«Für mich war dieser erste Kranzgewinn etwas ganz Besonderes, ein Moment voller Emotionen. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte ich lange hart gearbeitet. Dass mir dies ausgerechnet in der PostFinance-Arena gelang, wo ich oft SCB-Spiele verfolge, machte das Ganze noch spezieller», blickt Zimmermann zurück. In der Zwischenzeit sind acht weitere Kränze dazugekommen. Das Jubiläum, Kranz Nummer 10, dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es käme einer Überraschung gleich, würde sich Nicolas Zimmermann nicht bereits bei seinem ersten Fest im Jahr 2026, dem Mittelländischen am 10. Mai in Stettlen, von einer Ehrendame zum zehnten Mal Eichenlaub auf den Kopf legen lassen. Bereits dreimal gehörte Zimmermann am Kantonalen zu den Kranzgewinnern, dazu kommen drei Erfolge am Mittelländischen und deren zwei am Oberaargauischen. Den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere erlebte der in Riggisberg aufgewachsene Athlet am Stoos-Bergschwinget im vergangenen Jahr, als er nur den beiden Eidgenossen Pirmin Reichmuth und Lario Kramer unterlag und sich souverän das zweite Sternchen hinter seinem Namen erkämpfte, was nichts anderes bedeutet, als dass er an einem Berg- oder Teilverbandsfest einen Kranz gewonnen hat.
In Thun das dritte Sternchen?
Reden wir von den Sternchen, stellt sich bei Nicolas Zimmermann sofort die Frage nach Nummer drei, mit welchem Eidgenossen, Schwinger, die an einem eidgenössischen Fest Kranzträger waren, ausgezeichnet werden. Im letzten Jahr in Mollis hat dies Zimmermann noch nicht geschafft. Mit 73 Punkten, drei Siegen, zwei gestellten und acht geschwungenen Gängen landete er im Rang 16 – ein hervorragendes Resultat für einen Neuling, doch zufrieden war Zimmermann mit dem Ergebnis trotzdem nicht. «Nach dem guten Saisonverlauf und weil ich mich zu Saisonbeginn von einer Meniskusverletzung gut erholt hatte, war mein Ziel ganz klar der Kranzgewinn. Deshalb war ich nach dem Fest auch enttäuscht und habe bis heute nicht ganz verarbeitet, dass ich ohne Kranz nach Hause reisen musste. Möglicherweise hatte ich auch zu hohe Erwartungen und mir selbst zu viel Druck aufgesetzt.» In drei Jahren findet das Eidgenössische in Thun statt und hier ist Zimmermanns Vorgabe klar. Am Tor zum Oberland soll es mit Stern Nummer drei und dem Titel «Eidgenosse» klappen. Wer weiss, warum soll nicht Zimmermann den Königstitel in den Kanton Bern zurückholen? Und wenn nicht er, gibt es weitere Schwarzenburger, einmal mehr angeführt von Fabian Staudenmann, Michael Ledermann, Severin Schwander, Lorenz Berger und Lukas Renfer, oder andere böse Berner wie Adrian Walther oder Michael Moser, welche im Favoritenkreis auf den Königstitel figurieren. Die Hoffnung, dass in Thun – nicht wie in Mollis – Staudenmann und Moser vom Kampfgericht korrekt benotet werden, stirbt zuletzt. Doch all das beschäftigt Nicolas Zimmermann derzeit nicht.
Harte Arbeit
Zusammen mit seinen Schwarzenburger Kollegen, die eine verschworene Gemeinschaft bilden, trainiert er hart, um in den nächsten drei Jahren bis zum Fest in Thun möglichst erfolgreich zu sein und viele Kränze in die Gemeinde nahe der Grenze zum Kanton Freiburg zu holen. Zweimal pro Woche wird in Milken im provisorischen Schwingkeller trainiert, dazu kommt Kadertraining mit dem Mitteländischen und dem Kantonalverband. Weil auch die Fitness einen wichtigen Teil im Erfolgs-Puzzle ausmacht, wird das Schwingtraining ergänzt, ausserhalb der Saison vorwiegend mit dem Schwergewicht auf Kraft. Während der Saison stehen dann vorwiegend Schnelligkeit, Wendigkeit und Souplesse im Vordergrund. Als Fitness-Instruktor ist Zimmermann ohnehin jeden Tag dauernd in Bewegung.
Vom Fussballer zum Schwinger
Begonnen hat die sportliche Karriere des polysportiven Schwingers mit Fussball. «Im SV Kaufdorf stand ich entweder im Tor oder spielte als Mittelstürmer, doch als ich 2010 am Fernsehen Kilian Wenger beim Eidgenössischen sah, war für mich klar, dass ich auch Schwinger werden wollte. Ich ging im SK Schwarzenburg in ein Schnuppertraining, und ich war sofort begeistert.» Dies bedeutete das Ende der Fussball-Leidenschaft – ein weiser Entscheid, denn ob er auf dem grünen Rasen eine ähnliche Karriere erlebt hätte wie YB-Star Alvyn Sanches, ist fraglich. Auch die neue YB-Hoffnung begann als Goalie und wechselte erst später in den Angriff …