Wenn man Adolf Ogi nicht erkennt …

Wenn man Adolf Ogi nicht erkennt …

Mit Andreas Guggisberg beim Interview nur über ein Thema zu sprechen, das ist eine Art Mission Impossible. Allein schon der Umstand, dass er in Sierre zur Schule ging und ich meine Krimis in Vercorin oberhalb von Sierre schreibe, liesse sich dazu verleiten, z'Längem und z'Breitem über das Wallis zu sprechen, wir tun es aber nicht, auch aus Platzgründen.

Geboren wurde Andreas Guggisberg in Englisberg auf dem Längenberg oberhalb von Belp. Aufgewachsen ist er dann aber zweisprachig im Pfyngut, das zur Gemeinde Leuk im Wallis gehört. Zur Schule ging es nach Sierre, ausgebildet wurde er später als Landwirt auf der Rütti nahe Zollikofen, dem heutigen Inforama.

VLG, Migros, Agroplant, Intermilch, Phosyn
Zehn Jahre war er anschliessend bei der VLG Bern, dem Verband Landwirtschaftlicher Genossenschaften, der heute unter dem Namen Fenaco/Landi bekannt ist. In dieser Zeit nahm Andreas Guggisberg während acht Jahren auch die Geschäftsführung der Schweizer Kartoffelverarbeitungsbetriebe wahr, zudem war er Anbauleiter Konservengemüse Kanton Bern. Er kennt also die Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft genau, verfolgt sie heute noch mit Argusaugen. Es folgten zwei Jahre bei der Migros Bern in Schönbühl im Bereich Marketing Blumen, wo er alle Filialen mit Blumen im Sortiment betreute. «Irgend einisch hets mer aber dert nümm gfalle», stellt er fest, worauf er zur Agroplant in Münchenbuchsee wechselte. Diverse Stationen bei internationalen Firmen im Bereich Pflanzenschutz und Düngemittel folgten. Andreas Guggisberg war unter anderem bei einem Konzern aus England für den Bereich Flüssigdünger im deutschsprachigen Europa zuständig, auch in der damaligen DDR. Danach folgten mehrere Jahre im Marketing bei Intermilch in Ostermundigen.

Ein Bundesrat als Stolperstein
Es kam der Tag, als er, weil er ständig unterwegs war, bewusst eine Alternative zur Landwirtschaft suchte, als Vizedirektor der Seva Lotteriegenossenschaft und nach deren Integration in die Swisslos als Direktionsmitglied. Eine Episode zur Seva bleibt den älteren Lesenden vielleicht noch in Erinnerung. Da gab es doch beim Start von Telebärn 1995 diese Seva-Game-Show, quasi das erste Unterhaltungsformat des jungen Senders, moderiert von Joël Gilgen. Quizteilnehmer im Studio standen jeweils vor einer 16-teiligen Fotowand, die zu Beginn aber von ebenso vielen Kartons abgedeckt wurde. Es galt nun, eine Person zu erraten, die sich dahinter versteckte, möglichst schnell. In einer der ersten Sendungen wurde das Konterfei von Adolf Ogi gezeigt, Stück für Stück, bis zum Schluss der Bundesrat in voller Schönheit zu sehen war, ohne aber, dass die Kandidatin seinen Namen wusste. «Är chunnt mir scho bekannt vor, aber ig weiss nid, wohär.» Vermutlich war die Frau derart aufgeregt – das erste Mal live im Fernsehen –, dass sie über den Oberländer stolperte. «Die Show hatte Kultstatus und war mein Kind», stellt Andreas Guggisberg durchaus mit einer gewissen Befriedigung fest. Apropos: Damals las ein gewisser Marc Lüthi die Nachrichten, der später als SCB-Manager bekannt wurde. Auch das allererste Berner Tram mit einer grossen Werbeaufschrift kam aus der Küche von Andreas Guggisberg, bekannt als das «schwarze Tram», mit dem Seva-Logo.

Landwirtschaft im Wandel der Zeit
Dennoch liess ihn die Schweizer Landwirtschaft nie los. Heute engagiert er sich in der Interessengemeinschaft BauernUnternehmen. Die Gruppe ist das Sprachrohr unternehmerischer Bauern in der Schweiz. Qualitativ hochstehende Produkte und eine standortgerechte Schweizer Produktion – das Markenzeichen. Andreas Guggisberg weiss es aus eigener Erfahrung mit der Agrarchemie: «Die Pflege der landwirtschaftlichen Kulturen hat sich hierzulande in den letzten 30 Jahren drastisch verändert.» Das prophylaktische Spritzen gehört seit Jahren der Vergangenheit an. Heute wird zuerst analysiert, was allenfalls genau getan werden muss. Einer seiner Nachbarn hat bewiesen, dass die Bodenqualität auch ohne grosse Mengen an Stickstoffdünger erhalten bleibt und für erstklassige Böden, Früchte, Gemüse, Kartoffeln und übrige Kulturen sorgt. Eindrücklich auch seine Schilderung, wie seine Tochter auf ihrem Hof unterwegs ist: Alle 14 Tage schaut der Tierarzt vorbei, um sich nach dem Wohl der Tiere zu erkundigen, nicht erst, wenn sie ihn anruft. Dadurch kann der Veterinär frühzeitig und vorausschauend beurteilen, ob allenfalls ein Tier in nächster Zeit genauer beobachtet werden muss. Der Einsatz von Medikamenten kann so stark reduziert oder sogar verhindert werden.

Hat Andreas Guggisberg auch ein Hobby?
Ja, Pferde. Als Train-Offizier arbeitete er zuerst mit Eseln, dann mit Pferden. Als er aus gesundheitlichen Gründen selber nicht mehr reiten konnte, wechselte er zum Ein- und Zweispännerfahren und war damit durchaus auch von Zimmerwald nach Wimmis oder Gümmenen mit Pferd und Wagen unterwegs. Aufstehen um vier Uhr, Rückkehr in der Dunkelheit.

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