Die Meinung, dass es im Fussball um Leben und Tod gehe, mochte Bill Shankly nicht. Es sei nämlich viel ernster, versicherte der legendäre Coach des FC Liverpool seinerzeit. Seine enormen Verdienste für den Fussballklub führten dazu, dass im Anfield-Stadion eine Statue von ihm steht. In der Schlatt-Arena des FC Sternenberg stehen keine Statuen. Auch nicht von denen, die sich seit langer Zeit mit sehr grosser Hingabe für den Klub einsetzen. Peter Rieder ist einer von ihnen. Fussball ist nicht sein Leben, aber ein schöner Teil seines Lebens gehört dem Fussball. Er und der Club werden in diesem Jahr 60-jährig. Beigetreten ist der Inhaber einer Liegenschaftsverwaltung im Alter von 11 Jahren, seither ist er dem Verein mit einem kurzen Unterbruch treu geblieben. «Die Familie meiner Mutter stammt aus Gasel. Dieser Bezug führte dazu, dass der Vater beim FC Sternenberg Fussball spielte, obschon wir in Bümpliz lebten.»
Vom Töfflibuben zum Präsidenten
Der Sohn folgte der Empfehlung seines Vaters und kam als Schüler zum FC Sternenberg. Damals, als das Töffli für ihn das wichtigste Verkehrsmittel zwischen Bümpliz und Gasel war, sei eine lebenslange Klubtreue natürlich nie ein Thema gewesen, blickt Rieder zurück. Er bereut nicht, dass es so gekommen ist, ganz im Gegenteil. Beim FC Sternenberg fand und findet er die Entfaltungsmöglichkeiten, die ihm liegen. Er war aktiver Fussballer in jeder Altersstufe, amtierte als Trainer, war Beisitzer im Vorstand, Verantwortlicher des Clubmagazins und schliesslich übernahm er vor rund 30 Jahren das Amt des Präsidenten. Was eigentlich dem Höhepunkt einer Vereinslaufbahn gleichkommt. Wäre da nicht die Eigenart des Unternehmers, seine persönlichen Interessen hinter diejenigen des Klubs zu stellen: «Im sportlich-technischen Bereich traten gewisse Probleme auf. Dinge, die vereinsintern nicht zu verantworten waren, jedoch gelöst werden mussten. Mir war schon damals bewusst: Ohne einen Präsidenten geht es, ohne sportliche Leitung geht es nicht.»
Prägend für den Klub
Konsequenterweise übernahm Rieder in dieser heiklen Phase die Leitung Sport. Dieses Amt übt er bis heute aus und er tut dies sehr gerne. Das Spektrum sei breit, führt er aus, die Koordination der Spiel- und Trainingspläne gehöre dazu, ebenso das Schiedsrichterwesen und die Förderung des Frauenfussballs, ein Anliegen mit hohem Stellenwert für den Klub. Gefragt nach den Spuren, die er im Verein hinterlassen habe, äussert sich der Liegenschaftsbuchhalter sehr zurückhaltend; er sieht sich als ordnende Hand, man sei einfach Teil davon und helfe mit, den Verein auf Kurs zu halten. Etwas Konkretes lässt er sich doch noch entlocken. «Der Bau des Klubhauses oder die Gründung der Genossenschaft als solides Fundament, das waren Projekte, in die ich stark involviert war und für die ich mich eingesetzt habe.»
Ein grosser Wunsch bleibt
Ehrenamtliche Tätigkeiten erfordern häufig einen hohen Zeitaufwand. Weshalb tut man sich das eigentlich an? Die Antwort des sportlichen Leiters kommt prompt: «Meine Motivation seit Jahr und Tag sind primär der Fussball und die Lust, Teil dieses Vereins zu sein. Ich kann mitgestalten und dadurch etwas von dem zurückgeben, was der Verein mir gibt.» Es sei jedoch im Lauf der Jahre schwieriger geworden, Leute für ein Ehrenamt zu motivieren. Umso grösser ist seine Dankbarkeit für das Umfeld im Klub und für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Köniz. Peter Rieder hat sichtlich Freude an seinem Wirken, man könnte meinen, er ist wunschlos glücklich mit der Situation im Verein. Wunschlos? Nicht ganz, denn etwas schlummert seit Jahren in ihm: «Mein grösster Wunsch ist ein Kunstrasen. Das würde die Möglichkeiten für Trainings und Spiele deutlich erhöhen. Wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung zwischen Herbst und Frühling ist der Rasen lange Zeit sehr feucht und nicht bespielbar.» Sollte dereinst in der Schlatt-Arena ein Kunstrasen verlegt sein, sagt er mit einem Schmunzeln, könnte das doch ein guter Moment sein, seinen Sitz zu räumen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung diesbezüglich ganz andere Vorstellungen haben.