Eine Reise entlang der Aare

Eine Reise entlang der Aare

Am 26. April feierte Pro Natura Bern die Eröffnung einer neuen Dauerausstellung über die Aare im Zentrum Eichholz. Die Idee der Ausstellung ist, dem Lauf der Aare von der Grimsel bis zu ihrer Mündung im Rhein bei Koblenz auf den Zahn zu fühlen. Ihrer Geschichte, ihrer Nutzbarmachung, Beeinflussung und Kanalisierung durch Menschen und ihrer Kraft. Dem Lauf folgend befindet sich das Zentrum Eichholz mittendrin. Die Ausstellung ist für 10 Jahre geplant.

Die Aare – bei der viele Menschen das Gefühl haben, es sei ein relativ natürlich belassener Fluss – ist es bei genauerer Betrachtung so gar nicht. Dies fängt bereits bei der Grimsel an. Schon da gibt es ganz viele verschiedene Kraftwerke und dort, wo die Aare noch natürlich fliessen könnte, führt sie niemals die ganze Wassermenge. Diese kommt erst viel später dazu. Nicolas Dussex, Co-Zentrumsleiter des Zentrums Eichholz, erklärt: «Es war uns wichtig, auch das ganze Technische, das die Aare beeinflusst, aufzuzeigen.» Die Naturschutzgebiete an der Aare sind alle relativ klein und eines der grössten ist die Belper Giesse, aber auch dort ist nichts mehr wirklich natürlich. Je weiter dem Aarelauf nach unten gefolgt wird, desto mehr wird er von Kraftwerken und den dazugehörigen Bauten beeinflusst.

Entdecken für Gross und Klein
Die Ausstellung hat eine Kinderebene mit Audiostationen, an denen Geschichten aus der Sicht der Aare erzählt werden, und eine Bücherecke mit Kinderbüchern. Zudem kann an einem Lego-Tisch ein Stück kanalisierter Aare mit viel Fantasie renaturiert werden. In der Mitte gibt es dann einen Raum über das Eichholz – da wird aufgezeigt, wie genau sich das Bild hier verändert hat. Da, wo der Campingplatz ist, war ursprünglich mal Auenlandschaft und Sumpfgebiet. Es gibt auch Bildschirme in der Ausstellung. Einer zeigt Rundum-Bilder der Aarelandschaft. In einem Teil wird die menschliche Nutzung aufgezeigt und wie wir Menschen die Aare beeinflusst haben und dies immer noch tun. Es gibt Interessantes zu verschiedenen Hochwassern und ihren Einflüssen und die Lehren, die daraus gezogen wurden. Zum Beispiel, dass die Aare wohl etwas mehr Platz zur Verfügung haben sollte als den Kanal, in den sie gezwungen wird. Und es gibt Bücher, die produziert worden sind. Eines mit kartografischen Bildern, die zeigen, wie die Aare und ihre Umgebung in verschiedenen Landesteilen mal ausgesehen haben.

Ein Fluss unter Einfluss
Auf einer «Fahrt» im Schlauchboot von Thun nach Bern erfahren die Besuchenden, wie die Aare von einem weitverzweigten Flusssystem von einem halben Kilometer Breite zu einem 50 m breiten Kanal eingeengt wurde, und man erfährt, wie der Fluss im Laufe der Zeit verändert wurde und welche Auswirkungen das auf die Lebensräume von Tieren und Pflanzen hatte. Dussex erzählt: «Der erste Fluss, bei dem Menschen daran gedacht haben, ihn umzuleiten, war die Kander, die man schliesslich in den Thunersee gelenkt hat. Doch diese eine Umleitung hat jenste Probleme generiert und schlussendlich dazu geführt, dass auch die Aare kanalisiert wurde. Die Kander hat immer ganz viel Geschiebe gebracht, besonders dort, wo die Zulg zugeflossen ist. Wenn nun die Zulg und die Kander Hochwasser hatten, wurde die Aare – als natürliche Konsequenz davon – zurückgestaut. In der Folge kam es jeweils in Thun, Uttigen und Uetendorf zu Überschwemmungen und die Anwohnenden hatten ständig damit zu kämpfen. Die Kander bringt zusammen mit der Simme ca. 60 % vom Zufluss in den Thunersee und um diese Menge wurde der Zufluss erhöht, nur war diese riesige Wassermenge in Thun nicht vorgesehen und das Problem schob sich dahin. Das ganze Geschiebe, welches noch von vor der Umleitung der Kander im Aarebett war, wurde nach der Errichtung der Schleusen in Thun weitergetragen. Die Aare konnte erst nach dem Belp-berg wieder links und rechts ausweichen. Das hatte Auswirkungen auf die ganzen Handelsrouten vom Oberland nach Bern. Die Aare ist mal nach rechts oder links ausgewichen und die Wasserstrasse damit nicht konstant. Dass die Aare nun in diesem Ausmass kanalisiert ist, entstand also aus der Idee, sie wieder schiffbar zu machen. Mittlerweile haben die Menschen gemerkt, dass die Aare eigentlich mehr Platz braucht.»

Geologie zum Anfassen
Die Ausstellung beinhaltet zudem einen geologischen Teil, in dem beschrieben wird, wie sich die Aare zu diesem Fluss entwickelt hat – ohne den menschlichen Einfluss. Es geht um verschiedene Steine, die verglichen und zugeordnet werden können. Und es gibt einen Kubus, in den Kinder kriechen können und der aufzeigt, wie gross ein Kubikmeter – die Masseinheit, in der die Wassermenge, die ein Fluss führt, angegeben wird – wirklich ist.

Es gibt vieles zu lesen in der Ausstellung und sie zieht sich bis hinaus ins Gelände von Pro Natura. «Am besten kommt man die Ausstellung mehrere Male besuchen, so kann sie in aller Ruhe entdeckt und die Aare als Ganzes kennengelernt werden», erklärt Dussex als passende Schlussfolgerung.

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