Mehrwert Mehrzweckverband

Mehrwert Mehrzweckverband

Gesundheitsversorgung, Sicherheitsfragen, Bildungsangebote. Vermehrt stossen die Gemeinden an ihre Kapazitätsgrenzen, wenn sie kantonale Aufträge zu erfüllen haben. Vernetzung und Zusammenschlüsse sind die Folge. Der Sensebezirk geht aber noch einen Schritt weiter: Er baut gar eine Dachorganisation über diese regionalen Themen.

Es gehört zum altehrwürdigen Ortskern von Tafers: das Oberamt. Von aussen ein historischer Zeitzeuge der Geschichte von Tafers, im Innern aber herrscht ein Kontrastprogramm: eine Denkfabrik, ein «Think-Tank» an Innovationen, um an der politischen Schwelle zwischen Kanton, Region und Gemeinden keine Scharnierfunktion einzunehmen, sondern eine Agierfunktion. Zu verdanken hat der Sensebezirk diese Vormachtstellung vor allem seinem Oberamtmann Manfred Raemy. Das jüngste Beispiel trägt den unscheinbaren Namen: «Mehrzweckverband Sensebezirk».

Aufgabenlast gemeinsam tragen

Unter dem Dach eines neuen Verbandes sollen die drei bestehenden Gemeindeverbände «Region Sense», «Gesundheitsnetz Sense» und «Orientierungsschule Sense» in Zukunft als eigenständige Direktionen ihre Aufgaben wahrnehmen. «Die Arbeit wird durch diese neue Organisation nicht kleiner, jedoch können zukünftige Investitionsprojekte zeitlich und finanziell besser koordiniert werden und der gemeinsame Finanzplan des Mehrzweckverbandes den Gemeinden als Führungsinstrument dienen. Mit einer umfassenden an die Gemeinden, aber auch insgesamt an alle Senslerinnen und Sensler, gerichteten Kommunikation sollen die gemeindeübergreifenden Aufgaben besser bekannt, aber vor allem viel transparenter gemacht werden», verdeutlicht der Oberamtmann den Sinn des Verbandes. In diesem Jahr sollen vorerst die Aufgaben der Feuerwehr auf Bezirksebene integriert werden. In den nächsten zwei Jahren sollen die Aufgaben der bisherigen Gemeindeverbände «Region Sense», «Gesundheitsnetz Sense» und «Orientierungsschule Sense» in den Mehrzweckverband Sensebezirk überführt werden. Kurz und knapp: «Aus vier mach eins.»

Kritik bleibt klein

 «Wir müssen immer mehr überkommunale Aufgaben umsetzen. Das braucht zusätzliche Gremien, Kommissionen und letzendlich Menschen, die Posten einnehmen. Man könnte eine Grossfusion machen nach dem Modell von Glarus oder man geht diesen Weg und wählt ein Gebilde für alles, was gemeindeübergreifend organisiert sein muss», erklärt Raemy. Und sein Vorschlag stiess auf viel Gehör. Alle 15 Senslergemeinden sagten Ja zu diesem Vorhaben. Als der Mehrzweckverband an den Gemeindeversammlungen oder in den Generalräten traktandiert war, zeichnete sich ein ähnlich klares Bild ab. Insgesamt 844 Ja- zu 35 Nein-Stimmen. Kürzlich ist nun auch die Referendumsfrist abgelaufen und aus der Idee ist nun Wirklichkeit geworden. Die Kritik kam – wenn überhaupt – dann eher als Befürchtung, dass man die Demokratie als einzelne Gemeinde zusehends verliere. «Es ist kein Verlust an Demokratie, sondern ein Gewinn an Autonomie», entgegnet Raemy aus Sicht des gesamten Sensebezirks.

Das Dach der Dächer

Ein Blick auf die Statuten zeigt, dass der Mehrzweckverband Sensebezirk wie eine Art Übergemeinde organisiert ist. Ein Vorstand und eine Art Generalrat (Delegiertenversammlung). Dass die Gemeindeamänner (Gemeindepräsidenten) Einsitz nehmen werden ist klar, die restliche Aufteilung obliegt nun der Umsetzung im Dialog der Sensler Gemeinden. Die aktuellen Grossprojekte der Region unterstreichen die Dringlichkeit. «Der Ausbau der Demenzstation im Sensebezirk ist ein aktuelles Thema. Bei den OS-Zentren sind in den vergangenen Jahren 120 Mio. Franken investiert worden. Doch fortlaufende Instandhaltungskosten bleiben erhalten, das Schwimmbadprojekt wartet auf seine Umsetzung, der Riggisalplift muss bald ersetzt werden. «Jeder Verband hat Grossprojekte, aber alle haben eines gemeinsam, dass alle Gemeinden mitfinanzieren müssen. Im schlechtesten Fall kommt alles zusammen. Das regelt fortan der Mehrzweckverband», so der Oberamtmann.

Bern und Freiburg mögen historisch gewachsen keine Busenfreunde sein, aber in einer zusehends vernetzteren Welt werden sie im Ballungsraum Bern unweigerlich und zusehends zu Partnern. Die Sensler Idee dürfte deshalb nicht nur in anderen Freiburger Bezirken beobachtet werden, sondern auch im benachbarten Bern. Speziell das Gantrischgebiet sieht sich mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Das Altersnetzwerk gibt es schon, die Feuerwehren schliessen sich teilweise zusammen und die Gesundheitsversorgung rund um das Spital Riggisberg weist eine ähnliche Struktur auf wie auf der anderen Seite der Sense. Während sie alle nun darüber beraten, ob das ein möglicher Weg sein könnte, übernimmt der Sensebezirk eine Vorreiterrolle getreu dem Motto: Mehrwert Mehrzweckverband.

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