An einem Freitagabend mit Freunden ist die Idee für die Soulfarm in Kehrsatz entstanden. Liegt doch der Name auf der Hand: Am Selhofen 41 findet man den Familienbetrieb von Wälchlis. Stefan Wälchli hat den elterlichen Hof vor 17 Jahren übernommen und mit der Übernahme einige mutige Umstrukturierungen vorgenommen. Der grösste Schritt war wohl der Entscheid, nicht mehr auf Milchkühe, sondern, nebst der Landwirtschaft, auf eine Pferdepen-
sion zu setzen.
Auch im Unternehmen von Thomas Hurni in Kerzers hat sich in den letzten Jahren einiges gewandelt: Die Nähe zum Kunden lebt im 2021 durch einen eigenen Hofladen und Selbstpflückgarten auf. Während zuvor der Fokus ganz auf der Produktion für den Engros-Markt lag, wird nun das Angebot für die Direktvermarktung laufend erweitert. Gerade die Möglichkeit, Gemüse, Beeren, Obst, Kräuter und Blumen selbst zu pflücken, erfreut sich grosser Beliebtheit. Unter dem Motto «Pflück dis Glück» erlebt jeder sein ganz eigenes Ernteerlebnis.
Das Besondere zieht die Menschen an
Zwischen Mitte Mai und Ende Oktober darf im roten Erdbeermeer bei Hurnis geschwelgt werden: Auf Schulterhöhe können die köstlichen Früchte gepflückt werden. Somit sind die Erdbeeren auch gut für die älteren Besuchenden zugänglich und gleichzeitig ist das Obst vor Bodennässe geschützt. Dank der Kombination von Hofladen und Selbstpflückgarten geht kaum etwas von der Ernte verloren: Was nicht selbst gepflückt wird, findet den Weg in den Hofladen. Das grösste Highlight ist aber für Gross und Klein das «Pflücken» der Eier direkt bei den Freilandhühnern. Keine Angst: Die Hennen erleben keinen Stress, da man das Ei nur nimmt, wenn kein Huhn darauf sitzt.
Währenddessen wird auf der Soulfarm fleissig gebacken: Am Samstag findet man wunderbares Brot und Leckereien von Marina Wälchli im Hofladen. Mit dieser Tradition hatten schon ihre Schwiegereltern begonnen und sie wird noch heute von der Kundschaft geschätzt.
Stefan Wälchli freut es, dass er seit Jahren die Wertschöpfung auf dem Hof behalten darf und nimmt es nicht als selbstverständlich. Wälchlis haben in Eigenregie den Laden und die Küche eingerichtet und viele Stunden Arbeit stecken im einladenden Hofladen. Eine grosse Portion Offenheit und Neues zu wagen sind das Erfolgsrezept von Wälchlis.
Mehr Insiderwissen und soziale Kontakte
Die Soulfarm sieht sich als Bindeglied zwischen Stadt und Land. Bei persönlichen Gesprächen wird die Kundschaft informiert. Gerade die Saisonalität ist ein wichtiges Thema, oder dass nach IP Swiss Richtlinien gearbeitet wird. So ist der Vergleich zum Grossverteiler punkto Preis und Sortiment hinfällig. Dass auch ein Hofladen kalkulieren und wirtschaftlich denken muss, ist für die aufgeklärte Kundschaft völlig verständlich.
Währenddessen findet auch auf dem Hof von Thomas Hurni ein reger Austausch statt: Nicht nur beim Pflücken selbst, sondern auch bei der Kaffee-Pause auf dem Platz unter der Linde oder im Sinnesgarten auf dem Barfusspfad entstehen wertvolle Gespräche. Auch im Blumenladen nimmt sich die Floristin Zeit, mit den Menschen zu sprechen. In der heutigen Zeit sind solche Plätze wie bei Hurnis und Wälchlis wertvolle Orte der Ruhe, während gleichzeitig Raum für so-
ziale Kontakte entstehen darf.
Vertrauen zum Menschen im Fokus
Natürlich verlocken die vielen Leckereien den einen oder die andere dazu, auch einmal etwas mehr mitzunehmen. Doch dank der Zahlungsmöglichkeit mit Twint sei die Zahlungsmoral in der Regel gut. Am Samstag, wenn der Kioskwagen mit süssen Köstlichkeiten gefüllt ist, sind Stefan Wälchli und seine Frau sowieso persönlich vor Ort. Ein Automat macht bei der Soulfarm momentan keinen Sinn, da der Unterhalt und die Bewirtschaftung zu aufwändig und kostspielig wären.
In Kerzers ist der Hofladen in der Hochsaison meist betreut. Prinzipiell sind sich aber beide Hofläden einig: Den Fokus auf die ehrlichen Gäste zu richten, bringt jenes Vertrauen, welches die Hofläden zu solch besonderen Orten macht.