Eine Frohnatur schaltet einen Gang zurück

Eine Frohnatur schaltet einen Gang zurück

Nach 40 Jahren als Wegmeister und im Blick auf seine Pension übergibt Beat König den Stafettenstab «nadisnah» an Marcel Flückiger. Beide sind mit der Gemeinde auch privat stark verbunden.

Beat König, erklären Sie einem Schreiberling, womit sich der Wegmeister Ferenbalms beschäftigt.

(lacht schallend) Ganz einfach: Ich bin für alles in der Gemeinde zuständig, für das sich sonst niemand zuständig fühlt.

Und das wäre?

(Tiefer Seufzer) Womit soll ich beginnen? Wie es der Name schon sagt: Ich bin für die Wege in der Gemeinde zuständig, schaue dazu, dass dort ausgebessert wird, wo ausgebessert werden muss – wo möglich selber und sonst in Zusammenarbeit mit Dritten. Das Kanalisationswesen fällt in meinen Arbeitsbereich, mit Kontakten zu den beiden Abwasserreinigungsanlagen in Laupen und Kerzers. Ich bin zuständig für die sogenannten Oberflächengewässer, schlage mich mit Bibern am Halimattkanal herum, kümmere mich um den Winterdienst, um das Entsorgungswesen und neu seit diesem Jahr auch um den Friedhof. Und um die Robidogs.

Stichwort Winterdienst: Auf dem Foto sehen wir Sie zusammen mit Ihrem Nachfolger im 80-%-Pensum, Marcel Flückiger. Sie stehen vor etlichen Paletten Salz. Sind Sie salzgierig?

In einem gewissen Sinne schon, denn beim Kauf von Industriesalz kommt es auf den richtigen Zeitpunkt der Bestellung an. Optimal ist es, weitsichtig im Frühjahr zu bestellen, um die Ware im August ins Lager zu nehmen. Wer kurzfristig im Winter Salz zum Streuen benötigt, zahlt schnell einmal das Doppelte – wenn denn überhaupt noch Salz verfügbar ist, weil die ganze Schweiz das weisse Gold benötigt.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Winter?

Ab Mitte Dezember 1986 gab es regelmässig Schnee auf den Strassen, am 26. Dezember schneite es dann richtig heftig. Wir haben getan, was wir konnten, hörten aber auch, dass entweder zu viel oder zu wenig gesalzen wurde, zu spät gepflügt wurde – oder dann, wenn es gar nicht notwendig war, und überhaupt, der Schnee schmelze eh weg… Geändert haben sich Äusserungen dieser Art bis heute nicht. (lacht)

Sie haben das Entsorgungswesen erwähnt. Gibt es Ärger damit?

Wissen Sie, ich stehe dem Leben positiv gegenüber und freue mich lieber, als dass ich mich ärgere.

Bei der Entsorgung ist es so: Ich freue mich, dass 95 % der Leute sich bezüglich Abfall und dem Umgang damit vorbildlich verhalten. Aber die restlichen 5 % fallen halt auf, sei es im Wald, beim Entsorgungshof oder anderswo.

Kümmern Sie sich um Abfallsünder?

Leichter gesagt als getan. Viele Betroffene streiten ja alles ab. «Abfallsündern» und ihrem Fehlverhalten nachzugehen, lohnt sich in der Regel vom Aufwand her nicht. Wenn wir aber jemanden quasi auf frischer Tat ertappen, beschäftigen wir uns ernsthaft mit dieser Person.

Sie waren nie ein «100-%-Wegmeister». Weshalb nicht?

Ich habe nach der Schule den Beruf des Landwirts erlernt und mich daneben zum Imker mit Eidgenössischem Fachausweis ausbilden lassen. Wir haben zuhause Kühe gehalten und Gemüse angebaut und vertrieben, vor allem Lauch, was wiederum keine Vollzeitstelle war. Deshalb suchte ich das Sowohl-als-auch, nicht das Entweder-oder.

Als die Teilzeitstelle als Wegmeister bei der Gemeinde Ferenbalm ausgeschrieben war, habe ich mich beworben und die Tätigkeit 1986 angetreten. Zu sagen ist: Ohne meine Partnerin Jacqueline Müller wäre dies alles nicht möglich gewesen. Ich denke da auch an unsere Bienenvölker, die wir gemeinsam betreuen, wir ergänzen uns optimal. Im Hinblick auf meine Pension in zwei Jahren habe ich jetzt mein Pensum auf 30 % reduziert.

Was hat sich in den letzten 40 Jahren geändert?

Die Schnelllebigkeit. Zu Beginn war ich vielleicht einmal pro Woche auf der Gemeindeverwaltung. Die Aufträge habe ich auf meine diesbezügliche Anfrage hin telefonisch entgegengenommen.

1999 kaufte ich ein Handy, sehr zum Unverständnis einiger Gemeinderäte und Verwaltungsangestellten. «Für was bruucht dr König äch es Handy?», hiess es etwa. Es waren dann aber genau jene Zeitgenossen, die mich übermässig oft anriefen. Übrigens: Seit einiger Zeit bin ich fast täglich in der Gemeindeverwaltung, um anstehende Fragen zu diskutieren und Arbeiten zu koordinieren.

Ach, und noch etwas: Vor 40 Jahren wurden Wegmeister von vielen als «Wägchnächte» verspottet. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei: Heute achtet man die Wegmeister und zeigt Respekt ihnen gegenüber.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Marcel Flückiger ist seit dem 1. Mai bei uns, macht seine Sache echt gut und hat schon einiges verändert. Ich rede ihm da nicht rein, denn das Berufsleben wandelt sich im Laufe der Jahre. Dass Marcel Flückiger den Draht zur Bevölkerung haben wird, lässt sich schon damit erklären, dass er in der Gemeinde wohnt.

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