Die Staudenmann-Festspiele

Die Staudenmann-Festspiele

So wird man vom Mitfavoriten zum Topfavoriten. Fabian Staudenmann gewinnt die Schwingfeste auf der Rigi, auf dem Brünig, im Jura und auf der Schwägalp in Serie. Oft an seiner Seite, ein brillant aufschwingender Michael Ledermann und weitere Schwarzenburger. Doch der Reihe nach.

Das Rigi-Schwinget war das bestbesetzteste Bergfest der Saison 2026. Dass gleich zwei Schwarzenburger einen Kranz ergattern, will etwas heissen, denn nicht weniger als 22 Eidgenossen ziehen sich die Zwilchhosen über und das sind mehr, als es Kränze zu vergeben hat. Für den Schwarzenburger Topschwinger beginnt das Fest mühsam mit einem Gestellten gegen den Innerschweizer Verteidigungskünstler Samuel Schwyzer. Doch danach landen alle auf dem Rücken, die sich ihm gegenüberstellen. Auch Michael Moser.

Michael Ledermann
Staudenmann auf den Fersen war ein anderer Schwarzenburger: Michael Ledermann. Der Mamishauser verliert keinen Gang, stellt unter anderem die Eidgenossen Sinisha Lüscher und Andreas Döbeli. Am Schluss resultiert der fünfte Rang. An seinen späten Saisonstart im Wankdorf und die lange Verletzungspause denkt nun niemand mehr. So sind am Brünig schon deutlich mehr Augenpaare auf den 26-Jährigen gerichtet. Auch jene vom Einteilungsgericht auf dem Brünig, die ihm zum Start gleich mal Werner Schlegel servieren. Der grossgewachsene Ledermann bringt den Nordostschweizer mit seiner Art, oft aus den Griffen zu schwingen, fast zur Verzweiflung. Der Gang endet gestellt. Also bringen ihm die Einteiler noch mehr Kilo ins Sägemehl: Dominic, alias Dodo Schneider. Der Koloss hat noch mehr Mühe mit der unkonventionellen Schwingart und vor allen Dingen den Instinkten von Ledermann. Schneider geht zu Boden und verliert den Gang. Wenig hat nicht gefehlt und Ledermann wäre im Schlussgang gestanden. Egal, denn Ledermann wird hinter dem Siegerquartett Zweiter. Am weitaus schwächer besetzten Bern-Jurassischen Schwingfest auf dem Werdtberg gilt er als Mitfavorit. Zu Recht, denn er steht gegen seinen Klubkameraden Fabian Staudenmann im Schlussgang. Trotz Niederlage winkt der nächste Kranz und Rang vier. Haben die Nordostschweizer die Aufholjagd von Ledermann bemerkt? Ja. Am Schwägalp-Schwinget teilen sie ihm den ungemütlichen und schnellen Eidgenossen Marco Good ein. Er sollte den Schwarzenburger gleich zu Anbeginn zurückbinden. Doch die Mission scheitert, Ledermann zehnert den Routinier. In der Folge muss er Lario Kramer stellen und verpasst deshalb den neuerlichen Schlussgang. Stattdessen winkt Michael Moser als Gegner, ein Kampf, den er kurz vor Schluss noch verliert. Schlimm ist das nicht, denn Ledermann wird im topbesetzten Bergfest auf der Schwägalp Fünfter und sichert sich abermals einen Kranz. Fünfmal angetreten, fünfmal holt er den Kranz. Es dürfte ausser Frage stehen, dass die Berner Michael Ledermann mit ans Kilchberg-Schwinget nehmen, denn was er in dieser Saison zeigt, ist ein nahtloser Übergang seit dem vierten Tang am Eidgenössischen in Mollis. Ledermann gehört zur absoluten Topklasse im Schwingsport. Die Resultate der letzten Feste sprechen da eine klare Sprache.

Fabian Staudenmann
Das allein wäre schon eine grosse Erfolgsgeschichte für die Schwarzenburger. Doch da kommt ja noch ein gewisser Fabian Staudenmann und was dieser seit dem Berner Kantonalen im Wankdorf aneinanderreiht, sucht seinesgleichen. Nach dem Sieg im Wankdorf folgen die Siege auf der Rigi, am Brünig, im Jura und auf der Schwägalp. Er gewinnt fünf grosse Schwingfeste in Serie, nimmt man noch seinen Sieg am Seeländischen hinzu, kommt er schon auf sechs Kranzfestsiege. Langsam muss man wie bei Marco Odermatt im Skisport die grossen Geschichtswälzer aus den Katakomben hieven, um seine Erfolge einzuordnen. Nach dem Brünig-Sieg kommt da ein besonderer Titel dazu. Er ist erst der zweite Schwinger, der seit der Gründung des Eidgenössischen Schwingverbands 1895 sämtliche Bergkranzfeste gewinnen kann. Inzwischen hat er 26 Kranzfestsiege, mehr haben nur noch Christian Stucki, Matthias Sempach und Rudolf Hunsperger ergattern können. Staudenmann ist erst 26-jährig. Bleibt er von Verletzungen verschont, dürfte er noch weitere Rekorde brechen. Vorerst heisst es aber: volle Konzentration auf den Saisonhöhepunkt am Kilchberg-Schwinget. «Es beginnt alles wieder bei null», meint er nach dem Sieg auf der Schwägalp, angesprochen auf seine Favoritenrolle. Doch wer den Guggisberger kennt, der weiss, so ungern hat er die Rolle des Gejagten gar nicht und neu ist sie auch nicht. Ganz egal, wie im September am Saisonschlusspunkt abschneidet. Er ist zweifelsohne der erfolgreichste Schwinger der Saison 2026.

