«Die Schweiz braucht sich nicht zu verstecken»

«Die Schweiz braucht sich nicht zu verstecken»

Er sitzt vor einem Restaurant in der Kälte, Beat Werfeli. Ihm gegenüber Werner Kisslig, der seinerzeit gerne Matrose geworden wäre, jedoch abgelehnt wurde, weil dienstuntauglich. Im Leben hat Werner Kisslig dann die verschiedensten Berufe ausgeübt, unter anderem als Hauswart beim Warenhaus Kaiser in Bern.

Beat Werfeli, keinen Bock auf Sport?

(Erstaunt) Wie kommen Sie denn darauf?

Im Moment, da wir miteinander sprechen, fahren die alpinen Männer in Cortina die Herren-Kombination. 

Aha… Interessiert mich nicht so sehr, im Gegensatz zur klassischen Abfahrt, die war super. Franjo ist ja einer von uns. Übrigens könnten wir uns duzen, ich bin Beat. Thomas, wie wäre es mit einem Kaffee? Natürlich freue ich mich auch auf jede Medaille, insbesondere auf mögliche Erfolge unserer Eishockeyaner. (Ich eile, um zwei Kaffees zu holen, Werner verzichtet.)

Hast du früher Sport getrieben?

Als Jahrgang 48 habe ich einige Gänge zurückgeschaltet. Zu meiner Jugendzeit habe ich in der zweiten Liga Eishockey gespielt, bei Rotblau. Während meiner Berufszeit habe ich mich oftmals nach Feierabend an «meiner» Aare erholt, längere Fussmärsche gemacht oder gejoggt, vom Campagna bis ins Jägerheim und zurück. 

Was hast du beruflich gemacht?

Allerlei. (Lacht) Ausgerüstet mit einem Abschluss als BF Hochbau habe ich mich berufsbegleitend in Bautechnik stetig weitergebildet. Während der 80er- und 90er-Jahre war ich als technischer Berater im Aussendienst mindestens an vier Tagen in der Woche bei Schweizer Firmen unterwegs, teils in der Romandie, vor allem aber in der Nordwestschweiz. Nota bene, noch ohne Navi und Handy… Bei der Maxit AG Birsfelden, spezialisiert auf moderne Baustofftechnik, damals ebenso mitverantwortlich für den Aufbau einer Niederlassung in Fribourg. Danach bei der Pavatex SA in Fribourg, Produzentin von Holzfaserdämmplatten. Und schliesslich bei der Isofloc AG mit ihren Dämmstoffen, führend im Bereich der Einblastechnik.

Wenn du einverstanden bist, unterhalten wir uns über etwas anderes. Du und deine Frau, übrigens auch in Köniz aufgewachsen, seid vor vier Jahren zu einer Art Rückkehrern geworden, weil ihr hier aufgewachsen seid.

Ja, das ist definitiv so. Wir wohnen in der Nähe des Neuhausplatzes in einem vor Jahren total sanierten Mehrfamilienhaus. Das war ein Glücksfall. Alles ist da und zu Fuss erreichbar, ob für den täglichen Einkauf oder einen Kafi im Rondell, eine feine Züpfe für den Sonntag vom Hofladen und sehr vieles mehr. Jeden Samstag ist Märit auf dem Neuhausplatz, frisches Gemüse vom Seeland und weitere Spezialitäten aus der Umgebung.

Wie hat sich das Liebefeld in den letzten Jahrzehnten verändert?

(Überlegt lange) Was soll ich sagen? Optisch ist das unübersehbar, mit neuen Unternehmen und Gebäuden. Viele bekannte Firmen sind verschwunden, wurden durch neue ersetzt. Auch der Wohnraum hat sich verändert, logisch, schliesslich weist die Gemeinde Köniz im Vergleich zu vor 50 Jahren 10’000 Einwohnende mehr auf, umgerechnet eine Stadt an sich. Der Verkehr hat zumindest werktags gewaltig zugenommen. Einmalig und einladend für uns alle, der grosszügige Liebefeldpark, Erholungsraum in der Natur für uns alle mit wunderschönem Teich. Ein Bistro ist auch da. 

Und sonst?

Neuer Wind im frisch gewählten Gemeinderat. Wenn du ein Anliegen hast: Schau in der Gemeindeverwaltung vorbei. Die können dir immer helfen. Na ja, fast immer… (schmunzelt).

10000 zusätzliche Bewohnende – was heisst das?

Wir beide sind ja fast gleich alt, du weisst sicher, wie wir früher gearbeitet haben, mit Engagement. Leistung war für uns kein Fremdwort, sondern Programm. Zugegeben, wir haben nach dem Zweiten Weltkrieg eine Phase des Aufschwungs in der Schweiz erlebt. Stellensuche; Arbeitslosigkeit, unbezahlbarer Wohnraum, explodierende Sozialkosten und Krankenkassenbeiträge? Das gab es nicht. Heute hingegen…

Zum Beispiel Generation Z?

Ich bin froh, dass du das sagst. Wenn man als Oldie offen ausspricht, dass das alles in einer Sackgasse enden wird, lacht man uns aus, weil wir offenbar keine Ahnung vom heutigen Berufsleben haben. Das mag sogar stimmen. Ich frage mich allerdings, ob sich diese Work-/Life-Balance-Leute heute in Eigenverantwortung und Selbstdisziplin die Frage stellen, wer denn in dreissig Jahren ihre AHV bezahlen soll. Ihre Kinder? Wirklich?

Meine Worte, hat wohl mit unserem Alter zu tun.

Definitiv. Diese Generation hat verlernt, was Leistung heisst, wie von ihren Eltern und Grosseltern vorgemacht. Sie zehren an diesem Erbe, wollen 120 % Lohn bei 80 % Arbeit. Das wird nie aufgehen – und die Zeche bezahlten dann die weniger begüterten Menschen, weil viele sozialen Leistungen dannzumal zwangsläufig gestrichen werden müssen. Trotzdem, manchmal kommt es anders, als man denkt. Wir waren ja auch einmal jung und nicht mit allem einverstanden. Das gilt auch heute noch. 

Und die Schweiz im Zentrum von Europa?

Neutralität ja, abseitsstehen niemals. Selbstbewusstsein zeigen, mit mutigen Schritten vorangehen und ebenso aktive Beiträge leisten. Dabei denke ich nicht nur an unsere humanitäre Tradition, wir haben einiges mehr zu bieten, müssen uns nicht verstecken.

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