Schwarzenburger Stadtmusikanten

Schwarzenburger Stadtmusikanten

Eigentlich hätte das Areal im Dorfwald dazu dienen sollen, dass Bären aus dem Kanton Bern hierbleiben können. Eigentlich. Die Idee eines Lebenszyklus innerhalb des Kantons sei aber zu kurz gefasst, verkündete der Direktor des Tierparks, Prof. Bernd Schildger. Der «BärenPark Gantrisch» ist zu Grösserem bestimmt.

«Wir haben bisher übersehen, welche Chancen der ‹Naturpark› eigentlich mitbringt. Wir können grösser denken, hin zu einem echten Naturschutzprojekt», verrät der Experte. Was er damit meint ist, dass ein solcher Park nicht nur den Bären und deren Wahrnehmung in der Gesellschaft helfen kann, sondern der ganzen Natur. «Es ist wie bei den Bremer Stadtmusikanten. Der Gantrisch Bär trägt den Luchs auf dem Rücken, der wiederum das Auerhuhn und dieses den Feuersalamander», wandelt er das Bild aus dem Märchen der Gebrüder Grimm ab.

Naturschutz statt Tierschutz
«Menschen entfremden sich zusehends von der Natur», stellt er fest. Der Bärenpark kann deshalb nicht nur für das Leben dieses Grossraubtieres sensibilisieren, sondern darüber hinaus auch für jenes anderer bedrohter Tiere, die im Gantrischgebiet leben. Oder noch allgemeiner gefasst: für die gesamte Biodiversität und damit die natürlichen Zusammenhänge. Die Ranger des Naturparks sollen diese Aufgabe übernehmen und Besucherinnen sowie Besucher begleiten, «denn es wird kein Museum sein. Der Bär entscheidet, ob man ihn sieht oder nicht», verdeutlicht Schildger. Der Dorfwald ist insgesamt 2,5 km² gross, 2% davon oder 50’000 m² kommen den drei Gehegen zu. Was nach wenig klingt, ist anderseits zehnmal grösser als die Fläche, die im Tierpark in Bern zur Verfügung steht. Platz genug für ein natürliches Habitat mit Möglichkeiten zu graben, zu klettern, zu baden und sich zurückzuziehen. «Wenn nicht im Gantrischgebiet, wo denn sonst gibt es solch gute Voraussetzungen», schwärmt der Experte.

Dialog mit Bevölkerung
Die Gemeinde Schwarzenburg unterstützt das Vorhaben, die Landeigentümer der Dorfburgerkorporation ebenfalls. «Angedacht ist ein gemeinsames Betriebsgebäude, das für den Bärenpark und die Burger nutzbar ist. Die meisten Wege bestehen schon und wir haben bereits heute eine gute Erschliessung», nennt Projektleiter Ruedi Flückiger weitere Vorteile. Zwei Herausforderungen hat das Team noch zu meistern. Sie müssen die Finanzierung sicherstellen und die Bevölkerung mehrheitlich hinter sich wissen. Denn für Bauten im Wald wird es eine Überbauungsordnung brauchen und diese muss von der Gemeindeversammlung beschlossen werden. Es gab vereinzelt kritische Stimmen an der Informationsveranstaltung vor rund zwei Jahren. Die hat Flückiger gehört und nicht vergessen: «Wir werden den Dialog mit der Bevölkerung suchen, vor Ort stellen wir uns den Fragen und Anliegen», lässt er verlauten. Noch ist «GantrischPlus» die treibende Kraft dahinter. Geplant ist jedoch die Gründung einer Stiftung als Trägerin des Projekts.

In Europa vernetzt
Diese wird dann den «BärenPark Gantrisch» nicht mehr als Anhängsel des Tierparks von Bern betreiben, sondern eigenständig. In Bezug auf die viertatzigen Bewohner bedeutet dies, dass nicht unbedingt die Jungbären aus Bern in den Dorfwald kommen. Grösser denken heisst, europaweit leben Bären und, wenn es darum geht, einen möglichst gut zu platzieren, ist der Gantrisch eine neue Option. Eine besonders gute, weil sie nicht einfach nur ausgestellt sind, sondern ein natürliches Habitat erhalten. «Man wird deshalb den Menschen verständlich machen müssen, dass es keine museumseumsartige Zurschaustellung wird, sondern ein Naturschutzprojekt», ergänzt der Direktor. Für den «Naturpark Gantrisch» stellt dies einen weiteren Leuchtturm in seinen Angeboten dar; einen grossen, der weit über die Kantonsgrenzen hinausstrahlt. «Da eröffnen sich viele Chancen, um Wertschöpfung zu generieren», erkennt Flückiger. Allerdings keine ausbeuterischen, sondern nachhaltige im Sinne von Schildger.

Steht das Schwarzenburger Volk dahinter und gelingt die Finanzierung, dürfte der «BärenPark Gantrisch» im Jahr 2024 Wirklichkeit werden. Dann kehrt ein «Schwarzerburger Stadtmusikant» in den Dorfwald zurück. Seine Kollegen Luchs, Auerhuhn und Feuersalamander werden dann hoffentlich noch da sein. Die Moral der Tiere, die aufeinander stehen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen, wird zum Symbol für einen Naturschutz, der viel mehr ist als nur Artenerhalt. Der Bär eignet sich hervorragend, um die tragende Basis des ganzen Vorhabens zu sein.

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