Schwander, Zimmermann, Binggeli, Berger, Lauper und Renfer
Hinter den Erfolgsschwingern Staudenmann und Ledermann sorgen weitere Schwarzenburger für Ausrufezeichen. Insbesondere am Bern-Jurassischen Schwingfest. Dieses ist zu den Schwarzenburger-Festspielen avanciert. Gleich sechs Schwinger aus dem Klub ergattern sich auf dem Werdtberg einen Kranz. Hinter Fabian Staudenmann auf Rang eins und Michael Ledermann auf Rang vier muss man nicht lange nach weiteren Namen des Schwingklubs Schwarzenburg suchen. Rang fünf belegt Dominik Binggeli. Der Riggisberger hat in dieser Saison erst wenige Feste bestreiten können, zeigt sich aber hoch oben auf der Jurakette in einer beneidenswerten Form und bodigt unter anderem das Oberländer Talent Luca Vögeli. Auf Rang sechs winkt Tobias Lauper. Dem jungen Oberbalmer ist dieser zweite Kranz der Saison besonders zu gönnen. Er schwingt an einigen Festen auf Tuchfühlung mit der Spitze mit und lässt sich nur noch von ganz grossen Namen zurückbinden. Aber nicht mehr lange. Am Brünig sorgte Lauper für ein Ausrufezeichen. Er stellt den Innerschweizer Eidgenossen Jonas Burch und hätte um ein Haar noch gewonnen. Lauper mag mit seinen 1,76 m nicht der Grösste sein, doch er verfügt über ein ähnlich unersättliches Kraftreservoir wie Lars Zaugg, obschon er erst 19-jährig ist. Das Ziel für das Jahr 2027 darf ohne zu klotzen lauten: zweites Sternchen sichern. Er wird bestimmt die Lücke zu den beiden grossen Namen noch kleiner werden lassen. Doch wieder zurück in den Berner Jura. Auf Rang acht folgt nämlich schon der nächste Schwarzenburger beziehungsweise Riggisberger: Severin Schwander. Trotz hohem Arbeitspensum in der familieneigenen Metzgerei findet er immer besser in die Feste rein. Denn nach seinem Erfolg auf dem Werdtberg lässt er auf der Schwägalp gar aufhorchen. Nur Damian Ott kann den 31-Jährigen bezwingen. «Dodo» Schneider versucht es genauso vergeblich wie vier weitere Gegner von Rang und Namen. Am Schluss holt sich Schwander den begehrten Schwägalp-Kranz mit Rang sieben. Es ist dies sein vierter Kranz in dieser Saison. Und noch einmal zurück zum Jura. Auf Rang neun landet Nicolas Zimmermann. Er holt sich damit den dritten Kranz in dieser Saison. Doch der Reigen ist noch nicht zu Ende. Punktgleich auf Rang neun ist auch Lorenz Berger. Der Niederscherler musste ebenfalls lange warten (Kreuzbandriss), bis er ins Geschehen der Saison eingreifen konnte. Wie Michael Ledermann konnte er erst im Wankdorf erstmals ein Kranzfest bestreiten. Schön, dass es im Jura nun zum Kranz gereicht hat. Ein versöhnliches Ende einer kurzen Saison, die Vorfreude auf die nächste weckt.

Best of the rest
Der geneigte Schwingsport-Freund mag sich fragen, ob es denn keine anderen Schwinger gibt, die aus dem Verteilgebiet dieser Zeitung noch im Sägemehlring standen. Doch, doch, die gibt es schon. Angefangen bei den Senslern, die separat anhand des Südwestschweizerischen Schwingfestes behandelt werden (siehe Seite 66), wäre da mal der 19-jährige Joel Zimmermann. Er muss den Gewinn seines ersten Kranzes auf die nächste Saison vertagen. Er verpasst diesen im Jura um einen halben Punkt. Gleiches gilt für einige andere junge Schwarzenburger. Loris Berger hat in diesem Monat nicht mehr ins Geschehen eingreifen können. Ueli Nussbaum verfehlt im Jura die Kränze um einen halben Punkt. Auch sein Wattenwiler Klubkollege Ueli Berger bleibt ohne Kranz. Ähnlich klingt es beim Schwingklub Laupen. Matthias Krummen wie auch Routinier Niklaus Messerli bleibt der Kranz verwehrt. Sowohl Wattenwil wie auch Laupen haben einige starke Jungschwinger in ihren Reihen. Auf diese darf man sich schon heute freuen.

Von den Jüngsten zurück zum Grössten: Fabian Staudenmann. Seine fünf Siege in Serie und die starke Bilanz von Michael Ledermann sichern den beiden das Ticket für das Kilchberger Schwinget. Mehr noch. Staudenmann reist als Topfavorit an, Ledermann als Schwinger aus dem erweiterten Favoritenkreis. Nur gerade 14 Plätze können die Berner für den Saisonhöhepunkt der besten 60 Schwinger stellen. Zwei davon sind Schwarzenburger. Ein schöner Erfolg. Doch bevor der Showdown zum Kilchberger angezählt wird, heisst es nochmals kurz innehalten und sich an den Staudenmann-Festspielen der letzten Wochen erfreuen.

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