Handschlag, Härte, Herzlichkeit

Handschlag, Härte, Herzlichkeit

«Hallo, kommst du auch zum Training?», fragt ein Junge auf dem Weg zur Turnhalle Zumholz. «Nein, beileibe nicht, ich bin nur derjenige, der den Zeitungsbericht verfassen wird.» In Sekundenschnelle wächst das Gefühl, dazuzugehören. Vom Rand des Sägemehls ein Blick ins Training der kleinen Bösen, neuen Bösen und jener, die noch böser werden.

Händeschütteln. Immer wieder Händeschütteln. Die rund 30 Kinder und Jugendlichen zwischen 7 und 15 Jahren wissen schon ganz genau, was sich gehört. Anstand, Aufmerksamkeit, Einsatz. Manche Lehrperson würde wohl ein wenig erblassen, wenn sie sähe, wie konzentriert der eine oder die andere hier seine Einwärmrunden im Sägemehl dreht, Liegestützen macht, Rumpfbeugen, Kniebeugen – und artig zuhört.

Von Anfang an richtig machen

Adrian Zbinden, der technische Leiter bei den Jungschwingern, und sein Team finden den Ton, erinnern aber auch daran, wo die Musik spielt, wenn sich jemand nicht mehr an den Schwung erinnert, den man gerade erst im letzten Training angeschaut hat. Die J+S-Prüfungen sind ein Thema, aufgeteilt in jene, welche den Test 1 absolvieren werden, und jene, die bereits am Test 3 arbeiten. Zehn Schwünge müssen die etwas Grösseren beherrschen. Beim Aufzählen glänzt ausgerechnet ein Sensler: Jérôme kennt sie alle. Doch Marvin beherrscht sie alle. Wichtig ist beides. Was der Jungschwinger nicht lernt, büsst er später im Sägemehl. Von Anfang an richtig machen ist die Devise. Dann endlich noch ein paar Gänge schwingen – mit den neu gelernten Schwüngen, versteht sich. Die Kämpfe sind dennoch attraktiv, der Einsatz vorbildlich, die Freude ansteckend.

Vorbilder in gross

Ab und an steckt schon ein Böser seinen Kopf in die Turnhalle. Nicht mehr lange, dann beginnt das Training der Aktiven. Doch zuvor – es liegt im wahrsten Sinne auf der Hand – laufen die Vorbilder und Idole ein und tun das, was schon die Kleinen gelernt haben: Hände schütteln. Bei den Kleinen, den Eltern, den Trainern. «Wie ist es gelaufen?», fragt der eine oder andere und entzückt die Kleinen. Das Interesse ist ehrlich gemeint, und die Zimmermanns, Lauper und Co. freuen sich aufrichtig über die Erfolge der kleinen Bösen. Auch der Trainerstab wechselt. Martin Rolli leitet das Training der Bösen. Erneut mit Freiburger Beteiligung. Unter anderem kommen die Gebrüder Tornare vom Schwingklub La Gruyère. Der jüngere Bruder des bekannten Paul Tornare verblüfft die Schwarzenburger. Er hat zugelegt, dieser 19-jährige Laurent Tornare. «Alles Muskeln», lacht er in die Runde. Viele klingende Namen stossen ab und an im Training in Milken dazu. Die Abwechslung nehmen die Schwarzenburger gerne an, es sind wichtige Gradmesser rund zwei Monate vor dem Saisonstart.

Von hart auf knallhart

Apropos zwei Monate und Saisonstart. Genau daran erinnert Trainer Rolli und verlangt eine Stunde lang erst sechs-, dann vierminütige Gänge, mit jeweils einer vierminütigen Pause dazwischen. Doch zuerst müssen sie einstehen, dem Gewicht nach. «Immer gegen die Dicken», scherzt Nicolas Zimmermann. Nun wird auch Laurent Tornares Gewicht bekannt: 118 kg bringt er ins Sägemehl. Die Gänge sind hart, aber herzlich, egal wer mit wem zusammengreift. Voller Einsatz – bei Tobias Lauper fast noch ein wenig mehr. Er mag vielleicht nicht der Grösste sein, aber wie unangenehm es ist, mit diesem topfitten und quirligen Kraftpaket zu schwingen, wird schnell ersichtlich. Am Schluss, als allen die Puste ausgeht, greift er nochmals mit Joel Zimmermann zusammen – ein Kampf auf höchstem Niveau, angefeuert von den Klubkameraden, Wetten inklusive. Fix und fertig liegen die beiden anschliessend im Sägemehl. Einsatz total. Ein wunderbares Beispiel dafür, wann ein Gestellter eben eine Note 9 verdient. Und dieser Laurent Tornare? Er bodigt einige Schwarzenburger. Gemach, gemach, denkt sich aber Nicolas Zimmermann. Er liegt an diesem Training fast nie auf dem Rücken und bodigt in der Schlussphase denn auch das Greyerzer Talent. «Er lässt ein wenig nach, wenn der Gang andauert, dann kann man ihn packen», verrät er wenig später seinen Kameraden. Aufmerksamer Zuhörer: Michael Rolli. Dem jungen, grossen Bösen fehlt es noch etwas an Volumen, aber als stiller Arbeiter scheint er alle Informationen zu verschlingen und sogleich in seinen Gängen umzusetzen. Denn eines hat er schon reichlich: Kraft.

Die Muskeln brennen, doch mit ein paar kernigen Sprüchen aus Nicolas Zimmermanns Warte kehrt das Lachen alsbald zurück. Genau wie das Händeschütteln zum Schluss des Trainings. Als die Lichter in der Turnhalle ausgehen, bleibt eines gewiss: Die Schwarzenburger trainieren nicht hart, sondern sehr hart – aber dafür genauso herzlich und vor allen Dingen respektvoll. Auch wenn es Trainer Martin Rolli vielleicht ein klein wenig anders sieht: Die Schwarzenburger sind für die Saison 2026 bereit. Es hat sich längst eingeschweizert, dass man unglücklicherweise von den Bösen spricht, doch diese Jung- und Aktivschwinger im Training in Milken sind alles andere als böse. Es sind allesamt 3H-Schwinger: mit Handschlag, Härte und Herzlichkeit.

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