da. Obschon es bis anhin keine verbindlichen wissenschaftlichen Studien gibt, die seine Überzeugung untermauern.
Theorie trifft auf Realität
Unbestritten ist hingegen, dass die Funkstrahlung existiert. Und damit auch die Elektrosensibilität, durch die eine Erwärmung des Gewebes auftreten kann. Deren mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier dürfen nicht einfach ignoriert werden, obschon das Bundesamt für Umwelt darauf hinweist, dass dazu keine anerkannten medizinischen Kriterien vorliegen. Die bisherigen Studien, Erkenntnisse und Meinungen zum Thema lassen sich einfach zusammenfassen: Auswirkungen können sein, müssen aber nicht. Auch bei Agroscope, dem Zentrum für landwirtschaftliche Forschung, wurden Versuche mit Bienen zum Thema Mobilfunk durchgeführt. Beispielsweise wurden Handys auf oder in Bienenstöcke gelegt. Gewisse Auswirkungen konnten festgestellt werden, daraus würden sich jedoch keine Rückschlüsse auf ein Bienensterben ziehen lassen, so das Fazit. Selbst der Bundesrat schliesst nach einer entsprechenden Interpellation nicht aus, dass elektromagnetische Strahlung negative Auswirkungen auf die Natur und damit auch auf uns Menschen haben kann. Hier zumindest treffen sich Studienergebnisse und die Meinung von Kurt Härry: Die Forschung ist konfrontiert mit der Frage, inwieweit realitätsfremde Tests mit der Wirklichkeit einhergehen. Kurt Härry als Imker steht für die Realität. «Ich wurde mehrmals vorstellig bei politischen Parteien. Dort ist man studiengläubig und verweist immer wieder darauf, dass die Grenzwerte der Strahlenbelastung eingehalten werden.» Solche Antworten lässt er nicht gelten. Er befürchtet gar, dass Politik, Wirtschaft, Forschung und Verbände die wirtschaftlichen Interessen höher gewichten als das Wohlergehen von Mensch und Natur. «Was für Bienen gilt, gilt auch für Menschen: Geschwächte Lebewesen sind anfälliger für Krankheiten.»

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