Die «Schweizerische Freie Kegler-Vereinigung (SFKV)» ist mit rund 1000 lizenzierten Keglerinnen und Keglern der grösste Keglerverband in der Schweiz und Organisatorin der Schweizermeisterschaften ab Ende August. Der grösste, aber nicht der einzige Verband: Damit ist eines der Hindernisse für eine positive Entwicklung im Kegelsport benannt, denn es gibt noch den kleineren «Schweizerischen Sportkeglerverband (SSKV)». Beide befinden sich in der Spirale der Abwärtsbewegung. Die Frage nach einem Zusammenschluss der beiden Verbände drängt sich auf. «Es bestehen historisch gewachsene Unterschiede», antwortet Mario Schmid, Mitglied des Zentralvorstandes der SFKV, und lässt durchblicken, dass die beiden Verbände nicht besonders gut miteinander können; allerdings stellt er auch fest, dass sich das Klima unter den aktuellen Führungsgremien verbessert hat: «Eine verstärkte Zusammenarbeit bis hin zu gemeinsamen Strukturen wird zunehmend als sinnvoll erachtet.»
Die Luft wird dünn
Das Problem sitze in den Köpfen, findet er, aber es bestehe tatsächlich die Chance, dass sich die beiden Verbände näherkommen, bevor es zu spät ist. Und es wird tatsächlich knapp werden für den Kegelsport. Dass an den nationalen Meisterschaften noch etwa 700 Kegler und Keglerinnen teilnehmen gegenüber deren rund 3000 vor 20 Jahren, dass die Anzahl der Kegelbahnen schweizweit von zirka 300 auf etwa 100 gesunken ist und dass das Durchschnittsalter der Aktiven geschätzt bei rund 65 Jahren liegt, sind weitere ernüchternde Fakten. Einige der Unterverbände (UV) innerhalb der SFKV wurden aufgelöst, andere stehen kurz davor. Ueli Stucki, Inhaber und Betreiber des Kegelcenters Rössli in Heimberg, ist ein unermüdlicher Kämpfer für den Kegelsport und Präsident des OK der Schweizermeisterschaften. Er weiss, dass es immer schwieriger wird, überhaupt Meisterschaften durchzuführen: «Es gibt in der Schweiz nur noch drei Standorte, die dazu in der Lage sind.»
Für Wirtsleute nicht attraktiv
Als einen der Gründe nennt er die sinkende Anzahl von Restaurants mit Kegelbahnen: «Viele Wirtsleute haben das Interesse verloren. Weil der Umsatz pro Quadratmeter bei einer Kegelbahn tatsächlich nicht hoch ist.» Das weiss auch Philipp Imhof aus Wünnewil: «Die Kegelbahnen im Restaurant, das ich betrieben habe, mussten einer Tanzakademie weichen.» Der Spitzenkegler ist Präsident vom UV Bern Stadt und Mitglied des Kegelklubs «Riedbuebe» in Flamatt. «Weniger Kegelbahnen bedeuten auch, dass weniger Firmenanlässe stattfinden und weniger Menschen den Zugang zum Kegeln finden.» Auch er macht sich Gedanken über mögliche Massnahmen gegen die sinkende Bedeutung und macht einen Vorschlag: «Kleinere, leichtere Kugeln könnten bewirken, dass bereits Kinder den Zugang zum Kegeln finden. Zudem wird die Lizenz für das Kegeln erst ab dem Alter von 14 Jahren erteilt. Zu diesem Zeitpunkt sind Jugendliche meist anderweitig engagiert und gehen dem Kegelsport verloren.»
Silberstreifen am Horizont
Eine weitere Massnahme erkennt Imhof in der finanziellen Unterstützung der Verbände an Gastronomen, die Kegelbahnen betreiben. In der Region gibt es noch je ein Restaurant mit Kegelbahnen in Flamatt, Wünnewil und Riggisberg; dort befinden sich die Heimbahnen der verbliebenen drei regionalen Klubs «Riedbuebe», «Zaagihüng» und «Gantrisch». Innerhalb der Szene ist man sich einig, dass die Mitgliederzahlen auch unter dem veränderten Freizeitverhalten leiden. «Jungen Leuten ist Individualität bei ihren Aktivitäten wichtig. Eine Vereinszugehörigkeit ist gleichbedeutend mit einer Regelmässigkeit und der Übernahme von zusätzlichen Aufgaben», sagt Mario Schmid. Und natürlich leide die finanzielle Situation stark unter den rückläufigen Mitgliederzahlen, weshalb der Verband die Suche nach neuen Sponsoren intensiviert habe. Das Geld soll zu den Klubs, aber auch in Werbemassnahmen fliessen, ergänzt Ueli Stucki und erkennt einen Lichtblick: «Die Chance, dass die Verbände gemeinsam auftreten und dass Sturheit keinen Platz mehr hat, ist grösser als auch schon.»