Christian Bützer, Sie wohnen in Düdingen, wie Sie uns soeben gesagt haben. Schon immer?
Nein, ich bin in Bern geboren, in Münchenbuchsee zur Schule, gelernt habe ich Polymechaniker in den ehemaligen Lehrwerkstätten Bern, den heutigen Technischen Fachschulen Bern. Reicht Ihnen diese Zusammenfassung?
Durchaus, danke. Nur: Erklären Sie einem Schreiberling, was ein Polymechaniker macht.
Ein Polymechaniker ist ein technischer Beruf, bei dem man Maschinen, Bauteile und Anlagen herstellt, montiert und wartet. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein Unternehmen braucht ein kleines Metallteil für eine Maschine. Der Polymechaniker liest die technische Zeichnung, programmiert die Fräsmaschine, fertigt das Teil und kontrolliert anschliessend mit Messgeräten, ob alle Masse stimmen, damit das Teil korrekt eingesetzt werden kann.
Und das macht man im Homeoffice?
Nein (lacht), natürlich nicht. Ich habe eine Weiterbildung zum Wirtschaftsingenieur an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch abgeschlossen. Heute arbeite ich bei einem Telekommunikations-
unternehmen.
Als Polymechaniker?
Nein, ich bin seit knapp zehn Jahren im Bereich des strategischen Einkaufs tätig.
Und der beschäftigt sich womit?
Ich beschäftige mich mit der Beschaffung von Software, Cloud-Diensten und externen Dienstleistungen. Ein Beispiel: Zuerst gilt es, die Bedürfnisse der IT genau abzuklären, anschliessend machen wir uns – durchaus mit einer Ausschreibung – auf die Suche nach dem optimalen Softwareanbieter. Wir überprüfen Preis, Leistung, Sicherheit und Vertragsbedingungen. Stimmt alles, schliessen wir den Vertrag ab und betreuen den Lieferanten über den kommerziellen und vertraglichen Lebenszyklus hinweg. Kurz: Ein strategischer Einkäufer ist eine Mischung aus Verhandler, Projektmanager, Analyst und Geschäftspartner für die internen Abteilungen.
Und das machen Sie im Homeoffice. Wie oft in der Woche?
Meine Arbeitgeberin hat auch diesbezüglich klare Richtlinien: Maximum drei Tage Homeoffice pro Woche, zwei Tage physische Präsenz am eigentlichen
Arbeitsplatz.
Sagen Sie, was machen Sie überhaupt hier im Restaurant? Stört man Sie zuhause?
(Lacht) Ganz falsch… Ich arbeite Teilzeit, während meine Tochter im Schwimmunterricht im Bernaqua ist. So kann ich die Wartezeit für meine Arbeit nutzen. Das ist eine typische Win-Win-Win-Situation, wenn Sie so wollen. Für den Arbeitgeber, für mich, für unsere Tochter.
Und Homeoffice ist für Sie das Ei des Kolumbus?
Jede Medaille hat zwei Seiten. Sehen Sie, durch Homeoffice kann ich meine Arbeitszeit optimieren, wie jetzt gerade. Positiv ist auch, dass ich dadurch mehr Zeit für die Familie habe, weil ich meine Arbeitszeit zu einem gewissen Grad besser einteilen kann. Vor allem: Ich wohne zwar in Düdingen, arbeite aber in Worb-
laufen und habe regelmässig Sitzungen in Zürich. Die Reisezeit wird also nicht mit Lesen oder Aus-dem-Fenster-Schauen verbracht, sondern dient der Arbeit.
Und die Nachteile?
Ganz klar: Die sozialen Kontakte finden nicht mehr in jenem Rahmen statt, wie wenn ich einzig im Büro arbeiten würde. Das braucht man gar nicht schönzureden. Vor allem die Flurgespräche fehlen, quasi die Interna.
Klatsch und Tratsch?
Nicht nur, sondern man kann gegebenenfalls etwas kurzfristig klären, weil die andere Person auch gerade im Office ist. So muss man eine Person nicht zu einem Call einladen oder versuchen, sie ad hoc zu erreichen. Aber die positiven Aspekte überwiegen, auch weil man flexibel ist. 100 % Homeoffice wäre hingegen nichts für mich. Ich finde das auch nicht sinnvoll. Der Mix macht es aus, die Balance.
Homeoffice hat während der Pandemie einen Boom erlebt, heute gehen viele Firmen wieder dazu über, es zu minimieren.
Ihre Meinung dazu?
Homeoffice hat einzig mit gegenseitigem Vertrauen zu tun. Anders geht es nicht.
Wunderbar, dann können Sie mir Ihr Einverständnis zu diesem Text auch gleich aus dem Homeoffice freigeben.
(Schmunzelt)