Erwin, im Reisebüro am Hirschengraben in Bern vor 50 Jahren. Was bleibt dir in Erinnerung aus jener Zeit?
(Lacht) Wo soll ich beginnen? Spontan erinnere ich mich daran, dass Hans Imholz damals eine zündende Idee hatte, vor allen anderen Reiseveranstaltern. Katzensprünge. Das hiess, husch übers Wochenende oder während der Woche günstigst in eine europäische Metropole zu fliegen. Diese Art von Kurzreisen kannte man damals nicht. Er hatte mit seinen Charterflügen – zum Teil mit der Schweizer SATA – grossen Erfolg, ist dann auch mit einem Ferrari Testarossa rumgefahren…
Welche Feriendestinationen waren damals in?
In den 60er-Jahren eindeutig Rimini, Riccione, Cattolica. Hotelplan hatte damals den legendären Badeferienexpress, der während der Saison als Nachtzug wöchentlich auch ab Bern fuhr. In den Siebzigern wurden die Adria und die Riviera – Alassio, Laiguelia – von Mallorca abgelöst. Die halbe Schweiz wurde damals auf die Insel geflogen. Eines der beliebtesten Hotels für Schweizerinnen und Schweizer war das Alfa in Colonia de San Jordi. Und auch das Reina Paguera in Paguera war stark gefragt.
Heute gibt es keine eigentlichen Flugtickets mehr. Damals aber…
Du bist ein Lustiger. Das weisst du doch selber, was die APT und die ABC waren.
Genau, die wahre dicke Bibel für die Tour Operators. Die eine für Tarife, die andere für Flugverbindungen.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie eine Weltreise locker einen halben Tag in Anspruch nahm, um alles korrekt auszufüllen. Die Streckenabschnitte mussten als solche zusammengerechnet werden, dann ging es darum, die Tarife auszurechnen. Alle Reservationen – Flüge, Schiffe, Hotels – einzeln per Telex, zum Schluss musste man alles von Hand schreiben, eine Entzündung des Handgelenks nicht ausgeschlossen.
4711?
Hoppla, gutes Gedächtnis, nicht zuletzt dank des Kölnisch Wassers. Wollte man von Zürich nach New York fliegen, durfte man bei Zwischenhalten zum Beispiel in Paris oder London total 4711 Flugmeilen für den Normaltarif nicht überschreiten, sonst kostete es extra. Das galt für alle Destinationen.
Mit den Tarifen war das so eine Sache. Für Swissair & Co. – IATA-Gesellschaften – nicht verhandelbar. Aber es gab schon Ausnahmen…
Logisch. Vor allem bei Airlines aus Staaten, die auf Devisen angewiesen waren. Fragte man nach einem Tarif von Aeroflot, so hiess es, «50 %». Das galt für alle Fluggesellschaften, die mit Maschinen des Typs Illuschin oder Tupolew unterwegs waren, nicht unbedingt vertrauenserweckend (schmunzelt). Die heutigen Billig-Airlines haben da ganz andere Flugzeuge am Start. Sich preislich einen Vorteil verschaffen konnte man sich mit so genannten Graumarkttickets, an den IATA-Regeln vorbei, mit Loftleidir beispielsweise via Luxemburg nach New York.
Therese, wie reist ihr heute?
Alles zu seiner Zeit. Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir im Herbst, in den 90er-Jahren, mehrfach den Sonderzug der Migros Bern nach Tropea gebucht. Mit 400 Bernerinnen und Bernern ins Hotel Rocca Nettuno. Tönt zwar komisch, alle als Gruppe unterwegs, das war aber Spitze für Familien. Erholung pur. Heute gehen wir es gemütlicher an.
Nämlich?
Die Fernflugreisen – zum Beispiel nach Japan – sind Geschichte, heute geniessen wir Busreisen oder Flussfahrten. Auf den Flussfahrten sind wir immer an Bord der «MS Edelweiss», haben eine Kabine auf dem Oberdeck. Und just diese Kabinen haben den eigenen Speisesaal Matterhorn mit Panoramaaussicht und mit weniger Geräuschkulisse als im grossen Speisesaal. Besonders begeistert haben uns die Reisen auf dem Rhein bis Amsterdam und auf der Mosel bis Trier. Flussfahrten sind gerade für unsere Generation ideal, wird das Hotelzimmer doch sozusagen mitgeführt.
Und mit dem Car?
Wir selber haben kein Auto, weshalb wir es mit dem Car gemütlich angehen und die Landschaft geniessen können. Was immer wieder super ist: Wenn ein lokaler Reisebegleiter mit von der Partie ist, der den Reisenden Details näherbringen kann.
Und wohin des Weges 2026?
Wir haben wieder eine Ambiance-Reise im 5-Sterne-Car gebucht, auf den Spuren der Hanse: von Lübeck via Wismar und Rostock nach Danzig. Darauf freuen wir uns sehr.