Was vom Klassenzimmer bleibt

Was vom Klassenzimmer bleibt

Ein neuer Schauplatz für das Schulmuseum Bern. Das SchulSchaulager ist eine transparente Zeitreise durch 400 Jahre Schulkultur.

Das Schulmuseum Bern ist das erste Museum in Köniz. Es richtet den Blick auf eine Bevölkerungsgruppe, die während der letzten Jahrhunderte in Museen wenig sichtbar war: die Kinder. Im Zentrum seiner Aktivitäten steht ein wichtiger Teil der kindlichen Lebenswelt – der schulische Alltag, der oft leise, aber kontinuierlich und nachhaltig prägt. Über viele Jahre hinweg verbringen Kinder täglich mehrere Stunden in der Schule. Sie ist der öffentliche Ort, an dem Kinder in einer sensiblen Entwicklungsphase geformt werden. Und doch wird dieser Alltag historisch selten reflektiert.

Lernen zwischen Disziplin und Erinnerung

Die Schule ist eine Zwangsgemeinschaft: Eltern können sich weder die Klasse noch die Lehrperson für ihre Kinder aussuchen. Diese sind dann über Jahre hinweg Teil einer Gruppe, in der sie lernen, sich positionieren, bewertet werden und sich selbst wahrnehmen. Diese Erfahrungen hinterlassen Spuren. Der Raum, die Architektur des Schulzimmers, die Länge der Schulbank, die Sitzordnung, die Distanz zwischen Lehrperson und Klasse – das sind nur einige der äusseren Faktoren, die den Lernerfolg mitbestimmen. Auch Rituale, die Sprache, die Disziplin oder das Bewertungssystem beeinflussen die Lehr- und Lernkultur. Schule vermittelt nie nur Wissen, sondern auch Weltbilder, Hierarchiemodelle und Selbstbilder. Zentral ist der schulische Einfluss durch den Unterricht; ein Beispiel hierfür sind die historischen Schulwandbilder. Schulwandbilder sind grossformatige (Roll-)Bilder, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zur Standardausstattung der Volksschulen gehörten. Sie dienten dazu, Lerninhalte anschaulich darstellen und vermitteln zu können und hingen oft wochenlang in den Klassenzimmern. Beim Stichwort «Höhlenbewohner» erinnern sich Erwachsene der älteren Generationen heute noch oft an ein Bild, ein bestimmtes Schulwandbild, auf dem ein Junge zu sehen ist, der aus der Höhle hinausschaut, auf eine Gruppe von Menschen und Tieren, die über einen Hügel kommen. Nicht der Unterrichtsstoff, sondern die visuelle Erfahrung hat sich den damaligen Schulkindern eingeprägt. Die Schulwandbilder haben während Jahrzehnten kollektive Vorstellungen von Geschichte und Gesellschaft geformt. Das Schulmuseum Bern besitzt ein vollständiges Set der historischen Schulwandbilder.

Kindheit im Spiegel der Schule

Auch das Notensystem ist Teil der kulturellen Beeinflussung durch die Schule. Eine «Viereinhalb» bedeutet in der Schweiz etwas anderes als in Deutschland. Bewertung ist kein naturgegebenes System, sondern kulturell gewachsen. Schule formt auf diese Weise das Leistungsverständnis, das Selbstvertrauen und die Zugehörigkeitsgefühle von Kindern und Jugendlichen. Vieles geschieht ohne bewusste Wahrnehmung.

Ein Museum für den Schulalltag

Mit dem neuen SchulSchaulager macht das Schulmuseum Bern diese Mechanismen sichtbar und erfahrbar. Es zeigt, wie Kinder sassen, wie sie angesprochen wurden, welche Lehr- und Lernmittel eingesetzt wurden, wie Leistung gemessen wurde, wie Gemeinschaft organisiert war. Es geht um Erfahrung, Erinnerung und kollektive Prägungen. Die historischen Schulobjekte laden Besuchende dazu ein, ihre eigenen Schulzeit mit der Vergangheit zu vergleichen: Vertrautes finden, Unterschiede entdecken, verstehen und begreifen. Die besondere Relevanz eines Schulmuseums, und so auch des SchulSchaulagers in Köniz, liegt darin, dass es gezielt sichtbar macht, was oft unbeachtet bleibt: der Schulalltag und wie er die gesellschaftliche Wirklichkeit mitgestaltet. Das SchulSchaulager will diese oft übersehene Schulwelt sichtbar machen. Um dieses Ziel räumlich zu unterstützen, wurde eine auf die Sammlung des Schulmuseums zugeschnittene Ausstellungsarchitektur realisiert. Ein transparentes, lichtdurchflutetes System aus Stahlgerüsten öffnet den Blick in und durch 400 Jahre Schulgeschichte. So kann das Auge umherschweifen, abschweifen und immer wieder versinken.

 

INFO: Eröffnung: 1. Juni / Sägestrasse 65, 3098 Köniz

Kontakt

Datenupload

Der einfachste Weg uns Ihre Daten zu senden!

Werbeberatung

Step 1 of 2