Was ihn von Basel-Land in den Kanton Bern brachte, war seine Faszination für die Fliegerei mit Helikopter und Drohnen. Seine erste Drohne brauchte er für die Fotografie. Er hatte damals die Idee, dass «man mit einer Drohne das Eine oder Andere machen kann, was mit einem Helikopter zu teuer ist». Hier kam sein zweites Hobby ins Spiel: Die Imkerei. Sven Jutzi betreut zehn Bienenvölker. Mit der Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in Europa und der damit einhergehenden Gefahr für seine Völker wurde Jutzi aktiv. Dieses «Eine oder Andere» wurde konkretisiert.
Die Asiatische Hornisse und ihre Gefahren
Im Gespräch betont Imker Jutzi, die Bedrohung durch die Asiatische Hornisse: «Honigbienen stehen genauso wie Wildbienen und andere Insekten auf ihrem Speiseplan.» Die Folgen seien gravierend für Biodiversität, Ökosysteme und letztlich auch für die Landwirtschaft. Für Menschen besteht vor allem in Nestnähe ein erhebliches Risiko.
Die Asiatische Hornisse baut Primär- und Sekundärnester. Die Primärnester baut sie im Frühjahr, und sie befinden sich meist unweit über dem Boden. In ungebrauchten Grills, Dachvorsprüngen oder Schuppen werden Menschen frühjährlich von fussballgrossen Nestern überrascht. Ab Juli entstehen Sekundärnester. Sie befinden sich in Bäumen in 10 bis 40 m Höhe und werden von Kolonien von 13’000 Asiatischen Hornissen bewohnt. Und genau hier beginnt das Problem und Jutzis Lösung dazu.
Lösung Drohne
Drohnen mit Wärmebildkameras werden schon länger zur Rehkitzrettung eingesetzt. «Warum also nicht auch zur Nestsuche?», fragte sich Jutzi. Gemeinsam mit einem Kollegen aus Riggisberg, Drohnenexperte und Pionier der Rehkitzrettung mit Cielotec, entwickelte er eine eigene Methode.
Um ein Nest der Asiatischen Hornisse zu entdecken, braucht es mehr als nur das automatisierte Überfliegen von Wäldern mit einer Drohne, wie es etwa bei der Rehkitzrettung abläuft. Bevor die Drohne zum Einsatz kommt, grenzen die Experten das Suchgebiet ein. Dafür stellen sie «Dochtgläser» auf. In einem Honigglas mischen sie dabei ein Cocktail aus Alkohol und Süssstoffen. Angelockte Hornissen, werden gekennzeichnet und beobachtet. Aus der Flugrichtung und den Zeitabständen lässt sich mit dem sogenannten Triangulationsverfahren der Standort des Nestes abschätzen. Die Dochtgläser stehen dabei an mehreren Standorten, um so mehr Informationen über den Standort des Nestes zu gewinnen.
Wenn der Standort eingeschränkt ist, fliegt die Drohne los. Da mit einer Wärmebildkamera gearbeitet wird, sind die kühlen Morgen- und Abendstunden geeignet. Die Drohne fliegt in verschiedenen Winkeln und Himmelsrichtungen über den vermuteten Neststandort. Wenn ein Nest gesehen wird, kann ein «point of interest» gesetzt werden. Dieser Punkt beschreibt die genauen Koordinaten des Nestes. Die Koordinaten werden dann an die kantonale Fachstelle weitergeleitet. Von hier aus gehen spezialisierte Vernichter zum «point of interesst», um das Nest mit Kohlenstoff, Staubsauger oder Insektiziden zu vernichten.
Ein Problem, das alle betrifft
Was einfach und technisch klingt, ist aufwendig. Ehrenamtliche Drohnenpiloten sind rar, und die Mitarbeit der Kantone sei in Bern zwar gut, in vielen anderen Kantonen aber begrenzt. Die Anschaffung einer geeigneten Drohne ist mit Kosten um die 9000 Franken verbunden und wäre für ihn ohne Crowdfunding unmöglich gewesen. Neben den Kosten ist auch der zeitliche Aufwand gross für eine freiwillige Arbeit. Jutzi schlägt vor, in Zukunft Rehkitzpiloten mit modernen Drohnen auch auf Asiatische Hornissen zu schulen, um so ein breiteres Netz an Piloten zu schaffen. Schliesslich sei die Asiatische Hornisse «nicht nur ein Imkerproblem».
Sven Jutzi schaut skeptisch in die Zukunft. Momentan nehmen die Asiatischen Hornissen pro Jahr um das Drei- bis Vierfache zu. In der Schweiz sei eine Ausrottung der Art nicht mehr möglich. Einzig eine Verlangsamung der Ausbreitung kann erreicht werden. Hier appelliert er an Gemeinden, besser zu informieren, und an die Bevölkerung, Sichtungen Asiatischer Hornissen zu melden.
Schwarz mit gelben Socken
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist an ihrem fast komplett schwarzen Körper, den auffällig gelben Beinenden («gelbe Socken») und einem feinen gelben Ring am Hinterleib, Kopfvorderseite schwarz/orange zu erkennen. Sie ist mit 1,7 bis 3 cm etwas kleiner als die heimische Europäische Hornisse (siehe Titelbild).
Die Zerstörung der Nester ist mit Gefahren verbunden und muss durch Spezialisten durchgeführt werden.
Haben Sie eine Asiatische Hornisse gesehen? Melden Sie es unmittelbar: asiatischehornisse.ch