906 Frauen und 1355 Männer auf 160 Listen kandidieren für einen der 160 Sitze im Grossen Rat. Rekord. Am 29. März stehen zwei Listen sowie 47 Kandidierende mehr zur (Aus-)Wahl. Der Frauenanteil ist von 39,7 % auf 40,1 % leicht gestiegen. Das sind die Zahlen der Staatskanzlei. Doch diese sind schnell erzählt. Spannender wird es, einige weitere Zahlen hervorzuheben.
Fünfzehn
Im Grossen Rat stellen sich satte 148 Personen zur Wiederwahl. Es gibt also über den ganzen Kanton verteilt lediglich zwölf Plätze, die auch wirklich frei werden. Das ist extrem wenig. Ein Anzeichen dafür, dass die Parteien immer mehr unterjährig Wechsel vollziehen, damit die Chance erhöht wird, ihre Sitze halten zu können. Wiederwahlen sind bekanntlich etwas leichter zu gewinnen als der Neueinzug ins Parlament. Ganz anders präsentiert sich derweil die Situation im Regierungsrat. Von den sieben Sitzen werden gleich drei frei. Christoph Neuhaus (SVP) tritt nicht mehr an, Gleiches gilt für seinen Namensvetter Christoph Ammann (SP) sowie Christine Häsler (Grüne). Die Linke riskiert also mit zwei frei werdenden Plätzen, dass die Bürgerlichen zulegen können, denn es verbleibt lediglich Evi Allemann (SP) im Amt.
Zwei
Eine Ausgangslage, die dafür sorgt, dass es zwei starke Listenverbindungen gibt: jene der Linken mit Grünen und SP sowie jene der Bürgerlichen mit Mitte, FDP, SVP und EDU. Letztere gehen mit einem Fünferticket ins Rennen und stellen nebst den bisherigen Regierungsräten Astrid Bärtschi-Mosimann (die Mitte), Philippe Müller (FDP) sowie Pierre Alain Schnegg (SVP) vor allem die Spitzenkandidaten der SVP in den Vordergrund, schliesslich ist es ja auch die SVP, die einen Sitz zu verteidigen hat. Das Doppelticket umfasst Daniel Bichsel, langjähriger Grossrat und Gemeindepräsident von Zollikofen sowie ausgewiesener Finanzexperte, und den Thuner Stadtpräsidenten Raphael Lanz, der ebenfalls seit vielen Jahren als Gemeindepräsident wie auch als Grossrat fest im Sattel sitzt – mit beachtlichem Finanzwissen. Die Linke lanciert ein Viererticket. Drei Namen davon sind neu. Der bekannteste lautet Aline Trede (Grüne). Die Nationalrätin will den Fokus auf eine Energie- und Verkehrswende setzen. Für die SP treten Hervé Gullotti, Gemeindepräsident von Tramelan und Grossrat, sowie Reto Müller, Gemeindepräsident von Langenthal sowie ehemaliger Lehrer und deshalb vor allem in der Bildungspolitik ein ausgewiesener Experte, an.
Dreizehn
Im Verteilgebiet dieser Zeitung liegen zwei Wahlkreise: Mittelland Süd sowie Mittelland Nord. Im Wahlkreis Mittelland Süd gibt es 20 Sitze zu vergeben, 13 Grossräte davon leben im Verteilgebiet dieser Zeitung. Verena Aebischer (SVP) aus Guggisberg, André Roggli (die Mitte) aus Rüschegg, Roland Iseli (SVP) aus Rüschegg, Sarah Gabi Schönenberger (SP) aus Schwarzenburg, Reto Zbinden (SVP) aus Mittelhäusern, Benjamin Marti (SVP) aus Mittelhäusern, Jan Remund (Grüne) aus Mittelhäusern, Thomas Brönnimann (GLP) aus Mittelhäusern, Katja Streiff (EVP) aus Oberwangen, Dominique Bühler (Grüne) aus Köniz, Tanja Bauer (SP) aus Köniz, Casimir von Arx (GLP) aus Köniz sowie Hans-Peter Kohler (FDP). Letzterer tritt nicht nur als Gemeinderat zurück, sondern auch als Grossrat, weshalb sein Sitz frei wird. In Position aus dem Verteilgebiet bringen sich Gemeinderat Dominik Amacher (FDP) sowie die ehemalige Parlamentspräsidentin und Gastro-Bern-Direktorin Tatjana Rothenbühler (FDP). Im Wahlkreis Mittelland Nord sind die 22 Sitze knapp ausserhalb des Verteilgebiets dieser Zeitung verteilt. Aus so wichtigen Gemeinden wie Laupen, Neuenegg oder Mühleberg ist aktuell noch keine Grossrätin oder kein Grossrat aktiv. Doch Kandidierende gibt es einige aus diesem Gebiet. Prominente Beispiele sind die Neuenegger Gemeindepräsidentin Marlies Gerteis (SVP) oder der SVIT-Bern-Präsident und Ehrenpräsident von KMU Laupen, Andreas Schlecht (SVP).
15 Sitze gilt es im Kanton Bern gänzlich neu zu besetzen, die anderen mindestens zu bestätigen. Zwei grosse Listen buhlen um die sieben Regierungsratssitze, und in der Region dieser Zeitung gibt es 13 Grossratssitze zu verteidigen oder eben neue dazuzuholen. Die Ausgangslage ist spannend, und Kandidierende gibt es so viele wie noch nie. Nun überschlagen sich die Wahlveranstaltungen. Eine sei hervorgehoben: Am 28. Januar findet ein Wahlpodium in Riggisberg statt. Dank dem unermüdlichen Einsatz von Gemeindepräsident und Grossratskandidat Mike Bürki (SVP) ist es gelungen, sämtliche Regierungsratskandidierenden vor Ort zu haben. Spätestens dort wird man feststellen dürfen: Im Kanton Bern sind die Politikverdrossenen in der Minderheit und gehören zu den Ewiggestrigen.


