Aus dem Westen viel Neues

Aus dem Westen viel Neues

Was für eine Gästeliste. Michael Moser, Damian Ott, Nick Alpiger, Adrian Walther, Marius Frank. Ein Schelm, wer denkt, da würden die Südwestschweizer sang- und klanglos untergehen. Ja klar, Michael Moser drückt dem Fest auf souveränste Art und Weise seinen Stempel auf. Doch dahinter? Tja, da lauert eine Überraschung nach der anderen.

Man muss einen Werbeslogan einer bekannten Regionalbank entlehnen, um das Fest zwischen der Eishalle des Schweizermeisters Fribourg-Gottéron und dem Forum zu beschreiben: sympathisch anders. Da wird alter Kunstrasen von Fussballfeldern entliehen, eine Tribüne aufgebaut, der Eintritt frei gestaltet, und fertig ist ein Fest à la Südwestschweizer, für das selbst die gestandenen Schwinger nur Komplimente übrig hatten. Es ist das Gegenstück zum Brünig. Die Schwinger haben Platz und schätzen die ungezwungene Atmosphäre. Gleich mehrere Eidgenossen heben diesen Umstand hervor.

Überraschungsmomente
Doch auf dem Sägemehlring ist es vorbei mit Nettigkeiten. Die Südwestschweizer wollen sich bewusst mit den Stärksten der Starken aus der Deutschschweiz messen. Und nicht etwa, um sie zu stellen. Was auffällt: wie keck vor allen Dingen die Greyerzer, Freiburger und Sensler auftreten. Mit Erfolg. Da bodigt Romain Collaud etwa Damian Ott. Nun weiss man, dass Collaud jeden bezwingen kann und immer für eine Überraschung gut ist. Doch er sollte nur die Spitze der Südwestschweizer Lanze sein. Auch dass der Sieger des Freiburgischen Kantonalen, Lario Kramer, den Weissenstein-Sieger Nick Alpiger auf den Rücken zwingt, mag noch im Bereich des Denkbaren liegen. Doch dann gewinnt auch ein gewisser Paul Tornare gegen den Innerschweizer Eidgenossen Michael Gwerder, und sein erst 19-jähriger Bruder Laurent Tornare, der ab und an in Schwarzenburg trainiert, besiegt This Kolb, genauso wie der Sensler Silvan Zbinden. Ja, da wächst eine junge Generation heran, die aufhorchen lässt. Doch der Reihe nach.

Silvan Zbinden erhält zweiten Stern
Die Sensler Augen sind auf den in Murten gross auftrumpfenden Christoph Baeriswyl gerichtet. Doch an den Bergfesten kommt er immer wieder nah an die Kränze heran, der letzte Zwick fehlt aber noch. So auch in Freiburg. Er verliert gegen Adrian Walther und This Kolb und verpasst den Kranz um einen Viertelpunkt. Genau dasselbe Pech verfolgt ihn auch an der Schwägalp. Wenn der 24-Jährige aus St. Antoni nun noch lernt, Eidgenossen zu stellen, dann wird seine Kranzsammlung bald noch deutlich anwachsen. Der andere Sensler, der in dieser Saison tüchtig aufhorchen lässt, ist Silvan Zbinden. Er lässt sich auch von einer knappen Niederlage im Startgang gegen den Eidgenossen Michael Gwerder nicht aus der Ruhe bringen. Anschliessend gewinnt er nämlich alle fünf Gänge, darunter auch gegen grosse Namen wie This Kolb oder Janis Wieland. Der 22-Jährige wird Vierter und lässt so grosse Namen wie Adrian Walther, Nick Alpiger oder Marius Frank hinter sich. Mehr noch: Per sofort trägt er stolz einen zweiten Stern hinter seinem Namen. Bleibt abzuwarten, ob er die Selektion für das Kilchberger Schwinget sogar noch schafft, obschon die Südwestschweizer nur fünf Schwinger mitnehmen dürfen.

Nicolas Sturny
Manchmal geht der Tafersner Routinier fast ein wenig vergessen vor lauter Jungspunden im Schwingklub Sense. Dabei zeigt er in Freiburg ein überragendes Fest und wird mit Zbinden punktgleich Vierter. Wie schon am Freiburger Kantonalen in Murten ist er auch am Südwestschweizer ein sicherer Wert, was die Kränze angeht. Auf der ganz anderen Seite der Altersskala steht Leon Pellet. Kaum ein Jungschwinger hat in dieser Saison mit so vielen Eidgenossen zusammengreifen müssen wie der 19-jährige Plaffeier. Auch am Südwestschweizer sind es zwei. Nick Alpiger und Silvan Appert müssen aber ihr Bestes auspacken, um den quirligen Pellet schliesslich zu besiegen. Deshalb verpasst er die Kranzränge, nicht zum ersten Mal. Sein Trost ist aber, dass er so langsam, aber sicher grosse Namen und Eidgenossen stellen kann. Trotz seiner bescheidenen Körpergrösse von 1,74 m verliert er schon lange nicht mehr gegen Gleichklassige, viel eher gewinnt er solche Gänge.

Die Bilanz
Für ein Donnerwetter sorgen hinter Kramer und Collaud auch die Tornare-Brüder. Um ein Haar wäre Laurent Tornare noch in den Schlussgang gekommen. Der Kraftprotz verliert gegen Marius Frank nur knapp und muss im letzten Gang gegen Nicolas Sturny den Kürzeren ziehen, doch mit dem zweiten Stern klappt es dank vier Siegen dennoch. Verdientermassen, denn von ihm wird man sicherlich noch viel sehen. Geradezu in Höchstform befindet sich am Südwestschweizer sein älterer Bruder Paul Tornare. Er verliert den Startgang gegen Adrian Walther, anschliessend bleibt er makellos und bodigt auch den Eidgenossen Gwerder. Rang zwei zusammen mit Romain Collaud ist ein Ausrufezeichen. Am Nordwestschweizer Schwingfest verpasst er den Kranz nur um einen Viertelpunkt. Klar, vornweg schwingt Michael Moser fast in einer eigenen Liga und gewinnt auf souveränste Art alle sechs Gänge, doch die Südwestschweizer haben gezeigt, dass einige Schwinger auf Tuchfühlung sind. Silvan Zbinden, Nicolas Sturny, Christoph Baeriswyl, Leon Pellet und die Tornare-Brüder sind nur einige Namen. Ein paar weitere gilt es zu beobachten. Das Südwestschweizer Schwingfest hat gezeigt: In Zukunft kommt aus dem Westen viel Neues.

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