Wobei Prise ohne «e» das Stichwort war. Die Slam-Poetin konnte nicht – wie in der SRF-Sendung «Arena» – gleichzeitig protokollieren und moderieren, versprach sehr wohl aber, einen Schnupfspruch als Zusammenfassung der wichtigsten Podiumsvoten zu erfinden. Die Agronomen und Landwirte Marc Lehmann, Adrian Brönnimann und Aline Plüss sind nicht nur auf ihren heimischen Betrieben produktiv, sondern produzierten auch passend zum Thema des Podiums zentrale Aussagen: «Ziele statt Massnahmen. Dass würde ich tun, wenn man mich liesse.»
Mehr Wertschätzung
Das, was man pflegt und hegt, das verbindet, dafür steht man ein. Manchmal aber ist man dabei etwas einsam. «Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit muss sich ändern. Wenn wir weniger von staatlichen Geldern abhängig wären, reduzierte sich auch die Kritik. Klar wünschen wir uns höhere Preise, aber in erster Linie geht es mir um Wertschätzung, auch von der Politik», erklärt Adrian Brönnimann. Der Agronom aus Englisberg (Gemeinde Wald) produziert unter anderem eine Menge Speisekartoffeln und stellt eigene Röstipack her – oder wie es Patti Basler formuliert: «Er allein könnte mit seinen Kartoffeln den ganzen Röstigraben zuschütten.» Den Graben zwischen Stadt und Land jedoch, den hat er mit seinem Votum aufgezeigt, um ihn gemeinsam mit Politik und Verwaltung zu verkleinern. Höhere Preise für die Lebensmittel wären da ein gutes Füllmaterial.
Weniger Administration
Aline Plüss und Marc Lehmann hingegen fordern weniger administrative Aufwände. Die Oberländer Bäuerin veranschaulichte, wie teuer all die Gutachten sind, die sie in Auftrag geben und «berappen» muss, damit sie das baufällige Wohnhaus in die heutige Zeit überführen können – ganz zu schweigen vom Zeitverlust. Der Oberbottiger Agronom hingegen sieht einen Lösungsansatz im freien Markt. Dieser spielt und fördert die produktiven Betriebe im Gegensatz zu den etwas weniger produktiven. Der Verwaltung hingegen würde er am liebsten eine Diät verpassen, damit die administrativen Aufwände abnehmen. Mehraufwand und Mehrkosten könnten damit reduziert werden.
Politischer Weg
Nationalrätin Christine Badertscher hörte den Landwirten aufmerksam zu und brachte konkrete Lösungsansätze. «Wir können nicht Sozialpolitik mit den Kartoffelpreisen machen. Das grösste Problem sind die hohen Kosten in der Schweiz. Aus diesem Grund braucht es den Zollschutz», plädiert sie. Zugeständnisse, dass im heutigen System nicht alles perfekt läuft, und der stete Hinweis, dass man global die Ressourcenübernutzung im Blick haben müsse, brachten ihr viel Sympathie bei den Landwirten ein. So viel, dass die grüne Politikerin sogar Applaus erhielt. «Fast wäre sie wählbar», kommentiert ein Landwirt am anschliessenden Apéro, der normalerweise am anderen Ende des Parteienspektrums anzusiedeln wäre. Der Vorsteher des LANAT (Amt für Landwirtschaft und Natur), Michael Gysi, hörte vor allen Dingen bei den administrativen Sorgen gut zu. «Landwirtschaft produziert nicht nur Lebensmittel, sondern auch den Erhalt weiterer Leistungen, die keinen direkten Wert haben. Die Bevölkerung bezahlt dafür jährlich 3,5 Mrd. Franken. Daran sind Leistungen gebunden und wir müssen diese aufzeigen können.» Das braucht eben Administration. Anpassungen sind aus seiner Sicht aber ein steter Prozess, also eine Diät, ohne dass man wichtige Vitamine und Spurenelemente weglässt.
So geht Diskutieren. Landwirte, Politik und Verwaltung erarbeiteten Ansätze, um die «Zielkonflikte» zu lösen, wie es der Präsident des Berner Bauernverbandes, Hans Jörg Rüegsegger, formulierte. «Denn eigentlich haben wir alle dieselben Ziele und müssen vermehrt aufeinander zugehen», fasste er eine Veranstaltung zusammen, die als gutes Beispiel gleich selbst vorangeht. Noch etwas knapper fasste Marc Lehmann das Podium zusammen. Er wünscht sich: «Etwas mehr Vertrauen in die draussen, statt die drinnen.» Patti Basler war also gefordert, diese kernigen Aussagen mit ihrem Schnupfspruch noch zu toppen. Also, die Dose aus dem Sack, das Pulfer auf den Handrücken, kleinen Finger sowie Daumen spreizen und dem Schluss zuhören: «Die Vorschriften von Bern. Ein Drittel ist zu viel und ein Drittel ist fies und wir alle hätten gerne einen höheren Lebensmittel-Pris.»